Fußgängern soll es in Wien künftig bessergehen. Deshalb plant die Stadt eine Reihe von Maßnahmen, um die Fortbewegung per pedes zu fördern zu machen. Vorstellbar sind etwa "Fußgänger-Highways", Leitsysteme mit Infosäulen im innerstädtischen Raum und behördliche Regelungen, die den Stadtspaziergängern mehr Platz verschaffen sollen, sagte der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch im APA-Gespräch.
Konkrete Konzepte und Umsetzungspläne soll der künftige Fußgängerbeauftragte der Stadt ausarbeiten. Dieser wird derzeit per Ausschreibung gesucht. Aufgabe des Geh-Lobbyisten ist es laut Maresch, Werbung fürs Zufußgehen zu machen und Ideen und Anstöße für entsprechende Verbesserungen der Zielgruppe, die oft durch andere Verkehrsteilnehmer benachteiligt werde, zu geben.
Einige Vorschläge hat die rot-grüne Stadtregierung allerdings schon in der Schublade: So sollen - ähnlich den Hauptradwegerouten - Fußgänger-"Highways" geschaffen werden. "Das sind nicht unbedingt Fußgängerzonen", so Maresch. Auf diesen eigens beschilderten Routen soll man vielmehr zügig vorankommen, interessante und sehenswerte Orte Wiens passieren sowie durch entsprechende Möblierung oder Durchschleusung durch Parks oder andere Grünzonen auch Gelegenheit haben, zwischendurch Pausen mit "Aufenthaltsqualität" einzulegen.
Als Beispiel nannte der grüne Verkehrssprecher eine Strecke, die ausgehend vom Donaukanal durch den 9. Bezirk über die Währinger Straße durch den Uni-Campus im Alten AKH und dann weiter über die Lange Gasse nach Neubau zum Naschmarkt führen könnte. Über den Karlsplatz könnte der "Highway" dann wieder am Kanal münden.
Leitsystem für Fußgänger
Darüber hinaus ist für die Bundeshauptstadt eine Art Leitsystem für Fußgänger denkbar. Die Idee: Auf Säulen in bestimmten Stadtteilen wird man via Umgebungsplan und Textflächen informiert, wo die nächste Bim-, Bus- und U-Bahnstation, Apotheke, Polizeistation, Kirche, Sehenswürdigkeit oder der nächste Park liegen, wie man am besten dort hinkommt und wie viele Minuten der entsprechende Fußmarsch in Anspruch nimmt. Ziel ist es laut Maresch, Leuten bewusst zu machen, was man alles in kurzer Zeit per pedes erreichen kann. Verschränken will man dies auch mit dem Gesundheitsaspekt, indem man etwa auch Auskunft darüber erhält, dass eine halbe Stunde Zufußgehen das Herzinfarktrisiko um einen gewissen Prozentsatz senkt. Ein derartiges Konzept gebe es bereits in London.
Neben diesen Spezialmaßnahmen stellte der Grüne auch allgemeine Schritte in Aussicht, um Fußgängern das Leben zu erleichtern. "Manchmal ist es so eng, dass ich mir aussuchen kann, ob ich mir links ein Fenstersims reinramme oder rechts mit dem Ellbogen einen Autospiegel abrasiere", ortete Maresch Handlungsbedarf. So sollen etwa Firmen, die Baustellen einrichten, behördlich dazu gezwungen werden, trotz Gerüsten das ungehinderte Passieren zu gewährleisten. Schluss sein soll auch damit, dass Pkw legal auf einem Teil der Gehsteige parken dürfen oder Biker am Trottoir unterwegs sind. Über allem stehe auch die Sicherheit für die spazierenden Verkehrsteilnehmer.
Auf einen Zeitplan wollte sich der Grün-Politiker nicht festlegen. Umgesetzt werden sollen die Maßnahmen jedenfalls noch im Laufe der Legislaturperiode - also bis 2015. Mit dem roten Koalitionspartner gebe es diesbezüglich bestes Einvernehmen, versicherte er.
Fußgänger seien sehr wichtig und ihre Anliegen ernst zu nehmen, betonte VP-Klubobmann Fritz Aichinger. Eigene "Highways" und Leitsysteme stoßen bei ihm jedoch auf Ablehnung: "Jeder Wiener weiß, wohin er muss. Da brauchen wir nicht noch zusätzlich Infosäulen."
(APA)
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