WIEN. Das kühle Nass hat derzeit einen Haken. Denn wenn sich bei Temperaturen um die 36 Grad alle genau danach sehnen, mag das zwar verständlich sein. Das Wasser hat dann aber nicht nur mit der kühlenden Wirkung ein Problem, sondern auch mit der Qualität beziehungsweise dem Bestand.
Während sich die Alte Donau zwar auf 28 Grad aufgeheizt hat, es aber keine Probleme mit dem Pegel gibt, sieht das weiter südlich, am Neusiedler See, anders aus. Dort lässt die Hitze einen Teil des Sees verdunsten. Was, gäbe es ausreichend Niederschlag, auch kein Problem wäre. Allerdings lässt letzterer – zumindest in größerem Ausmaß – schon länger auf sich warten. „80 Prozent des Inputs des Sees kommt vom Regen, 90 Prozent des Outputs ist Verdunstung. Fällt ein Glied aus, kommt es zu einem Minus-Wasserstand“, sagt Helmut Rojacz, Leiter des Hauptreferats Wassermengenwirtschaft im Burgenland.
Neusiedler See verdunstet
Derzeit liegt der Wasserstand bei 115,45 Meter über Adria. Das ist um sieben bis acht Zentimeter tiefer als 2011. Bedenklich für das Ökosystem oder die Benutzer des Sees (vor allem Segler) ist der Wasserstand (noch) nicht. Für letztere wird es erst bei einem um 20 Zentimeter tieferen Pegel problematisch. Dennoch verdunstet bei diesen Temperaturen täglich eine beachtliche Menge Wasser. „Man kann derzeit dem Wasserstand zuschauen, wie er sinkt. Bei 32, 33 Grad verdunsten etwa sechs bis sieben Millimeter pro Tag, das entspricht zwei Millionen Kubikmeter“, so Rojacz.
Für das Mikroklima der Region ist das nicht unbedingt schlecht, die Weinbauern freut das sogar. Pro Jahr verdunsten allerdings an die 200 Millionen Kubikmeter Wasser. „Auf den Niederschlag und die Verdunstung hat der Mensch zum Glück keinen Einfluss“, sagt Rojacz. Klimamodelle haben jedoch gezeigt, dass die Verdunstung in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Beeinflussen kann das der Mensch kaum. Lediglich durch eine künstliche Wasserregulierung in Ungarn kann „etwas länger mehr Wasser im See zurückgehalten werden“, so Rojacz, der – da sich Niederschläge immer schwieriger voraussagen lassen – nicht ausschließen kann, dass der Neusiedler See wieder austrocknet. Zuletzt war das 1864 bis 1870 der Fall.
Während man beim Neusiedler See im Falle des Austrocknens nur auf Regen hoffen kann, wird im wesentlich kleinere Zicksee bereits etwas nachgeholfen. Seit einem Monat wird dort Wasser zugepumpt. „Das ist eine Erste Hilfe-Maßnahme. Wir arbeiten an einem wissenschaftlichen Projekt, bei dem wir uns die Wasserbilanz der Umgebung genau ansehen.“ Noch trockener sieht es bei der Langen Lacke aus, die derzeit kaum noch Wasser beinhaltet. Sie trägt aber ihren Namen nicht von ungefähr, denn, so Rojacz: „Es braucht nur zwei, drei Tage regnen, dann ist die Wasserfläche wieder da.“
In Wiens Badegewässern herrschen heuer schon Verhältnisse wie gewöhnlich erst im August. Die Angst, an der Alten Donau sinke der Wasserstand, dürfte aber unbegründet sein. Der Pegel, erklärt Martin Kollar von der MA 45 (Wiener Gewässer) schwanke jährlich um plus/minus zehn Zentimeter, heuer wurde ein Tiefststand im Mai erreicht, aktuell steht der Pegel zehn Zentimeter darüber und steigt. Die Hitze hat darauf keinen Einfluss. Alte und Neue Donau werden aus dem Grundwasser gespeist, der Abfluss wird gesteuert. Verdunstet mehr, wird weniger abgelassen. Der Grundwasserstand hänge vom Regen im Herbst, Winter und Frühling ab, nicht vom Wetter im Sommer.
Pflanzen trüben die Donau
Auch die Anrainer bestätigen das. Nur trüb sei die Donau, wie sonst im August, heißt es in einem Bootsverleih. Wegen der Pflanzen, die stärker wachsen. Die Qualität habe sich in wenigen Jahren aber klar verbessert. Dieser Tage leidet die Qualität vor allem an den Bakterien, die Badende ins Wasser tragen, erklärt man in der Prüfanstalt (MA 39). Die Hitzewelle müsse aber Wochen, gar Monate dauern, bevor man die Donau sperren muss. Noch sind die Grenzwerten in weiter Ferne: Im Strandbad Alte Donau wurde am Montag bei 28 Grad Wassertemperatur eine Konzentration des Darmbakteriums E.Coli von 30 MPN (ein statistischer Wert zur Erfassung von Mikroorganismen) pro 100 Milliliter festgestellt. Der Grenzwert liegt bei 1000 MPN.
Für das Wasser in den künstlichen Becken seien Hitze und Menschenmassen kein Problem, sagt Martin Kotinsky von den Wiener Bädern. Springt man ins Becken, verdrängt man 100 bis 150 Liter Wasser, das durch Filter läuft, mit Frischwasser und Chlorgas angereichert wird und zurück gepumpt wird. Das gesamte Wasser werde so täglich etwa viermal gereinigt. Springen mehr Gäste ins Wasser, läuft der Kreislauf schneller.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 5. Juli 2012)
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