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Kein ambulanter Alkoholentzug mehr in Wien

24.07.2012 | 16:03 |   (DiePresse.com)

Das Anton-Proksch-Institut bekommt für die ambulante Entzugsbehandlung eines Patienten 32,87 Euro pro Quartal. Das sei zu wenig für die intensive Betreuung.

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Für Aufsehen sorgte am Dienstag die Nachricht, dass das Anton-Proksch-Institut (API) als größte Suchtklinik Europas bereits im April aus finanziellen Gründen die ambulante Entzugsbehandlung für Alkoholkranke in Wien-Wieden einstellen musste. Das bedeutet das "Aus" für eine frühzeitige Therapie von jährlich rund 2000 Patienten. Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger und bei der Wiener Gebietskrankenkasse wurde auf den bestehenden Vertrag verwiesen. Es gab mehrere politische Stellungnahmen.

"Wir haben den ambulanten Alkoholentzug immer querfinanziert. Das können wir jetzt nicht mehr", sagte Psychiater Michael Musalek, Ärztlicher Direktor des API. Ein Kassen-Allgemeinmediziner hatte zunächst berichtet, dass für alkoholkranke Patienten das Angebot eingestellt worden sei.

32,87 Euro pro Quartal

Eigenartig: Die Reformbestrebungen der Gesundheitspolitik in Österreich gehen derzeit vor allem dahin, das im internationalen Vergleich ausgesprochen hohe Angebot an stationären Leistungen (Spitalsbetten) zugunsten mehr ambulanter Leistungen umzubauen. In Wien sprechen die derzeitigen Probleme eher eine gegenteilige Sprache. Im Jahr 2011 wurden vom API insgesamt 2032 Patienten stationär betreut, hinzu kamen rund 10.050, die ambulant versorgt wurden. Mehr als 3000 davon waren Kontakte am Ambulatorium Wien-Wieden, von denen wieder zwei Drittel einen ambulanten Entzug machten. Mit letzterem ist es vorerst vorbei.

Laut der Verwaltungsdirektorin der renommierten Institution erhielt das API für den ambulanten Alkoholentzug für ein Quartal und Patient jeweils den Gegenwert eines Krankenscheins der Wiener Gebietskrankenkasse von 32,87 Euro. Gabriele Gottwald-Nathaniel: "Ein ambulanter Entzug bedeutet in etwa drei Wochen eine intensive Betreuung, bei welcher der Patient viermal pro Woche in die Ambulanz kommt." Das ließe sich einfach nicht mit 32,87 Euro abgelten.

WGKK verweist auf laufende Verträge

Bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) betonte Ursula Griesser, Chefin der Abteilung für Vertragspartnerverrechnung: "Es gibt laufende Verträge, den der Hauptverband der Sozialversicherungsträger für die Krankenkassen mit dem Anton-Proksch-Institut abgeschlossen hat (...). Wir zahlen im ambulanten Bereich den geltenden Tarif (Fallpauschale, Anm.) von 32,87 Euro. Darüber hinaus zahlen wir jede Psychotherapiestunde in Einzel- und Gruppentherapien." Der Vertrag wurde vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger für alle Krankenkassen abgeschlossen.

Die Angelegenheit hat hohe gesundheitspolitische und soziale Sprengkraft. 340.000 Österreicher sind alkoholkrank - zehn Mal so viele wie "hart" Drogenabhängige. Das wären rund 68.000 Wiener. Die Zahl der Erwachsenen in Wien, die ständig Alkoholmissbrauch haben, dürfte bei 300.000 bis 400.000 liegen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist im obersten Leitungsgremium des API vertreten.

"Das Problem ist allen Verantwortlichen bekannt", erklärte der Ärztliche Leiter des Anton-Proksch-Institut, der Psychiater Michael Musalek. Gerade bei Alkoholkrankheit könnten "Betroffene im Frühstadium ambulant per Entzugsbehandlung versorgt werden". Man sollte nicht abwarten, bis im Spätstadium eine stationäre Aufnahme notwendig sei.

"Man kann Patienten nicht in Luft auslösen"

Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres: "Es trifft die arme Bevölkerung, die sich Medizin privat nicht zukaufen kann. (...) Die Folgekosten betragen ein Vielfaches." Szekeres und VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger verwiesen auf die geplante Gesundheitsreform, von der gerade eine Verbesserung der ambulanten Versorgung zu fordern sei. Rasinger: "Das ist ein Spiel zu Lasten einer ganz schwer und ganz komplex erkrankten Personengruppe. Man kann Patienten nicht in Luft auslösen. (...) Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt." Alkoholiker würden durchschnittlich rund 16 Jahre an Lebenserwartung verlieren.

Die Wiener VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec forderte "ambulant vor stationär" und Aktivitäten von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Der SP-Gemeinderat Kurt Wagner kritisierte Korosec und verwies auf die Sozialversicherung, die für die API-Finanzierung zuständig sei.

(APA)

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19 Kommentare

die wiener heurigenbarone sollen den entzug finanzieren.


Gast: Wird nicht Spielsucht dort auch behandelt?
25.07.2012 12:35
0 0

Dann wird die Einstellung klar...

Allerdings bleibt fraglich ob die Seuche die seinen Ausgang genommen hat in Brüssel überhaupt vor dem Exitus noch heilbar ist, Patienten die mit dem Primar über Milliarden reden wird wohl ein lächeln und ein paar Nette Worte aufgewendet, sprechen sie sich doch ruhig aus!

Schließlich muß selbst ein Primar der monatlich 10.000.- Euro Netto verdient, 7.143 Jahre arbeiten um diese Summe verdient zu haben, mal Nachdenken welchen Entwicklungsstand die Menschheit im Jahre 5.130 vor Christie hatte...

Rote Politik gestern und heute!

Kein Geld für Alkoholkranke, aber Unsummen für die Banken!

Das Rote Wien war ein Bollwerk in der Bekämpfung des Alkoholismus - und heute?
Pflege des internationalen Finanzkapitals!

Welcher aufrechte Sozialdemokrat der Ersten Republik hätte sich so etwas träumen lassen? Schande über die "SPÖ" ! Diese Partei ist wert, zugrunde zu gehen.

Antworten Gast: richarda12
25.07.2012 12:40
1 0

Re: Rote Politik gestern und heute!

Schon die Großeltern haben seit dem WK2, brav die roten gewählt und was hatten sie davon ? Nichts, außer das, das Leben in Wien immer teurer wurde und unsicherer und die roten und ihre Haberer Partie immer fetter und reicher und die freundelwirtschaft blüht. Siehe Häupl & Junior, Schieder, Rudas usw. ! Die Zeiten wo die Partei für soziales und Wohlstand sowie Sicherheit sind schon lange vorbei. Tlw. muß man sich auch als Ö. als Bürger zweiter Klasse fühlen, den bevorzugt werden in diesem Land andere. Während in Ö. und spez. in Wien so mancher Bürger hungert und nicht weiß wie er die Miete oder den Strom zahlen kann, weil u.a. manches Amt blockiert und starr auf Richtlinien statt auf Menschlichkeit fixiert ist, machen unsere roten Politiker fette Luxusurlaube a la Sardinien oder wie Häupl usw. Trauig und eine Schande für diese einstmals großartige Partei. Rat an Fayman : Machen Sie Ihre Urlaubsfotos öffentlich um.

Gast: Schurl Schlapptschil volksdämlicher Vierastiagn-Poet
25.07.2012 05:23
3 2

Typisch Hundstorfer Sööba owa a eiskoita Obkassiera der ...schiaba

Warum mog i den eigentlich net?
Sagt ma die Krautwaschl Mitzi (ihres Zeichens wohlbestallte Huatmacherin aus der Naglergossen): „Wäu du Schurli hoit ein Gefühlsmensch bist.“ „Wäu du hinter die Gsichta schaun kounnst.“ „Und wäu dir ehemolige großopferte Gewerkschofta immer schon suspekt woan.“
Recht hast! Bei dera sittenwidrigen Bawag-Gschicht woa der doch aa irgendwie involviert. Ein Sozialminister ohne Fehl und Tadel. Na ja, bei uns is olles möglich. Der Typ und meine ollawäu verkehrten Lottozahlen-eine dauerstressige Katastrophe.

Gast: Kein Philosoph
24.07.2012 22:43
6 1

Kein Geld mehr

Das API hat kein Geld mehr, weil die Chefitaeten, Musalek und Gotwald-Nataniel exorbitante Gehälter beziehen, ein extra hohes PR Budget haben und eine externe Firma mit IT Aufgaben betraut haben, Aufgaben die die angestellten Mitarbeiter billiger hätten erledigen konnen.
Musalek vergeudet auch seine Zeit mit vulgär Philosophie, eine Materie von der er schwadronieren kann, aber keine Ahnung hat.

Gast: Christoph
24.07.2012 22:35
5 0

Es gibt ja noch was Anderes ...

Schade, nirgends die Anonymen Alkoholiker aufscheinen. Das ist kostenlos und hat noch dazu eine höhere Erfolgsquote. AA hat echt gute Erfolge. Die einzige Voraussetzung ist der wirkliche Wunsch mit dem Trinken aufzuhören.
Ich habe es schon über 17 Jahre geschafft. Vorher war ich einmal in der Ambulanz in Kalksburg. Der Arzt hat mir nicht mal in die Augen gesehen - auf den Zettel hat er geschrieben: Uneinsichtig gegenüber Alkohol.
Ich persönlich kann jedem nur den Versuch über AA empfehlen!

Gast: Wütend und Enttäuscht
24.07.2012 21:04
8 1

Otto-Wagner-Spital/Steinhof

Das sind nur die Vorboten der sog. Reform" -es kommt noch viel ärger:

Das Otto-Wagner Spital wird bis 2020 abgesiedelt, die Zuständigen und die Gesiba und der KAV und die VAmed kassieren, die Kranken werden im Spital Nord in den Pampas "endgelagert"

Gratuliere, gespart, danke, Gem. Wien und Rot+ Grüne!

Die Politk der klebrigen Finger hat gesiegt, die Gratis-Jubelpropagnadamaschine läuft und läuft und läuft ....


1 1

Wahrscheinlich wurde alles Geld

in das neu errichtete "Jedmayer" (Drogenberatung) am Gumpendorfer Gürtel gesteckt.

http://www.vienna.at/neue-wiener-drogeneinrichtung-jedmayer-loest-ganslwirt-ab/3287995

Gast: M. Wolf
24.07.2012 19:02
2 6

Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt.

Die kriegen den Schlund nie voll.
Wieder ist es ihnen zu wenig,
den Ärzten.

Antworten Gast: Gast Steuerzahler
25.07.2012 07:48
3 0

Re: Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt.

Wo werden denn da bei den Ärzten Unsummen verschleudert? Wenn ich mir die Daten vom "Jedermayr" anschaue, packt mich die Wut. 200 Patienten können "gleichzeitig betreut" werden, alles muss "niederschwellig" sein ... Niemand wird gezwungen, süchtig zu werden. Alle, die ihr Leben lang fleißig arbeiten, zahlen ihr Steuern, damit die Suchtkranken (bewusst nicht "Süchtler" - sonst wird das Posting gleich gelöscht) hingebungsvoll betreut werden können.

1 0

Re: Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt.

Ja mit 11 Euro pro Monat und Patient. Da beneidet wohl jeder Arzt eine Bedienerin.

Re: Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt.

wenn ich sie richtig verstehe, dann wird Mathematik, oder nennen wir es einfach rechnen, wohl nicht Ihre stärke sein!

Gast: Sanierer
24.07.2012 17:57
1 0

Lösung:

Wenn die API'ler das trotz netter Extra-Psychotherapievergütungen nicht zusammenbringen, muss eben die Stadt Wien ihnen das Ambulatorium abnehmen und selbst diese Leistung anbieten.


Gast: ROTER OKTOBER
24.07.2012 17:29
3 12

Ein Schlag ins Gesicht für alle Freieitlichen!


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Re: Ein Schlag ins Gesicht für alle Freieitlichen!

Der Häupl ist von der SPÖ. DAs ist die Partei, die Sie immer ankreuzen müssen.

Re: Re: Ein Schlag ins Gesicht für alle Freieitlichen!

ich kreuze immer SPÖ an.

somit ist der rathausplatz immer sauber.

Antworten Gast: hluvu
24.07.2012 18:26
11 0

Re: Ein Schlag ins Gesicht für alle Freieitlichen!

Genau! Von denen gibts ja eine Reihe alkoholkranker Bürgermeister in Wien. Oder war das eine andere Partei?

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Re: Re: Ein Schlag ins Gesicht für alle Freieitlichen!

Es wäre sicherlich eine Aufgabe, Häupl trockenzulegen. DAs wäre eine gute PR-Aktion. Diese traditionell versoffenen Wiener Bürgermeister sind eigenlich eine arge Zumutung.