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Wie Wien auch ohne U-Bahn fährt

09.07.2012 | 18:42 |  DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Seit Samstag – und bis Ende August – ist die U1 zwischen Reumannplatz und Schwedenplatz gesperrt. Zwei Straßenbahn-Ersatzlinien wurden eingerichtet. Ein Lokalaugenschein.

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Im Winter kann es in der U-Bahn zur Rushhour fast egal sein, an welche fremde Person man sich gerade kuschelt, Hauptsache warm. Im Sommer aber dürfte die Sache schon anders aussehen: 30 Grad Durchschnittstemperatur und die halbe Welt als Touristen zu Besuch – selbst bei kurzen Strecken oft keine entspannte Angelegenheit.

Darüber aber müssen sich die Wiener seit Samstag keine Gedanken mehr machen. Die U-Bahn fährt nämlich nicht mehr. Genauer gesagt: die U1. Die Strecke von Reumannplatz bis Schwedenplatz wird bis zum 26. August modernisiert, Fahrgäste müssen auf die Straßenbahn-Ersatzlinien 66 und 68 ausweichen. Wobei: Wo sind die Fahrgäste eigentlich? Die Bänke zwischen dem Eingang zur U-Bahn-Station Reumannplatz und dem in Wien weltberühmten Eissalon „Tichy“ sind selten so spärlich gefüllt. Ein paar Frauen, manche mit Hunden so groß wie Katzen, sitzen hier und strecken ihre Gesichter gen Vormittagssonne. Ein paar andere eilen vorbei Richtung U-Bahn – und gehen zielstrebig am Eingang vorbei zur Straßenbahnhaltestelle nebenan.

Der Infostand der Wiener Linien direkt neben der Haltestelle ist schnell entdeckt. Eine Handvoll Personen werden hier gerade beraten: Wie komme ich am schnellsten zum Schwedenplatz? Ich muss in einer Viertelstunde am Südbahnhof sein, wie soll ich fahren? In beiden Fällen wird die Straßenbahnlinie 66 empfohlen, die gerade die Straße herunter tuckert und ihre fünf Minuten Ruhm erlebt. Denn diese Linie (Therme Oberlaa bis Karlsplatz) gibt es in Wirklichkeit gar nicht, sie wurde nur für die Zeit der Bauarbeiten installiert. Normalerweise fährt hier die Linie 67 (Therme Oberlaa bis Otto-Probst-Platz).

Die Tram ist nicht überfüllt, ein Sitzplatz schnell gesichert, kein Kuscheln heute. Eine Station später, an der Quellenstraße, steigen deutlich mehr Fahrgäste ein. Ob er eh zum Quellenplatz fahre, wird der Straßenbahnfahrer von einer älteren Dame mit Einkaufskorb und Stock gefragt. Freilich, freilich, bitte einsteigen. Die nächste Station ist dann schon der Quellenplatz – und hier heißt es umsteigen zur ebenfalls kurzlebigen Linie 68 (Otto-Probst-Platz bis Schwedenplatz). Die Station ist auf der Laxenburger Straße, also ein paar Schritte entfernt; manche Fahrgäste fragen andere Fahrgäste, wo genau denn diese Ersatzlinie mit der ominösen Nummer 68 abfahre.

 

(c) Die Presse / HR

(c) Die Presse / HR

Der Countdown läuft

Rund 300 Mitarbeiter der Wiener Linien sind derzeit zwischen Reumannplatz und Schwedenplatz im Einsatz, um die Passagiere zu beraten. Auch eigene Broschüren („Ersatzverkehr während der U1-Modernisierung“) werden verteilt. Die Fahrgäste seien grundsätzlich gut informiert, sagt Michael Unger, Sprecher der Wiener Linien. Viele hätten sich für Alternativrouten (S-Bahn statt der Ersatzlinien) entschieden, daher sei an vielen U-Bahn-Stationen überraschend wenig los. Auf der Webseite der Wiener Linien wurde indessen ein „Countdown“ eingerichtet: die Tage (47), Stunden, Minuten und Sekunden bis zur Wiedereröffnung der U1 werden heruntergezählt.

U1-Sperre: Umwege ja, Chaos nein

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Die Bauarbeiten wurden bewusst auf den Sommer gelegt, sagt Unger, da zu diesen Zeiten mit einem Viertel weniger Fahrgäste zu rechnen sei. Die Renovierung der über 30 Jahre alten Strecke dient der Modernisierung der technischen Anlagen; die Kosten werden auf 100 Millionen Euro beziffert. Da während der Bauarbeiten auch die Nacht-U-Bahn am Wochenende nicht fahren kann, wird wiederum die Linie 68 eingesetzt (sie fährt im 15-Minuten-Takt); zudem fahren auch die Nachtbusse N66 und N68.

Zurück zur Straßenbahn 68. Fährt die U-Bahn nicht, dann darf sie also ihr Revival feiern. Auch gut, denn so kann endlich wieder einmal die Umgebung in Augenschein genommen werden. Die Laxenburger Straße (nicht sehr spektakulär), die Bauarbeiten am ehemaligen Südbahnhof (sehr spektakulär) und der Schwarzenbergplatz (war die französische Botschaft immer schon so bombastisch?). Rund eine Viertelstunde später, am Ring entlang, hält die Straßenbahn am Schwedenplatz. Hier ist deutlich mehr los als am Reumannplatz. Der Schwedenplatz kennt kaum eine Tages- oder Nachtzeit, zu der er leer ist. Mit oder ohne U1-Sperre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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14 Kommentare
Gast: Kibietz
10.07.2012 09:47
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Na da wurde mir aber Gegenteiliges berichtet

Der Weg von der Donaustadt bis nach Favoriten soll jetzt eine echte Herausforderung sein. Extremlange Fahrzeiten, die Bims mit einem Kinderwagen kaum zu bewältigen.

Antworten Gast: Märchentante!
10.07.2012 18:43
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Re: Na da wurde mir aber Gegenteiliges berichtet

Noch niemals mit einer Bim gefahren, stimmt's, aus Wikipedia kennt man's auch nicht, weil das steht auch kein solcher reißerischer Unfug drinnen...

Gerechterweise hier die Informationen 11 Kinderwagen, ohne den normalen Fahrgaststrom zu blockieren gehen in einem ULF, ohne Stiegen, Lifte, Rolltreppen rauf und runter, direkt an der Straßenkante...

Ein Bus kapituliert bei 2 btw. 3 Kinderwagen, ein U-Bahn bei 7 Kinderwagen geht nix mehr, und das auch nur mit massiver Störung im Verkehrsfluß der normalen Fahrgäste, die Einkaustüte in der Hand ein Kinderwagen im Ausgang kann schon mal ein Betriebsstörung auslösen! (Gilt im übrigen auch für den V-Wagen, in der U6 ist die Grenze bei 4 Kinderwagen).

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Leider werden Trams ohne Klimaanlage eingesetzt


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Re: Leider werden Trams ohne Klimaanlage eingesetzt

Na ja. Am Sonntag fuhr ich mit einer der neuen Straßenbahnen, die eine Klimaanlage haben. Also da drinnen war es heißer als draußen. Noch dazu, wo man kein Fenster öffnen kann. Da sind mir die alten direkt lieber, da gibt es wenigstens ein bißchen Durchzug wenn man die Fenster aufmacht.

Antworten Gast: Kibietz
10.07.2012 09:51
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Re: Leider werden Trams ohne Klimaanlage eingesetzt

Ist docheh gut für die Umwelt? Undwenn ihnen doch zu heiss wird dann ziehen sie sich einfach ausund fahren nackt! Die Öffis würden wahrscheinlich sprunghaft auf der Beliebtheitsskala steigen und viele würdenauch trotz der hohen Ticketpreise und des Mangel an Komforts das eigerne Auto stehen lassen und Öffi fahren.

Hmm, wär das nicht mal eine Idee fürdie Grünen um mehr Öffi-Nutzer zu gewinnen :-)

Gast: UEV
10.07.2012 08:44
1 2

Wien fährt ohne U-Bahn?

Wo fährt die Stadt denn hin ohne U-Bahn. Und womit? Und was machen denn die Wiener, wenn sie alle samt der Stadt in was anderes eingeladen werden? Und in was passt denn überhaupt die ganze Stadt? Gibt es so große Transportmittel. Und wie geht das dann, wenn z. B. nicht alle Wiener mit dem gesamten Wien an denselben Ort transportiert werden wollen?
Fragen über Fragen.

Antworten Gast: CRP
10.07.2012 10:05
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Re: Wien fährt ohne U-Bahn?

Zu sagen "Wien fährt ohne U-Bahn" ist ein Beispiel für die Verwendung eines Stilmittels namens Metonymie. Dabei steht der Ort Wien für die Einwohner der Stadt. Problem gelöst.

Gast: ubahnfaher
10.07.2012 08:43
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ganz klarer fall

weil zum glück in wien doch nicht 99% mit der U-bahn fahren wie in London u. Tokio, sonst gäbe es chaos ohne ende. Das wird von den Grünen immer ignoriert ist aber so.

Antworten Gast: ido
10.07.2012 11:15
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Re: ganz klarer fall

Sorry, aber ich verstehs nicht - was wird "von den Grünen immer ignoriert", und wo ist das Problem?

Antworten Antworten Gast: ubahnfaher
10.07.2012 13:00
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Re: Re: ganz klarer fall

der Individualverkehr wird ignoriert oder gar bekämpft. Nur ohne diesen gäbe es jetzt ein massives Problem, auch in der Urlaubszeit. Mit dem Radl wird die Mutter mit 2 Kindern wohl ein leichtes Problem haben.

Re: Re: Re: ganz klarer fall

autoverkehr wird ignoriert? so ein schwachsinn - 90% der straßenfläche steht dem autoverkehr zur verfügung. die "bekämpfung" des miv ist vielmehr der versuch, wieder auf ein vernünftiges maß zu kommen. niemand - auch nicht die grünen - bestreitet, dass das auto für bestimmte fahrten nötig ist (dass eine mutter mit 2 kindern nicht straßenbahn fahren können soll, ist mir allerdings nicht so klar) - aberSie werden mir doch nicht ernsthaft erzählen wollen, dass alle, die da tagein, tagaus, großteils alleine, im auto rumfahren, absolut keine alternative hätten - sie woollen sie einfach nicht nutzen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ubahnfaher
10.07.2012 16:52
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Re: Re: Re: Re: ganz klarer fall

ganze einfach, weill ich für die selbe strecke mit dem auto 15 Minuten brauche und mit öffi 45 Minuten.

Und dabei noch was vernünftig transportieren kann.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Öffifahrer
10.07.2012 18:58
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Re: Re: Re: Re: Re: ganz klarer fall

also man merkt sofort das sie nie öffi fahren bekomme laufend Angebote von Kollegen oder freunden mich mitzunehmen oder mich nachhause zufahren was ich nach mehrmaligen testen jetzt immer dankend ablehnen da ich fast immer mit den öffis schneller bin als mit Auto
wenn sie natürlich nur zwischen 24 und 5 Uhr unterwegs sind entschuldigen sie meinen Einwand

nämlich

gar nicht bis schlecht