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Rot-grüne Flucht in die Volksbefragung

17.07.2012 | 18:28 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Die rot-grüne Stadtregierung will mit einer Volksbefragung über das Parkpickerl aus der Defensive. Allerdings wird das Volk erst befragt, nachdem die umstrittene Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet wurde.

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Händeringend hat die rot-grüne Koalition in Wien einen Ausweg aus dem selbst angerichteten Dilemma gesucht. Die Rede ist von der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf mehrere Bezirke jenseits des Gürtels (siehe Grafik). Dieser Plan entfachte den größten Proteststurm in Wien seit Jahren – vor allem, weil sie die Grünen ohne Kompromisse und die nötigen Vorbereitungen durchziehen wollten.

Die Folge: Die Wiener ÖVP sammelte – mit Unterstützung von FPÖ und ÖAMTC bisher rund 170.000 Unterschriften, um eine Volksabstimmung gegen die Ausweitung zu erzwingen. Bisher hatte sich die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou auf die Ausweitung per 1.Oktober einbetoniert und eine Volksbefragung ausgeschlossen – laut Wiener Stadtverfassung würden 57.000 Unterschriften reichen, um eine solche einzuleiten. Vassilakou argumentierte ihre Ablehnung damit, dass die Fragestellung nicht verfassungskonform sei – die Stadtverfassung verbiete nämlich die Abstimmung über Gebühren.

Die 170.000 Unterschriften sorgten allerdings für den nötigen Druck, dass bei der rot-grünen Stadtregierung doch ein Umdenken einsetzte. Und sie sorgten damit auch für die erste große Bewährungsprobe der rot-grünen Koalition in Wien.

Am Dienstag trat die in die Defensive geratene Stadtregierung die Flucht nach vorn an und kündigte eine Volksbefragung an. Allerdings fällt diese völlig anders aus, als es die Unterzeichner der von der ÖVP initiierten Protesterklärung fordern: An der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung im Herbst (ob der 1.Oktober als Starttermin hält, ist unsicher) wird nicht gerüttelt. Gleichzeitig soll eine Expertengruppe, in der auch die Autofahrerklubs vertreten sind, innerhalb von sechs Monaten ein neues Modell zur Reform der Parkraumbewirtschaftung in Wien finden.

Dieses neue Modell, in dem die neuen Bezirke (und damit die Ausweitung) nicht zur Diskussion stehen, sondern nur die Tarifgestaltung bzw. die Parkdauer und einige Grenzen, soll dann einer Volksbefragung unterzogen werden. Damit kommt die Volksbefragung einige Monate nach der Einführung der Parkpickerlausweitung. Sie kommt auch vor der endgültigen Entscheidung des Wiener Verfassungsdienstes, ob die von der VP formulierten Frage für eine Volksbefragung (die VP sammelte mehr als 120.000 Unterschriften) verfassungskonform ist – was Rot-Grün bisher vehement verneinen. Vor dieser VP-Volksbefragung, die nach derzeitigen Umfragen mit einer Niederlage von Rot-Grün enden würde, hat sich die Stadtregierung in eine eigene Volksbefragung geflüchtet.

 

Befragung nach Ausweitung

Die seltsam anmutende Vorgangsweise (zuerst Ausweitung, dann Volksbefragung) argumentiert Vassilakou so: „Um in den massiv überparkten Grätzeln der Westgürtelbezirke die Parkplatznot zu linden, sind Sofortmaßnahmen notwendig.“ Denn auf eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs (den die VP nun anrufen will, weil ihre Volksbefragung von Rot-Grün verweigert wird) könne man nicht warten. Damit werden die Wiener in rund sechs Monaten über ein Modell abstimmen, über das es derzeit noch keine Klarheit gibt.

Nebenbei sollen bei der Volksbefragung auch andere Themengebiete abgefragt werden. Doch auch hier herrscht derzeit noch vor allem eines: Unklarheit. Man müsse erst klären, worüber man das Volk noch befragen will, so Bürgermeister Michael Häupl.

Mit dieser Flucht nach vorn in eine (für Rot-Grün maßgeschneiderte) Volksbefragung versucht Häupl einen Spagat. Immerhin ist der Wiener Bürgermeister durch die 170.000 Unterschriften massiv unter Druck gekommen. Während die Grünen in der hoch emotionalen Frage der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung bei ihrem Kernklientel punkten können, in einigen Umfragen bei der Wählergunst sogar leicht steigen, droht eine massive Abwanderung von verärgerten SPÖ-Wählern in Richtung Freiheitliche.

 

Häupl im Dilemma

Für Häupl ist das ein Dilemma. Denn er kann die von Vassilakou kompromisslos durchgezogene Linie nicht völlig konterkarieren, ohne den Koalitionsfrieden aufs Spiel zu setzen. Immerhin besitzt die erste rot-grüne Landesregierung in Österreich für beide Parteien eine besonderes Symbolkraft – nachdem sie derzeit als Vorbild einer rot-grünen Bundesregierung genannt wird. Wobei sich diese Konstellation nach derzeitigem Stand rechnerisch auch nach der Nationalratswahl 2013 nicht ausgehen wird. Die Flucht in die eigene Volksbefragung ist damit ein Versuch, dass Häupl und Vassilakou ihr Gesicht wahren können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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1352 Kommentare
 
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Gast: Rot + Grün = schlimmer als die..........
25.07.2012 12:21
1 0

das alle die in einem PP Bezirk wohnen, überall bezahlen müssen


Man könnte ja im Gegenzug darüber diskutieren, das alle die in einem PP Bezirk wohnen, überall bezahlen müssen wenn sie außerhalb des PP Bezirk parken (z.B. 10, 11 Bezirk usw. oder aber auch in NÖ, ÖO usw.).

Gleiches Recht für alle.

Wäre ja auch eine Möglichkeit, Stau zu vermeiden, die Umwelt zu schonen und noch mehr Abgaben zu kassieren.

Gast: Stadtbeobachter
20.07.2012 19:08
3 1

1000-Euro-Sperre

Einfach Wien abriegeln. Die Erbeeren koennen die sich ja in Erdberg zuechten. Und statt aufn Schoeckel koennens ja den Laaerberg besteigen.

Antworten Gast: Agor
23.07.2012 14:59
1 0

Re: 1000-Euro-Sperre

Die Sperre aber bitte dann in beide Richtungen...

Antworten Gast: wattgren
22.07.2012 09:58
1 0

und Niederoesterreich

Hat 350.000 Arbeitslose mehr...

4 0

U-Bahn nach NÖ

Wie vom Gast-user "Da bese" bereits hingewiesen wurde(http://diepresse.com/home/panorama/wien/1269010/Petrovic-will-Parkgebuehr-fuer-Wiener-in-Niederoesterreich?parentid=2754495#kommentar2754495), war schon sehr oft aus NÖ der Vorschlag zu hören, die Wiener U-Bahnen doch entsprechend zu verlängern.
Zuletzt meines Wissens nach Vösendorf.
Aber der rote Baron von Wien fürchtet natürlich Kaufkraftabfluss. Deswegen geht das schon mal gar nicht.
Wann hat Herr Häupl eigentlich aufgehört, Österreicher zu sein?

Re: U-Bahn nach NÖ

Die U-Bahn ist ein Verkehrsmittel für dicht verbautes Gebiet; am Land ist sie deutlich langsamer als die S-Bahn! Wozu also U-Bahnen verlängern (die >10.000 Fahrgäste/Stunde benötigen um halbwegs wirtschaftlich zu sein) wenn man auch einfach den Takt auf bestehenden S-Bahn-Strecken verdichten könnte? Das müsste das Land NÖ halt bei den ÖBB bestellen, aber dort baut man ja bekanntlich lieber Autobahnen.

Lediglich im Süden braucht man auf der Bahn mehr Kapazität; ein zweigleisiger Ausbau der Pottendorfer Linie wäre dringend nötig!

Ansonsten tun's im absoluten Notfall auch vergleichsweise billige Lokalbahnen für die Gegenden wo keine S-Bahn hinfährt.

7 0

Wer hat all die Jahre Häupl & Co davon

abgehalten, an den jeweiligen Zufahrten Parkplätze zu errichten und für Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr zu sorgen?

Antworten Gast: Gurtmann
22.07.2012 10:02
1 0

ganz einfach:

Ganz einfach der Umstand, dass das eine Bringschuld der Niederösterreicher ist. Und Erwin hat noch NIE in Derartiges investiert...

Antworten Gast: apfelmännchen
20.07.2012 15:53
5 0

Re: Wer hat all die Jahre Häupl & Co davon

gute Frage.

Hinsichtlich der Tatsache dass auch die nächsten Wahlen irgendwann kommen werden, sollte die Stadtregierung schön langsam mal den Finger aus der Nase (oder einem noch wärmeren und dunkleren Ort) ziehen und vorwärts machen.

8 1

Öffentlicher Selbstmord der grünen Fraktion...

das hat schon Charme...

Antworten Gast: Kurt Davinko
20.07.2012 16:29
1 3

Re: Öffentlicher Selbstmord der grünen Fraktion...

Die grüne Wählerschaft erwartet genau diese Aktivitäten und nicht feiges Ducken vor Oppositionsgepoltere (und Wahldrohungen)

* Reduzierung Verkehrsbelastung durch Förderung von Alternativen
* Reduzierung Lärmbelastung
* Kostenwahrheit MIV
* Vergünstigung Öffi-Dauerkarten

Nicht ohne Grund sind die letzten Umfragen sehr positiv für Grün ausgefallen.

Re: Re: Öffentlicher Selbstmord der grünen Fraktion...

was für eine förderung von welchen alternativen ? - sie meinen die förderung durch den steuerzahler und die alternative ist die ausweitung der parkkassiererei. und die guten umfragen sind wohl aus dem traumbuch.

Gast: Gruftmaus
20.07.2012 13:54
3 0

wie komme

..ich dann zb. dazu, in einem wiener Spital auf dem Gang zu liegen, während ein "Pendler" ein Zimmerplatzerl hat?

Polarisierung vom Feinsten.


Ein paar weitere Pickerlideen:

*) Das "Dilettantenpickerl": Zur Identifizierung alle in Wien bevorzugten Verkehrsexperten
*) Das "Ignorantenpickerl": Zur Identifizierung aller im Rathaus verantwortliche Politiker
*) Das "Leistungsverweigererpickerl": Wird bei Bezug von Notstandshilfe ausgestellt, um direkt beim Nachbarn seine Sozialleistungen einzukassieren. In einer Version mit ÖGB Logo auch für Gewerkschaftsmitarbeiter verfügbar
*) Das "Outsiderpickerl": Für jene, die noch wertschöpfend und Steuern und Abgaben zahlen in Österreich tätig sind.
*) Das "Hot Air Pickerl": Für Politiker mit mehr als einer Pressekonferenz pro Monat
*) Das Verschwenderpickerl": Für alle Politiker mit Verantwortung für mehr als einer Million Euro verschwendeten Steuermittel gemäß Rechnungshofbericht(e)

Die Liste kann nach belieben ergänzt werden.

Zusammenfassend: Die beteiligten politischen Akteure wissen gar nicht mehr, mit welchen weiteren "Maßnahmen" sie dem ehrlichen Bürger das Leben schwer machen sollen.

Antworten Gast: Opel Flitzer
20.07.2012 16:30
0 4

Re: Ein paar weitere Pickerlideen:

Bayerlein, Sie könnten ja auch noch gelbe Sterne verteilen.

Gast: Geroy Sovietskogo Soyuza
20.07.2012 12:49
10 0

Damit man mit ...

... windigen Cross-Border Leasing Geschäften noch mehr Geld in den Roten Sand setzen kann...
Bald Sind Wahlen!

Gast: Autozwangsparker
20.07.2012 12:14
13 3

Die Verkehrspolitik von Wien

1. zuerst verknappen den Platz mit Rückbauten
2. dann erlassen wir noch ein paar zusätzliche Parkverbote
3. machen daraus zum drüberstreuen noch einen Parkpickerlbezirk
4. Erhöhen die Preise für Öffis
5. Erhöhen die Preise fürs Parken
5. wenn die Leute protestieren und nach Volksabstimmung rufen wird es trotzdem gemacht

So schaut die rot-grüne Verkehrspolitik aus.

Gast: smilefile
20.07.2012 12:07
5 1

Kleines Lächeln am Rande,..



...350.000 Dienstnehmer bezahlen damit ihre Dienstnehmerbeiträge in Wien! / ...ein!


Re: Kleines Lächeln am Rande,..

und grösser wird das lächeln wenn man bedenkt was sie in wien konsumieren. an frühstück, mittagessen, einkäufe für u hause, tanken, kino etc etc...da sollte ein parkplatz schon drinnen sein ;D

Gast: Gast67
20.07.2012 11:34
2 5

Nur keine Panik!

Wobei die Pendler noch genügend Platz in Wien vorfinden, wo sie gratis Parken können: die kompletten Bezirke 10, 11, 13, 18, 19, 21, 22 und 23!

also nur keine Panik!

der Großteil des Wiener Stadtgebiets ist nach wie vor frei zuzuparken.

natürlich löst das Parkpickerl Probleme, weil die Leute eben vermehrten Anreiz haben, mit Öffis zu fahren bzw. in der Stadt vielleicht gar kein Auto zu besitzen, so wie es 41% der Wr. Haushalte schon tun!

Re: Nur keine Panik!

Die Politiker sollten gleich sagen, dass sie das Parkpickerl in ganz Wien haben wollen. Glauben Sie wirklich das sich die Parknot nicht auf andere Bezirke verschiebt?
Wien wird - wenn es nach gewissen Politiker geht - zur Pickerlzone.
Es Ist schon eine Frechheit, wie die Frau Vize sich für jeden andere Verkehrsteilnehmer einsetzt, ausser natürlich für die Autofahrer (da will man nur abkassieren).

Re: Nur keine Panik!

die entspannung durch das pickerl ist am besten im 8. festzustellen....

aber richtig soziale denkweise:
41% sind zu arm um sich ein auto leisten zu können, dann ist die politik gefordert die restlichen 56% (3% sind sie selbst) auch so arm zu machen dass sie es sich nicht leisten können.

"angespannte Situation rund um das Hanappi-Stadion"

... ich wohne in Hütteldorf. Nicht mal wenn Rapid spielt finde ich KEINEN Parkplatz.

Diesen Experten kann man nur mit Weihwasser in sein grünes Parteibüro zurücktreiben.

Bis jetzt habe ich Zuhause immer einen Parkplatz gefunden, und das obwohl über die letzten 5 Jahre massiv Parkplätze um Hütteldorf herum vernichtet wurden (etwa in der Stockhammergasse, vorm Stadion oder in der Unterführung der Deutschordenstrasse).

Uns jetzt ein Parkpickerl aufs Auge zu zwingen, was für eine Sauerrei !!

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politstrategisch gesehen ist das so wie wenn man sich entmannt während man sich vom Donauturm stürzt

nachdem man sich mit einem Kanister Benzin übergossen und angezündet hat.

Die Grünen tagen ab der nächsten Wahl auf mehrere Jahrzehnte in der "außerparlamentarischen" Opposition nur mehr in der "Gruft"

12 4

Man kann das auch positiv sehen...

damit feuern sich die Grünen bei der nächsten Wahl aus dem Stadtparlament.

Der Preis dafür, die Zeit bis dahin mit all den wöchentlichen grünen bürgerfeindlichen Rülpsern zu ertragen ist hoch - aber er ist es in der Summe wert...


Antworten Gast: Der Steuerzahler
20.07.2012 10:08
2 4

Re: Man kann das auch positiv sehen...

Naja, leider können Niederösterreichische Einpendler in Wien nicht wählen.

 
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