Wien/Apa/Stög. Die Polizei hat in der „Operation Carole“ zehntausende Bezieher von Kinderpornografie in 141 Ländern der Erde ausgeforscht – 272 Personen allein in Österreich. Damit ist dem Bundeskriminalamt (BK) der bisher größte Schlag gegen Kinderpornografie gelungen. Im Zuge der Ermittlungen klärten die Fahnder gleich auch zwei Fälle von Kindesmissbrauch.
Das bei den Verdächtigen gefundene Material ist derart umfangreich, dass die Auswertungen noch Monate in Anspruch nehmen werden. Die Hauptermittlungen gingen von Luxemburg aus. „Die Exekutive arbeitet bereits seit einem Jahr an diesem Fall, die Datenmengen sind enorm“, berichtete BK-Sprecherin Silvia Strasser am Mittwoch der „Presse“.
Laut den heimischen Ermittlern waren die in Österreich ausgeforschten Verdächtigen – es handelt sich durchwegs um Männer – in nahezu allen Berufssparten tätig. Sie sind zwischen 17 und 70 Jahren alt. Einige von ihnen hatten auch beruflich mit Kindern zu tun, sie arbeiteten als Lehrer oder Kindergärtner. Geistliche waren keine darunter.
Am häufigsten rückte die Polizei in Wien zu Hausdurchsuchungen aus, dort wurden 68 Personen angezeigt. In der Steiermark waren es 44, in Niederösterreich 40, in Oberösterreich 35, in Kärnten 25, in Salzburg 20, in Vorarlberg und Tirol jeweils 14, im Burgenland zwölf. Zwei Verdächtige wurden in Haft genommen. In einem Fall hat ein 61-jähriger Salzburger die Tochter seiner Lebensgefährtin sowohl zu Hause als auch in gemeinsamen Urlauben wiederholt missbraucht. In einem zweiten Fall verging sich ein Wiener an seinen drei Taufkindern. Er hat bereits gestanden, doch laufen noch in bedien Fällen Untersuchungen.
Austausch in Chats und Foren
Im BK ist bereits seit dem Jahr 1998 eine Meldestelle für Kinderpornografie eingerichtet (meldestelle@interpol.at). Diese wurde 2010 um das Themenfeld „Kindersextourismus“ erweitert. Im vergangenen Jahr gingen 2589 Hinweise ein. Die BK-Spezialisten stellen fest, dass die Anzahl an kinderpornografischen Internetseiten leicht zurückgeht, allerdings wird einschlägiges Material verstärkt auf versteckten Foren und in Chats ausgetauscht. Weltweit dürften zwischen 200 bis 250 unterschiedliche Webseiten existieren.
Wer in Österreich pornografisches Material von Kindern unter 14 Jahren besitzt oder sich verschafft, kann zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verurteilt werden. Ein Jahr droht, handelt es sich bei den Abgebildeten um „mündige Minderjährige“, also im Alter von 14 bis 18 Jahren. Strenger ist der Strafrahmen hingegen für die Herstellung oder Verbreitung von Kinderpornos. Dafür drohen bis zu zehn Jahre.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2012)
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