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Stadtplanung: Gesetz gegen das Geschäftssterben

13.08.2012 | 16:43 |  Von Herbert Asamer, Martin Stuhlpfarrer, Eva Winroither (Die Presse)

Die Wiener Grünen arbeiten derzeit an einer Änderung der Bauordnung. Das klingt trocken, soll aber Einkaufsstraßen beleben und die Wohnungsnot lindern. Die Grünen wollen aber auch neue Wohnformen etablieren.

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Wien. Die Stadt hat ein Problem. Die Mieten steigen im privaten Sektor massiv, weil immer mehr Menschen nach Wien zuwandern, gleichzeitig stehen immer mehr Büroflächen frei, Geschäftsstraßen kämpfen ums Überleben – Geschäfte schließen.

In dieser Situation wollen die Grünen entgegensteuern – mit einer Reform der Bauordnung. Planungssprecher Christoph Chorherr zur „Presse“: „Es wird derzeit eine neue Bauordnung mit der SPÖ verhandelt. Dadurch soll es möglich sein, städtebauliche Verträge abzuschließen – unter anderem, um Erdgeschoßzonen zu beleben.“ Nachsatz: „Wir wollen vielfältige Erdgeschoßzonen, das ist auch ein Ziel für die Stadterweiterung.“

Konkret geht es um das Ziel, dass Erdgeschoße mit einer Höhe von mindestens 3,50 Metern gebaut werden. Denn unter dieser Höhe hätten Erdgeschoße keinen Sinn für ein Geschäft, so Chorherr, der als Musterbeispiel die belebte Josefstädter Straße nennt: „Wenn dort die Erdgeschoße niedriger gebaut worden wären, hätten nicht so viele Geschäfte einziehen können und die Straße wäre unbelebt.“ Es gehe aber auch um Qualitätssicherung und Freiraumgestaltung.

Verträge mit Investoren

Künftig soll die Stadt also Verträge mit Bauherrn abschließen können, um über die bestehende Flächenwidmung hinweg neue Qualitätsnormen zu vereinbaren. Denn das Problem laut Chorherr: Bisher seien Gebäude oft so gebaut worden, dass sie nicht für einen neuen Zweck nutzbar sind. Leer stehende Gebäude können oft nicht für Wohnungen oder neue Geschäfte verwendet werden. „Deshalb soll es hier Änderungen geben. Wir wollen nicht schuld daran sein, dass es in 15 Jahren keine leistbaren Wohnungen mehr gibt.“

Das Ziel ist also, dass Gebäude künftig so gebaut werden, dass sie für Büros wie auch als Wohnungen nutzbar sind – und eine belebte Nutzung im Erdgeschoß zulassen. „Das ist auch eine Maßnahme für die Belebung der Einkaufsstraßen und gegen die Einkaufszentren.“

Wie notwendig es ist, gegenzusteuern, zeigt eine aktuelle Studie der KMU-Forschung Austria. Gab es 2005 in Österreich noch 53.600 Einzelhandelsgeschäfte, sind es fast sieben Jahre später um knapp zehn Prozent weniger, nämlich 48.400 Geschäfte. Und es werden immer weniger. Im Jahr 2012 gibt es bis jetzt 2100 Geschäfte weniger als im selben Zeitraum vor einem Jahr. „Diese Entwicklung lässt sich auch auf Wien umlegen“, sagt Erwin Pellet, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer Wien. Die zugesperrten Geschäfte hinterlassen dann oft einen heruntergekommenen Eindruck. Ein Problem laut Pellet: Alteingesessene würden oft keinen Nachfolger mehr finden.

„Wenn kleine, inhabergeführte Geschäfte schließen, sind diese Flächen oftmals für den Handel verloren“, sagt dazu Roman Schwarzenecker, Gesellschafter beim Berater Standort + Markt. Für Filialketten seien die Geschäfte zu klein. In der Folge siedeln sich nachfolgende Betriebe vom Schnellimbiss bis zum Ein-Euro-Shop an, die ihren Flächenbedarf zwar an das Angebot anpassen, aber zu keiner Verbesserung der Standortqualität beitragen.
In Wien stehen im Moment laut dem Servicecenter Geschäftslokale (einem Service der Wirtschaftskammer Wien) rund 442 Geschäftslokale leer. Dass es in Wahrheit mehr sind, davon kann ausgegangen werden. Schwarzenecker kommt in seiner Dissertation auf 800 Geschäftslokale (Zahlen aus 2011) – und das in nur 22 Einkaufsstraßen, in denen er die leeren Geschäfte eigenhändig gezählt hat.

Neue Wohnformen

Die Grünen wollen aber nicht nur Geschäftsstraßen beleben und im Bereich der Verfügbarkeit von Wohnungen Schritte setzen, sondern auch neue Wohnformen etablieren. Die Stellplatzverpflichtung soll gelockert werden, um Geld für alternative Wohnbauten freizuschaufeln – auch bei bereits gewidmeten Projekten. Bisher musste bei einem Neubau ein Parkplatz pro Wohnung vorgesehen werden. Das will Chorherr auf 0,7 Parkplätze pro Wohnung senken: „Wir wollen allgemein die Regeln flexibilisieren.“ Als Vorbild nennt der Grüne die sogenannten Bike Citys. Dort wurde die Stellplatzverpflichtung auf 0,7 Autos pro Wohnung gesenkt, mit dem frei gewordenen Geld durch den Bau von weniger Garagenplätzen erhielten die Bewohner im ersten Jahr eine Jahreskarte der Wiener Linien gratis. Dazu gibt es Carsharing-Angebote, Elektroräder und Infrastruktur für das eigene Fahrrad. „Es muss hier die Möglichkeit geben, von der Widmung flexibel abzugehen“, so Chorherr. Das Ziel sei mehr Raum und weniger Verkehr in Wien. Jene, die in einer Bike City leben, sollen sich nicht ein neues Auto kaufen, wenn ihr altes verschrottet werden muss – weil es dort Carsharing-Alternativen gibt. Chorherr: „Der Erfolg des Carsharing-Unternehmens Car2go gibt Hoffnungen, dass das funktioniert.“

Auf einen Blick
Wohnen und Einkaufen. Derzeit wird eine neue Bauordnung zwischen Grünen und SPÖ verhandelt. Die Grünen wollen Reformen, um Einkaufsstraßen zu beleben. Auch sollen Häuser künftig flexibler gebaut werden, damit Büro- auch als Wohnhäuser genutzt werden können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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184 Kommentare
 
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Gast: Kuya
15.08.2012 19:40
4 0

die Konzentration unmenschlicher Ghettostädte

. . . anstatt die Infrastruktur übers Land bis zum entlegendsten Nest auszubauen, Kultur, Verwaltung und Wirtschaft im ganzen Land zu verteilen, bringt die Landflucht die unmenschlichen Verstädterung.

Dazu nimmt die Globalisierung und zuletzt das Internet mit den Multinationalen dem Handel und Gewerbe jede Chance.
Erst die Wegwerfgesellschaft, nun die Auslagerung der Erzeugung hoch- und höchstwertiger Produkte bedeutet das Ende des sozialen Europa.

Gast: oskar blechtrommel
15.08.2012 16:02
2 1

rot grüne Ansiedelungspolitik

gehen sie heute einmal auf die Einkaufsstrassen in Favoriten, Meidling, Hernals, Ottakring usw. Wenn ich mir dort die Population anschaue, hat sich Österreich bereits abgeschafft. Da freut mich das Einkaufen nicht. Und nicht nur mir. Egal, welche Überregulierungen die Grünen fordern.

Gast: E.T.
15.08.2012 13:36
9 0

Früher dacht ich Grün steht für Positives,

für eine Symbiose von Natur und Mensch.

Leider wurde ich und werde ich immer eines besseren belehrt und aus dieser, von mir zugegebener Massen, naiven Vorstellung habe ich mich schon längst verabschiedet.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass Grün gleichbedeutend mit Überregulierung, zurück zum Standard in der Altsteinzeit und zu Armut aller führt.

Einzig und alleine, sie selbst möchten doch vom Fortschritt profitieren, wie Chauffeur, der um die Ecke wartet, 160 auf der Autobahn, Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, großartige Gehälter, Wohnen in besseren Gegenden, etc........

Für mich steht klar - Grün - nein danke......

Re: Früher dacht ich Grün steht für Positives,

grün ist die tarnfarbe für kommunistisch angehauchte.

2 0

Re: Früher dacht ich Grün steht für Positives,

kann ich voll und ganz beipflichten.

Gast: Denk modern!
15.08.2012 11:48
1 1

Denkmalschutz: Fehler der Kärtnerstraße vermeiden!

In der Kärtnerstraße/Graben wurden Haufassaden durch Schaufenster und Allerweltswerbungen (Douglaus, Svarovski, ...) zerstört. Das muss vermieden werden. Der Denkmalschutz braucht mehr Gewicht für Gebäude vor 1914 in Wien.

Gast: koni22
15.08.2012 10:29
5 1

geschafte

Geschäfte sterben aus Verbrecher wandern ein.

1 0

Re: geschafte

die machen dann Geschäfte der anderen Art !

Gast: koni22
15.08.2012 10:27
1 0

Geschäfte

Besser rot grün stierbt aus!Prosst Genosen:-)


Bauordnung alleine hilft nichts ...

"Gesetz gegen das Geschäftssterben":

Diese Titelzeile assoziert, dass es möglich ist, über ein Gesetz das Sterben von Geschäften zu verhindern. Dass die Presse das nicht so gemeint hat, davon gehe ich aus. Mein Bedenken ist eher, dass es Politiker gibt, die ernsthaft daran glauben, dass man Gesetze dagegen erlassen kann ;-)

Die Grünen haben Ideen, die zum Teil durchaus ihren Charme haben, die aber auf mich oft so wirken, wie wenn hier ein paar Träumer in einem Wolkenkuckucksheim zusammensitzen und einfach so zusammenklauben was nach grün aussieht ...

Eine klare Strategie, ein Stadtentwicklungskonzept ist für mich nicht wirklich erkennbar.

Das wäre aber notwendig um beispielsweise eine Mariahilferstraße noch stärker in Richtung großes Freiluft-Shoppingcenter zu entwickeln (das aktuell diskutierte Verkehrskonzept arbeitet dagegen) oder auf der anderen Seite auch nur so als Beispiel etwa aus einer Alserstraße eine "Technik-Meile" zu machen, in der neben technikorientierten Geschäften und Servicestellen auch Technik-Unternehmern eine Heimat geboten wird ...

Um solche geschäftsbelebenden Entwicklungen zu forcieren müssen natürlich gesetzliche, verkehrstechnische und andere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die machen aber nur Sinn, wenn sie zur Strategie passen ...

Kein Konzept

Das sind doch unausgegorene Schnappsideen.

Ihr von der Presse

solltet auch mal auf Wiens Straßen Spazieren gehen
vieleicht Löscht ihr dann weniger Kommentare.

Die Geschäfte sterben aus weil sich daran nix verdienen lässt!

Würden diese Geschäfte einen ordentlichen Gewinn abwerfen so währen sie für alle lukrativ.

So aber bleibt nur das Kleingewerbetum mit positiver Aussicht auf Pleite - Ideal für Zuwanderer die sonst keiner Beschäftigung nachgehen dürfen!

Gast: Mainninger
15.08.2012 08:47
1 4

Leerstand besteuern

wie in vielen Kommunen Nordeuropas schon praktiziert, wird auf alle!!! leerstehenden Immobilien eine Steuer eingehoben, fällig wird jener Betrag, als wäre das Objekt vermietet.(oder anderswertig vermarktet)
na dann, da könnten die Spekulanten in Wien sich aber warm anziehen,...
aber nur so kann man die Mietsteigerungen abfedern und zugleich den Leerstand reduzieren.

Re: Leerstand besteuern

Da hilft nur: Auswandern nach Nordkorea! ;-)

Re: Leerstand besteuern

Selten so einen riesigen Schwachsinn gelesen.

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Privat gegen Staat

In Salzburg zerstoeren die Privaten immer mehr das Schoene (zB Unipark Nonntal, Imbergstr 31, Strubergasse ...: Schachteln, Nullarchitektur). Oder das grausliche Beispiel der USA: grau ... Fataler Heuschreckenkapitalismus.

Re: Privat gegen Staat

Die Privaten?
Scherzkeks! Das ist die Politik!

Re: Re: Privat gegen Staat

... einigen wir uns auf "die Gierigen". Das trifft die Sache eher und auch die wahren Schuldigen ...

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Re: Re: Re: Privat gegen Staat

Okay, die Gierigen und leider ja: der gruene Padutsch tut mit. Genauso wird Oberoesterreich verschandelt mit immer neuen Einkaufszentren auf der gruenen Wiese: kaum ein Politiker kann mit Macht umgehen.

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Re: Re: Re: Re: Privat gegen Staat

PS Oberoesterreich hat einen gruenen Umweltlandesrat - ohne Kompetenzen?!.

Re: Re: Re: Privat gegen Staat

Sie können Ihn ruhig beim Namen nennen!
Wer den Schaden hat, braucht sich um Padutsch nicht zu sorgen!

Gegen Geschäftssterben hilft nur Gesetze abschaffen.

Würgegriff der Bürokratie killt jede privatwirtschaftliche Initiative. Das ist mittlerweile nicht nur Geschäfts- sondern Wirtschaftssterben.

Antworten Gast: Kuya
15.08.2012 19:56
4 0

. . . das haben wir mit dem freien Markt: Anarchie

und schon geht der Pfründe- und Privilegienwirtschaft die Luft aus

Re: Gegen Geschäftssterben hilft nur Gesetze abschaffen.

... Gesetze nur abschaffen hat noch nirgends genutzt ... . Gesetze anpassen an die aktuelle Realität schon eher.

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Zu kurz gedacht

Grundsätzlich ist eine Bauvorschrift, welche die potentielle Nutzung ausweitet, für die Allgemeinheit erstrebenswert, auch wenn sie wesentlich teurer kommt.

Aber das löst das Problem nicht. Viele Büros, Lager, Geschäfte und Werkstätten stehen leer, weil die Nutzungsvorschriften überreguliert sind. Zum Beispiel der erzwungene Einbau von Lüftungen, zusätzlichen Feuerwänden oder sonstigen Schnick-Schnak, der sehr oft einfach der Verhütung eines rein rechnerischen Unfalls dient. Oft haben diese alten Gebäude Jahrhunderte der Nutzung überstanden, ohne dass Sinnloser weise irgendwelche überregulierten Geräteeinbauten stattfinden mussten.

Man sollte hier mal ausmisten UND auch bei den Behörden/Genehmigungen. Was man für einen Betrieb an Genehmigungen braucht....das wird Weltweit nur in der Schweiz übertroffen.

Manch einer geht dann schon am rundherum fast Pleite.

 
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