Wien/Mpm. Das große Vorbild ist eine fixe Institution im Londoner Hyde Park, Mitte September bekommt auch die Mariahilfer Straße einen (kleinen) Ableger des berühmten „Speakers' Corner“.
So nennt die Wiener ÖVP zumindest ihren Stand, den sie an der Ecke Mariahilfer Straße/Neubaugasse rund um den 15.September – ein genaues Datum gibt es noch nicht – einrichten will. Dort wollen die Schwarzen zum einen über die von der Stadt geplante Neugestaltung der Mariahilfer Straße informieren und auf Auswirkungen – oder wie die ÖVP meint: Verschlechterungen – hinweisen.
Vor allem aber sollen die Wiener am „Speakers' Corner“ selbst zu Wort kommen und ihrem Unmut über die Pläne freien Lauf lassen. Die Wortmeldungen will die ÖVP dokumentieren und der zuständigen Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) übergeben, wie ÖVP-Klubchef Fritz Aichinger sagt.
Laut letztem Stand soll Wiens größte Einkaufsstraße in mehrere Abschnitte eingeteilt werden. Ein Teil (zwischen Kirchen- und Andreasgasse) soll zur reinen Fußgängerzone werden. Zwei weitere Abschnitte (zwischen Zieglergasse und Kaiserstraße sowie zwischen Kirchengasse und Karl-Schweighofer-Gasse) zu autofreien Zonen, in denen aber Radfahrer erlaubt sind.
Im Zuge der Umgestaltung würden einige Nebenstraßen zu Sackgassen, um den Durchzugsverkehr zu beschränken. Querungen der Mariahilfer Straße mit dem Pkw wären nur noch sehr eingeschränkt möglich, etwa über die Otto-Bauer- zur Andreasgasse. Dadurch, befürchtet Aichinger, „würden die Bezirke Mariahilf und Neubau total voneinander abgetrennt“. Alle geplanten Änderungen zusammen würden aus Sicht der Gegner der Mariahilfer Straße schaden und zu Kunden- und Umsatzrückgängen führen. Ein Alternativmodell hat die ÖVP nicht. Denn, so Aichinger, „die Straße funktioniert bestens. Das muss man nicht mutwillig ruinieren.“
Im Büro von Verkehrsstadträtin Vassilakou gibt man sich zur Neugestaltung wortkarg. Die kolportierten Pläne seien „Momentaufnahmen“, die Gespräche „am Laufen“. Den Plan, noch heuer mit der Neugestaltung zu starten, musste man längst aufgeben. Einen Beginn im Sommer 2013 will man weder zu- noch absagen. „Wichtiger ist, dass wir eine Lösung finden, die von allen unterstützt wird. Der Zeitpunkt ist nicht relevant.“ Die VP-Idee des „Speakers' Corner“ wollte er nicht kommentieren. Für die SPÖ ist der „Speakers' Corner“ eine „rein aktionistische Idee“, die FPÖ spricht von einer „unnötigen Fleißaufgabe“.
Die ÖVP hat den „Speakers' Corner“ – den sie übrigens schon vor Jahren am Stadtfest eingeführt hat – vorerst für einen Tag angelegt, weitere Termine sind aber geplant.
Im Zuge der Neugestaltung der Mariahilfer Straße soll laut jüngstem Stand ein Abschnitt zu einer reinen Fußgängerzone werden, zwei weitere zu autofreien Zonen mit Radverkehr.
ÖVP, FPÖ und Wirtschaftskammer sind gegen die Pläne der Stadt. Die ÖVP richtet Mitte September am Eck Mariahilfer Straße/Neubaugasse einen „Speakers' Corner“ gegen die Neugestaltung ein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)
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