"Das ist ja kein Grund zum Feiern", meinte Ute Bock. Die Initiatorin von Hilfsprojekten für Flüchtlinge und Asylwerber feiert heute, Mittwoch, ihren 70. Geburtstag. "70, schrecklich", so Bock im Gespräch mit der APA. Das fortgeschrittene Alter wird sie jedenfalls nicht davon abhalten weiterzumachen: "Das ist der Vorteil, dass ich 70 bin. Ich bin halt schon ein bisschen altersstarrsinnig."
Gefeiert wird jedenfalls am Freitag die offizelle Eröffnung des neuen Quartiers in der Zohmanngasse 28. Das einstige Gesellenheim wurde vom Industriellen Peter Haselsteiner erworben und saniert. Nun sind dort Asylwerber oder anerkannte Flüchtlinge untergebracht. Bock residiert in dem Haus bereits seit einem Monat. Die Ängste der Nachbarschaft scheinen sich großteils gelegt zu haben. "Es hat sich beruhigt", so Bock.
Am Anfang war Chaos
"An sich ist es genauso gekommen, wie ich gesagt hab. Am Anfang war es ein bisschen ein Chaos", erinnerte sich die Jubilarin an die ersten Tage im neuen Quartier. Zuvor war ihr Verein im zweiten Bezirk beheimatet. Gegen den Umzug in die Zohmanngasse regte sich Widerstand. Die FPÖ wetterte dagegen, Anrainer machten sich Sorgen.
Der tägliche Umgang mit den Nachbarn gestaltet sich laut Bock inzwischen aber problemlos: "Ich hab immer gesagt, wenn ich da herkomm', werden sie sich an mich gewöhnt haben und dann war es das. Mein Eindruck ist, dass es tatsächlich so ist. Ich hab jetzt keine Schwierigkeiten gehabt."
"Es gibt sehr viele, die sehr freundlich sind und sehr viele, die ihre Angst abgelegt haben. Natürlich gibt's welche, die sind dagegen, gegen alles, was man macht. Aber mein Gott. Bei mir war noch keiner, der sich über etwas aufgeregt hat", erzählte die 70-Jährige.
Politiker nicht an Lösungen interessiert
Die politische Polemik sei ihr "an sich" egal: "Die sind nicht daran interessiert, dass man da eine Lösung schafft, sondern die sind daran interessiert, dass man das am Kochen hält. Ich hab das nicht einmal ignoriert bis jetzt."
Was die Einbehaltung der Hausordnung anbelangt, kann sie auch streng sein. "Ich hab mir vorgenommen, die ersten fünf, die blöd sind, schmeiß ich hinaus. Damit die anderen sehen: So geht es nicht", so Bock. Dass die Betroffenen zu Dauergästen in der Zohmanngasse werden, ist laut Bock unwahrscheinlich: "Die Zimmer sind so klein, dass sicher keiner das Bedürfnis hat, hier ewig zu wohnen. Das heißt, wenn's ihm halbwegs geht, wird er schauen, dass er wegkommt."
In der Zohmanngasse stehen 70 - bereits belegte - Zimmer zur Verfügung. Dazu kommt eine Notschlafstelle, in der auch Familien untergebracht werden können. Ganz wichtig sei auch die Poststelle, wo sich Leute ohne Wohnsitz ihre Sendungen abholen können, wie Ute Bock betont. Auch Sozialberatung wird angeboten.
(APA)
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