18.05.2013 11:39 Merkliste 0

Michael Häupls Kampf gegen die Radfahrer

28.07.2012 | 17:16 |  von Martin Stuhlpfarrer (Die Presse)

Wiens Bürgermeister kann sich Einschränkungen für Radfahrer vorstellen. Häupl hat damit eine kontroversielle Debatte angestoßen. Das reißt Gräben auf – nicht nur innerhalb der rot-grünen Koalition.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Vorstoß kam überraschend und völlig unvermittelt. „Ich halte das für eine interessante Idee, die man nicht so schnell verwerfen sollte“, sprach Bürgermeister Michael Häupl über die derzeit wieder kursierende Idee von Nummerntafeln für Radfahrer. Denn Rücksichtnahme im Verkehr sei nicht nur etwas, das einigen Autofahrern abhanden gekommen sei, sondern „durchaus auch einzelnen Radfahrern“. Er höre immer wieder Klagen über Radler, insbesondere von älteren Menschen. Deshalb sollte man über die Einführung von Nummerntafeln für Radfahrer nachdenken, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Mit diesen Aussagen hat Häupl eine kontroversielle Debatte angestoßen. (Nicht nur) Wien diskutiert über rücksichtslose Radrowdys, über Radfahrer, die illegal gegen die Einbahn und auf dem Gehsteig fahren – und wie dieses Problem in den Griff zu bekommen sei. Verkehrsministerin Doris Bures zeigte sich skeptisch – es wird allerdings der Ständige Unterausschuss „Radverkehr“ des Verkehrssicherheitsbeirates des Ministeriums mit dieser Causa betraut. Diese Experten werden sich im Herbst treffen, und nochmals über die Idee diskutieren. Denn die Einführung von Nummerntafeln für Radfahrer würde eine Änderung der Straßenverkehrsordnung bedingen – also eines Bundesgesetzes.

In jedem Fall ist Häupls Vorstoß ein Affront gegenüber dem grünen Regierungspartner – dieser will die Einschränkungen für das beliebte Fortbewegungsmittel seiner Kernwähler um jeden Preis verhindern. Die Grünen stellten sich daher postwendend gegen Häupl: Nummerntafeln für Radfahrer seien „keine sinnvolle Maßnahme“.


»Kluger Schachzug«. Innerhalb der SPÖ wird Häupls Vorstoß von nicht wenigen Genossen aber positiv aufgenommen: „Wenn sich diese Radfahrerdiskussion gut entwickelt, lenkt sie hoffentlich von den Problemen bei der Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung ab“, ist in SP-Kreisen zu hören. „Das war ein kluger Schachzug von Häupl.“ Denn auch Radfahren sei in Wien sehr emotional besetzt – und der Vorstoß ein gutes Ablenkungsmanöver von der Parkpickerl-Ausweitung.

Nicht wenige Genossen nehmen die Wortmeldung Häupls auch aus anderen Gründen mit Genugtuung auf – weil der Bürgermeister damit dem Koalitionspartner Grenzen setzt. Der Hintergrund: Gerade in den großen SP-Flächenbezirken sind die Vorbehalte gegen den grünen Regierungspartner in den vergangenen Monaten wieder massiv gestiegen. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou vergraule mit ihrer autoritären, autofeindlichen Politik SP-Wähler, die zu den Freiheitlichen wechseln würden, lautet dort ein oft gehörter Vorwurf. Manche Genossen haben in diesem Zusammenhang den Eindruck, die SPÖ lasse sich von den Grünen viel zu viel gefallen.

Derzeit kursiert das Gerücht, Nummerntafeln für Radfahrer könnten eine der Fragen bei der angekündigten Volksbefragung Anfang 2013 sein. Damit könnte man ein Radfahr-affines Klientel mobilisieren – das gleichzeitig für das rot-grüne Parkpickerlmodell (das dann ebenfalls vorgelegt wird) stimmt, meint ein SP-Mann.

Der Häupl-Vorschlag sorgt auch für ein Zerwürfnis innerhalb der ÖVP. Für VP-Chef Manfred Juraczka wäre das eine „erneute Abzocke“, die für unnötig viel Bürokratie sorgen würde. Außerdem seien Nummerntafeln für Radfahrer in der Schweiz wegen mangelnden Erfolgs erst kürzlich wieder abgeschafft worden. Die streitbare City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel stellt sich hier gegen ihren VP-Obmann: Immer wieder komme es zu Unfällen und gefährlichen Situationen durch rücksichtslose Radfahrer. Deshalb sei „Häupls Vorschlag zu begrüßen.“

Radverkehr

Vier Prozent der Wege werden in Wien per Fahrrad zurückgelegt. Zum Vergleich: In Vorarlberg sind es 15 Prozent.

6000 Radfahrer werden in Spitzenzeiten pro Tag am Wiener Ringradweg gezählt. Durchschnittlich sind es 2800.

Um sechs Prozent ist die Zahl der Wiener Radfahrer im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zum Halbjahr 2011 gestiegen. Das Netz umfasst 1220 km.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

293 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7
Gast: UKW
01.09.2012 17:24
0 0

Ich bin für die Implementierung von Alkomaten in öffentlichen Gebäuden

Nur wer sauber ist, darf drinnen bleiben und über neue Gesetze nachdenken.

Um den Koalitionspartner nicht zu diskiminieren, sollten auch andere Substanzen abgetestet werden.

0 0

aber

bei den ganzen Diskussionen vermisse ich etwas GAANZ Unwichtiges: die PRO-Radler fahren sicher auch von ca September - bis März Rad ???
wünche trockene Hoserl.

Re: aber

ja, warum nicht? wir radler sind eben keine weicheier wie gewisse andere verkehrsteilnehmer! :-)

Antworten Gast: Eorp
04.08.2012 17:30
0 0

Re: aber

Ja, auch von September bis März. Und wer das nicht will, fährt eben nur im Frühling und Sommer. Wo ist das Problem?

innerstädtisches radfahren hat viele vorteile!

1.)man kommt auf vielen strecken schneller ans ziel
2.) es begünstigt die luftqualität
3.) es ist billiger, auch für den staat
4.) der schwimmreifen am bauch schmilzt
undundund
der gebrauch des fahrrades ist sicher die intelligenteste art, sich in einer stadt fortzubewegen...!
die situation um nummerntafeln ist obsolet; wenn richtige verkehrswege (radstraßen) geschaffen werden, kann man darüber reden!

Gast: Patient
01.08.2012 15:36
1 0

Erst vermiesen sie einem das Autofahren..

jetzt auch noch das Radfahren. wollen wohl alle zu den Öffis zweingen. Aber Kennzeichen für Räder? das ist ja wirklich krank.

Gast: Consuela
01.08.2012 12:38
0 0

Hat Häupl die Strabag-Baustelle bei der Sechshauserstraße beauftragt?

dort endet ein Radweg im "nichts", ohne Umleitung, einfach so: AUS.

auch so kann man Radfahrer auslöschen.

Gast: Hoibl
01.08.2012 00:26
2 0

Her mit dem Zaster

Und wenn ich euch kein Parkpickerl verkaufen kann, weil ihr mit dem Rad fährt, dann müßt ihr wenigstens teure Nummerntaferl fürs Rad kaufen.

Und wenn ihr kein Rad habt, dann auch für Fußgänger, oder euren Hund und Kinderwägen.

Und wenn ihr gar nicht mehr aus dem Haus geht, dann erhöhe ich einfach sonstige Abgaben, wie z.B. Müllentsorgung, oder die U-Bahn-Preis, weil ich kanns ja! :)

Übrigens, mein Dienstwagen ist super, schön geräumig. Da habe ich Platz und fühle mich wohl.

Antworten Gast: aich
03.08.2012 08:36
0 0

Re: Her mit dem Zaster

auch eine Gehsteig"Gebühr" wäre der griechischen Genialität =(wie bekomme ich gratis Geld?) zu empfehlen.

Re: Her mit dem Zaster

"Ich bin dafür, dass die Länder ihr Steuererfindungsrecht stärker ausüben. Da könnte jedes Bundesland genau das besteuern, was dort knapp ist."
Madeleine Petrovic, Chefin der niederösterreichischen Grünen im Interview

http://diepresse.com/home/panorama/wien/1274117/Petrovic_Ein-Horror-mit-den-Niederoesterreichern?parentid=0&act=2&isanonym=null#kommentar0

Gast: aikon
31.07.2012 16:09
3 1

rücksichtsloser radler in wien

http://www.youtube.com/watch?v=nCv6gOCX4jk

Re: rücksichtsloser radler in wien

diese situationen kenne ich sehr gut… überall in wien.
gestern habe ich gesehen, wie ein autofahrer einen fiaker am anfang kundmanngasse mit allen vier rädern am gehsteig/radweg überholt hat, um nicht dahinter sein zu müssen (oder erst bei der busstation 10 meter weiter überholen zu können).

die fußgänger am radweg sind nichts abnormales. manchmal aber auch nicht wirklich leicht es anders zu machen. zb praterstern kreuzen radwege und gehsteige mehrmals. an vielen situationen sind einfach die verkehrsplaner schuld...

Gast: Der_Radler
31.07.2012 15:05
2 0

Dümmer gehts immer...

Wenn man glaubt dümmer gehts nicht, dann wird man doch noch einem besseren belehrt!!!


Gast: Stefan Haslinger
31.07.2012 08:57
1 3

Fahrenschreiber

Ich bin für die Einführung des Fahrtenschreibers / Blackbox für PKWs. Die Kopplung mit einem GPS-Empfänger und einem UMTS-Modem ermöglich die lückenlose Kontrolle der Tempolimits für alle österreichischen Kraftfahrzeuge.

Antworten Gast: ich-weiß-was, was-du-nicht-weißt
01.08.2012 00:04
0 0

Re: Fahrenschreiber

Das wurde bereits von der EU-Kommission verordnet und wird in Zukunft bei allen Kraftfahrzeugen umgesetzt werden.

Somit braucht es nicht mehr gefordert werden.

Unter vorgehaltener Hand wird von Insidern berichtet, dass es sich dabei um einen Teilaspekt der Errichtung eines EU-Polizeistaates geht.


1 1

Und ich dachte immer der kämpft

Gegen seine Trunksucht.
Warum sprechen alle Bürgermeister von Wien dem Alk zu ??? siehe Gratz,Zilk ist der Job wirklich nur mit einem Fetzen zu ertragen ?

Antworten Gast: Häuplversteher-ae
01.08.2012 00:05
1 0

Re: Und ich dachte immer der kämpft

Wennst so blXd und blXd bist wie der Häupl, naja, dann kannst eh nur noch saufen! :)


Gast: Konservativer
30.07.2012 18:48
2 1

Nummernschilder für Radfahrer sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Tatsache ist, dass sich Radfahrer zu einem sehr großen Teil nicht um die StVO scheren. Und sie kommen mit ihren Verstößen stets davon, weil man als Autofahrer keine Chance hat, den Täter zu identifizieren.

Daher: Nummerntafeln für Radfahrer, sofort!

ABER: Ich bin auch der Ansicht dass es einige anständige Radfahrer gibt, und auch für die sollte es Handhabe geben: Z.B. sollte es LEGAL sein, den Lack von auf einem Radweg geparkten Autos nach Belieben zu zerkratzen! Wer zu dumm ist, den Radweg freizuhalten, der sollte wenigstens einen schönen Lackschaden abkriegen!

Antworten Gast: ein weiterer Leser
01.08.2012 00:13
0 0

Re: Nummernschilder für Radfahrer sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Wenn die Menschen netter zueinander wären, ja, dann gäbs weder die rücksichtslosen Auto- und Radfahrer oder Fußgänger.

Bei den geforderten Nummerntafeln drängt sich aber stark der Verdacht auf, der oligosportliche Häupl will blos ein Körberlgeld machen. Was sagen die Grünen dazu, dass es vor allem Arme Menschen betreffen wird?

wie leicht sich die FPÖler instrumentalisieren lassen…

…der häupl wirft ihnen einen köder hin, etwas was seit langem thematisch durch die fpö besetzt ist, um im austrocknenden fpö-sumpf nach stimmen zu fischen. Und sie fressen es. So leicht zu manipulieren… erschreckend.

"brot und spiele" funktioniert noch immer. heute im zirkus minimundus: "autofahrer" gegen "radfahrer" mit publikumsbeteiligung und drei freibier. ein dauerbrenner. geht immer.

na dann noch viel spaß beim opportun sein!

Antworten Gast: HSalat
01.08.2012 00:20
0 0

Re: wie leicht sich die FPÖler instrumentalisieren lassen…

Man könnte Ähniches auch mit dem Häupl versuchen.

Z.B. vor dessen Augen ein Bierkrügerl entleeren, ob der den Verlust des geistreichen Gebräus aushält? :)


Gast: autofan 334
30.07.2012 11:19
8 4

Radkennzeichen BITTE möglichst bald!


Re: Radkennzeichen BITTE möglichst bald!

wenn ich ein auto habe (es aber stehen lasse und natürlich dennoch parkpickerl, nova beim import, versicherungssteuer etc. bezahle) und damit das verkehrsnetz mitfinanziere, ohne es entsprechend (ab)zunutzen, weil ich rad fahre und meine frau rad fährt und unser kind… soll ich dann für 4 fahrzeuge gebühren, haftpflicht etc. bezahlen?
was ist mit inlineskatern, e-rollern, eisläufern, skifahrern, langläufern, fußgängern, segways etc.? teilweise sind die schneller unterwegs und verursachen schlimme unfälle…

Antworten Antworten Gast: Kurt Davinko
31.07.2012 01:05
1 0

Eigentlich

sollten Sie noch eine Gutschrift bekommen. :)

Re: Eigentlich

eigentlich ja, aber rad zu fahren - mitsamt positiver nebeneffekte - ist mir bonifaktion genug.

Antworten Gast: Herbert Fux
30.07.2012 16:26
4 3

Re: Radkennzeichen BITTE möglichst bald!

Zahlen Sie die Kosten?

 
12 3 4 5 6 7