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Mariahilfer Straße: Wirtschaft gegen Stadt Wien

02.08.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Der Plan, eine der beliebtesten Einkaufsmeilen Österreichs neu zu gestalten, schlägt immer größere Wellen. Nun kommen Proteste seitens der Wiener Wirtschaft, die sich gegen das Vorhaben der Stadt Wien stellt.

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Wien/Stu/Apa. Die Neugestaltung der Mariahilfer Straße läuft nicht ohne heftige Querelen ab. Seit Planungs- und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou die fußgängerfreundliche Umgestaltung angekündigt hat, gehen die Wellen hoch. Zuletzt meldete sich die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank, wieder zu Wort: „Der Mariahilfer Straße droht der Verlust des Einkaufsstraßen-Charakters.“ Die Filetierung in mehrere Zonen, einige davon vorrangig für Fußgänger, einige für den Autoverkehr, hätte negative Auswirkungen auf den Verkehr, auf die Wirtschaft und die Anrainer. Außerdem würde der öffentliche Busverkehr im zentralen Bereich der Mariahilfer Straße unmöglich, so Jank.

Gleichzeitig nahm auch die Wiener VP die Neugestaltung ins Visier. VP-Klubobmann Fritz Aichinger fordert einen sofortigen Planungsstopp bei den „chaotischen Umbauplänen“: „Die Mariahilfer Straße ist die bedeutendste und wichtigste Wirtschaftsstraße in Österreich, und sie funktioniert wie sie ist.“ Gleichzeitig verwies Aichinger auf eine VP-Umfrage in den Bezirken Neubau und Mariahilf (sie teilen sich die Mariahilfer Straße): Demnach hätten rund zwei Drittel der Befragten angegeben, die Einkaufsmeile solle so bleiben, wie sie ist. „Nach diesen neuen Planungen wissen die Leute nicht mehr, wie sie in die Mariahilfer Straße kommen“, so Aichinger.

Angst vor Umsatzeinbußen

Er befürchtet durch die Umgestaltung massive Umsatzeinbußen der Geschäftsleute. Als Begründung dieser Angst nimmt Aichinger das Beispiel Salzburg heran. Seit dort die Innenstadtsperre für Autos umgesetzt ist, hätten die Kaufleute Umsatzeinbußen in der Höhe von sechs Millionen Euro verzeichnet. Bei der Mariahilfer Straße dürften deshalb laut Aichinger nur einfache Adaptionen gemacht werden – fußgängerfreundlichere Gehsteige und eine moderne Beleuchtung.

Der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch erklärte allerdings, dass es sich bei allen derzeit kursierenden Modellen nur „um eine Momentaufnahme“ handle: „Die Verhandlungen zur Verkehrslösung laufen. Eine von allen getragene Verkehrslösung erfordert aber Expertise und Zeit.“

Bedenken gibt es zuhauf. Während die Wirtschaft um ihre Umsätze fürchtet, wollen die Bezirke Mariahilf und Neubau verhindern, dass der Durchzugsverkehr nur verlagert wird. Und die Wiener Linien fürchten, dass das Durchkommen für Busse künftig schwieriger wird. Aktuell sehen die Pläne für die Umgestaltung so aus:
•Fußgängerzone. Der Plan, dass die Mariahilfer Straße durchgängig eine Fußgängerzone wird, ist gestorben. Eine solche ist nun nur zwischen Kirchengasse und Andreasgasse vorgesehen. Das bedeutet, dass weder Autos noch Radfahrer durchfahren dürfen.
•Autofreie Zonen. Der Bereich Zieglergasse bis Kaiserstraße und Kirchengasse bis Karl-Schweighofer-Gasse soll autofrei werden. Das würde bedeuten, dass dort nur Radfahrer fahren dürfen.
Querungsbereiche. Von der Otto-Bauer-Gasse ist eine Zufahrt zur Andreasgasse und Zieglergasse möglich. Ebenso von der Schottenfeldgasse zur Webgasse.
•Einbahnregelung. Sie könnte von der Karl-Schweighofer-Gasse bis zum Getreidemarkt reichen.
•Sackgassen. Im Zuge der Umgestaltung würde folgende Straßen zu Sackgassen werden: Kirchengasse, Zollergasse, Theobaldgasse/Windmühlgasse, Capistrangasse, Nelkengasse, Kollergerngasse, Esterhazygasse.
•Tempo 30. Auf umliegenden Durchzugsstraßen soll im Gegenzug Tempo 30 verordnet werden. Das würde die Gumpendorfer Straße, Burggasse und Neustiftgasse betreffen.

Fest steht bisher: Die Neugestaltung dürfte sich verzögern. Waren Umbauarbeiten ursprünglich für heuer angesetzt, dürften diese erst 2013 kommen.

„Highways“ für Fußgänger

Gleichzeitig plant die Stadt Wien, Fußgänger zu fördern, wie Grünen-Verkehrssprecher Maresch erklärt. Vorstellbar sind für ihn „Highways“ für Fußgänger, nach dem Vorbild der Rad-„Highways“. Auf eigens beschilderten Routen soll man zügig vorankommen, interessante und sehenswerte Orte Wiens passieren und gleichzeitig die Möglichkeit haben, sich in Parks oder anderen Grünzonen auszuruhen.

Auf einen Blick

Die Mariahilfer Straße wird neu gestaltet. Von der ursprünglich geplanten Fußgängerzone ist allerdings wenig übrig geblieben. Der aktuellste Plan sieht dennoch deutliche Beschränkungen für den Autoverkehr vor – dagegen gibt es nun Proteste, zuletzt von der Wiener ÖVP und der Wiener Wirtschaftskammer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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150 Kommentare
 
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Gast: Bergbauer
08.08.2012 12:03
0 0

Umgestaltung zu einem Biosphärenpark

Dieses Projekt scheint endlich voranzukommen...

Gast: Kritiker12345
08.08.2012 10:38
0 0

Freut sich auf die "Argumente"

Im Jahr 2014, wenn es heisst "1 Jahr danach"....
Wenn die WKO vorrechnet, wie hoch die Verluste waren, wieviele Leute auf der Mahü ihre Arbeit verloren haben, wenn dann Initiativen, die GEGEN den Umbau waren nocheinmal aufstehen und die Stadtregierung angreifen (vorwiegend die Grünen). Wenn dann Chorherr oder Maresch wieder verzweifelt versuchen, sich da wieder rauszustammeln, weil die Vassi garnicht auftaucht...

bei der rotgruenen stadt(un)regierung

verschärft sich der eindruck, immer neue und höhere hürden zulasten der wirtschaft einbauen zu wollen.

ich rate jedem/r, der/die einen betrieb aufmachen will, aus wien raus zu gehen.
überall in österreich ist das klima wirtschaftsfreundlicher!

Schrecklich.

Die Umsätze in der Kärntnerstrasse haben sich seit dort Fußgängerzone ist ja auch minimiert. Deswegen auch die ganzen großen Ketten oder die Designer am Kohlmarkt.

Gast: toledo
05.08.2012 17:50
0 0

gumpendorferstraße

Nur tempo30 für die Gumpendorferstraße?

Enttäuschend.

Vassillakou the unguided missle

Eine PR Katastrophe jagt die andere. Stalinistischer Politstil. Und im Hintergrund knirscht ganz Wien mit den Zähnen.

Gast: international_
03.08.2012 19:17
15 1

vassilakousche volksbefragungen

das währ doch wieder was für eine vassilakousche volksbefragung:
zuerst umbauen, nachher fragen

Antworten Gast: süpercüül..
05.08.2012 09:53
2 0

Re: vassilakousche volksbefragungen

haben die sozen bei zwentendorf doch auch so gemacht.

Grüne Selbstbefriedigung

Als Anrainer in der verkehrsruhigen Andreasgasse sind wir von der BOBO Expansion unmittelbar betroffen, wenn diese Wohnstrasse mit Park und Kinderspielplatz zur Durchzugsstrasse umgewandelt wird.

also

"Nach diesen neuen Planungen wissen die Leute nicht mehr, wie sie in die Mariahilfer Straße kommen“, so Aichinger.
wieder einer, der recht klar ausspricht, was er vom Wähler hält.

Grünes Planungschaos

Die Andreasgasse ist eine Wohnstrasse und darf als solches nicht durchfahren werden.
Es bleiben also nur mehr Zieglergasse und Schottenfeldgasse als Überquerungen übrig.
Die Anrainer werden sich freuen!

Re: Grünes Planungschaos

is doch wurscht
in 4 Jahr derf´ma nur mehr mitn Radl oder Kinderwagerl fahrn

des Auto bleibt am Parkzonenpickerlparkplatz und wer´s dennoch benutzt, zahlt € 100,-pro Fahrt


Gast: Lingus
03.08.2012 14:16
17 0

Schon super wenn man die Grünen am Hals hat.


18 0

Re: Schon super wenn man die Grünen am Hals hat.

Ja, ein Grüner Bezirksvorsteher im 7. Bezirk holt den Verkehr in den Bezirk. Nicht ganz unoriginell.

Gast: Kritiker12345
03.08.2012 13:43
26 1

Es gibt eine einfache Lösung

Rücktritt der Grünen und Neuwahl!

27 0

Gusch Pöbel

zuerst wird "umgestaltet"
dann werdet´s als Betroffene gefragt

wieder mal grüne Basisdemokratie
kann man die Legislaturperioden ned auf 18,5 Jahre ausweiten?
dann brauch´ma höchstens 4 mal im Leben wählen gehn dürfen
die Gfraster machen so oder so was sie wollen

Gast: herzerld1
03.08.2012 12:52
7 22

Keine neue Erfindung

So alt das Thema, so alt die Diskussionen. Als die Frankfurter Zeil in Frankfurt am Main als Fussgängerzone deutlich erweitert wurde, kamen genau die gleichen haltlosen Argumente wie heute von der Wirtschaftskammer und ihren Wasserträgern. Natürlich gab es nie Zahlen, die diese Spekulationen auch nur ansatzweise bewiesen hätten. Aber um zu nörgeln braucht man ja weder Fachwissen, noch Infos. Und so wird auch von der ÖVP bei der Mahüumgestaltung gearbeitet. Übrigens, die erwähnte Zeil ist heute die umsatzstärkste Einkaufsstrasse Europas.

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Re: Keine neue Erfindung

Es geht doch nicht nur um den Erfolg der Geschäftsstraße, sondern bitte auch um die Menschen die dort leben. Die wollen eben keine Umlenkung des Verkehrs in die derzeit ruhigeren Nebengassen.

Wenn die Fahrbahn für Autos gesperrt wird, dann dauert es fünf Jahre und die bisherige Fahrbahn ist mit ausladenden Schanigärten bepflastert so wie in der Innenstadt. Also mehr Bewegungsfreiraum für Fußgänger - die offenbar alle mit horizontal ausgestreckten Armen gehen wollen und dafür so viel Platz brauchen - auch nicht gewonnen.

10 0

Re: Keine neue Erfindung

Die Frankfurter Zeil als Beispiel hier zu erwähnen ist nicht unbedingt richtig. Ich kenne die Zeil sowohl mit Autoverkehr als auch ohne. Sie liegt mitten in der Stadt und hat sehr gute Öffiverbidungen als Zubringer. Aber und das sollte man auch erwähnen, die Frankfurter haben viele Einkaufszentren rund um die Stadt (gute Öffiverbindungen) und sie sind bekannt dafür, dass sie in erster Linie dorthin zum Einkaufen fahren. Die Zeil ist von den Geschäften her eher mit der wiener Kärntnerstraße zu vergleichen und nicht mit der Mariahilferstraße. Gleiches gilt auch beispielweise für die "Kö" (Königsalle) in Düsseldorf oder das Viertel rund ums Hamburger Rathaus.

Gast: Gewerke
03.08.2012 12:32
6 1

die wahrscheinlichkeit dass politiker(vollzeit ) etwas ..

von wirtschaft (ob im einzelhandel/verkauf wie in dem fall oder aber auch in produktion,weiterverarbeitung etc. ) verstehen ist so gering dass man von vornherein skeptisch sein muss, eben gleich skeptisch wie den linken u. links-linken denen alles "was" mit privatwirtschaft,selbstbestimmung,selbstverantwortung zu tun hat "spanisch" vorkommt !! also liebe innenstadt- kaufleute augen auf u. aufpassen wie die haftelmacher denn das sind alles ideen von leuten die privatwirtschaft/kapital/gewinn(ausser wenns um ihren persönlichen gewinn geht,vornehmlich ohne risiko) nicht gerade im herzen tragen u. vom maiaufmarsch auf fussgängerhighways kann auch niemand geld erwirtschaften um steuern zahlen zu können dass das ganze werkl noch halbwegs weiterläuft !!

9 12

meinungen

Fast jeder hat dazu eine andere Meinung, was auch OK ist. Dass sich da viele gleich wieder komplett echauffieren erscheint mir aber unnötig.
Die Mahü wird so oder so weiter florieren (zumindest wirtschaftlich).
Ich fände die Strasse autofrei wesentlich ansehnlicher und einladender; Komplett FUZO mit einem Radlstreifen in der Mitte und viell. die eine oder andere Querungsmöglichkeit für Autos...
Auch bei der Kärntnerstrasse wurde Zeter und Mordio geschrien, nun kräht kein Hahn mehr danach, dass dort Autos fahren sollen

Antworten Gast: Anne
03.08.2012 18:13
7 0

Re: meinungen

Ich teile Ihre Meinung, nur auf den Radstreifen kann ich gerne verzichten. Das wäre dann nicht besser als mit den Autos.

Radler müssen wirklich nicht überall sein und ich kann aus Erfahrung von Amsterdam sprechen - eine Plage - wiewohl dort die Verhältnisse schon aufgrund der Kanäle anders sind.

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Re: meinungen

Auf der Kärntner Straße ist heute nicht mehr Bewegungsfreiheit für Fußgänger als zur Zeit als dort noch Autos gefahren sind. Man kann das auch nicht vergleichen. Die Innenstadt ist ja komplett verkehrsberuhigt, da man nicht mehr durchfahren kann. Wenn man das für den Bereich innerhalb des Gürtels macht, wäre das auch bei der mariahilfer Straße kein Problem.

Re: Re: meinungen

Ja, weil heute weit mehr Leute dort unterwegs sind, als damals, wo noch die Stinker durch den Innenstadt gekurvt sind.

Das könnte man auf der MaHü dann auch nicht mehr und es würde genau der selbe Effekt wie damals eintreten.

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Frau Vassi-wie?

Geben Sie Ihren Job als Verkehrsstadträtin und Vize-Bgm auf. Sie schaffen es nicht. Es macht doch keinen Sinn, laufend über die eine oder andere Änderung laut nachzudenken und sie durchdrücken zu wollen. Wenn man seinen Job nicht beherrscht, dann bleibt nur die Kündigung, in Ihrem der Fall der Rücktritt. Vorhaben wie diese hier, sind nur gemeinsam mit der Wirtschaft zu realisieren, Alleingänge der Grünen sind kontrproduktiv. Seit Ihrem Amtsantritt ging schon einiges in die Brüche, was selbst Ihr Kollege, der mit dem Veltliner, feststellen musste. Athen würde sich vielleicht über Ihre Ideen freuen, denn dort herrschen bekanntlich chaotische Zustände. Aber Wien ist eben anders und kein gutes Pflaster für "grüne Visionen".

Antworten Gast: Anne
03.08.2012 18:15
3 0

Re: Frau Vassi-wie?

Was glauben Sie warum Frau Vassilakou bei uns ist ?

 
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