Wien/duö. „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“ – was der Arzt Paracelsus bereits im frühen 16. Jahrhundert festgestellt hat, gilt auch für die neuzeitliche Behandlung von Alkoholkranken. Demnach ist nicht die totale Abstinenz von Alkohol das Ziel für die Betroffenen, sondern die Rückkehr in ein „freudvolles Leben“, in der auch moderater Alkoholkonsum erlaubt ist (sofern nicht eine starke körperliche Abhängigkeit vorliegt).
Diesen neuen Forschungsansatz stellte Michael Musalek, ärztlicher Leiter der Anton-Proksch-Suchtklinik in Wien, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz vor. Vorgestellt wurde der neue Verein „Alkohol ohne Schatten“, mit dem „Initiative gegen problematischen Alkoholkonsum“ gezeigt werden soll. Ziel des Vereins ist es, die Forschung zu beobachten, das Thema Alkoholkrankheit in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren sowie eine (interdisziplinäre) Vernetzung von Ärzten, Psychiatern und anderen Beteiligten zu forcieren.
Gerade im Bereich der Forschung habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert, meint Musalek: Früher habe man nur das Spätstadium wahrgenommen und behandelt, heute gehe es in erster Linie um das Frühstadium, also die rechtzeitige Erkennung der Krankheit. Rund 340.000 Österreicher sind alkoholkrank, weitere 760.000 konsumieren regelmäßig Alkohol in großen Mengen, was ein gesundheitliches Risiko darstellt.
Hausärzte als Beobachter
Um eine frühzeitige Erkennung gewährleisten zu können, wären unter anderem mehr ambulante Anlaufstellen nötig, heißt es. Allerdings: In Wien wurde die letzte ambulante Entzugsbehandlung des Anton-Proksch-Instituts (2000 Patienten jährlich) eingestellt. Patienten, die bereits in Behandlung waren, werden dort zwar weiter betreut, neue werden allerdings nicht mehr aufgenommen. Das Institut begründet das Aus mit finanziellen Problemen.
Im Gegensatz zur Behandlung von Drogenkranken gebe es nicht viele Anlaufstellen für Alkoholkranke, sagt Barbara Degn, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und ebenfalls im Verein: „Wir würden viel mehr brauchen.“ Degn verweist auch auf die Funktion der Hausärzte: Oft seien sie die Ersten, die die Symptome erkennen – und oft würden sie auch das familiäre Umfeld des Patienten kennen. Erhärte sich der Verdacht, könnten die Patienten in einer „verständnisvollen Atmosphäre“ aufgeklärt werden. Aber auch hier sei das Problem, dass „das oft sehr zeitaufwendige ärztliche Gespräch mit alkoholkranken Patienten nicht entsprechend honoriert wird“.
Neben Musalek und Degn sind die Ärzte Bernhard Ludvik (Innere Medizin, Med-Uni, AKH), Sepp Leodolter (Frauenarzt, Med-Uni, AKH) sowie Andreas Klein (Evangelisch-Theologische Fakultät der Uni Wien), Georg Psota (Psychosozialer Dienst) und Wolfgang Maierhofer (Med-Media-Verlag) im Vorstand des Vereins. Die Finanzierung ihrer Arbeit soll durch Spenden erfolgen, sie selbst, so Musalek, seien ehrenamtlich aktiv.
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