2012 dürfte als das Jahr der Juwelierüberfälle in die Wiener Kriminalgeschichte eingehen. Bereits 18 derartige Fakten wurden seit Jahresbeginn in der Bundeshauptstadt verübt. Die Polizei hat, wie Oberstleutnant Robert Klug vom Landeskriminalamt am Sonntag bei einer Pressekonferenz mitteilte, elf davon bereits geklärt. In dieser Rechnung sind auch jene fünf Fälle inbegriffen, die der am Samstag nach einem Coup in der Brigittenau festgenommenen Bande zugerechnet werden.
Klug zufolge waren bis Samstag zumindest drei Tätergruppen in Österreich aktiv, die sich auf Juwelierüberfälle spezialisiert haben und die allesamt aus Serbien stammen dürften. Neben der gestern hochgenommenen, nach der Wahl ihrer Fluchtwagen als Golf-Gruppe bezeichneten Bande sind dies eine Motorradgruppe sowie eine Audi-Axt-Gruppe.
Letztere dürfte am ehesten unter das Kriminellen-Franchise namens "Pink Panther" einzuordnen sein. Die Täter pflegen, Autos der Marke Audi zu verwenden, und schlagen in der Regel die Vitrinen der überfallenen Juweliere mit Äxten ein. Sie haben es neben Schmuck auch besonders auf hochpreisige Uhren abgesehen. Auf das Konto dieser Gruppe dürften die beiden Überfälle auf den Juwelier Theuerer im Bezirk Landstraße im Februar und im Mai dieses Jahres sowie der Coup beim Juwelier Böhnel auf der Mariahilfer Straße in Neubau von Anfang Juli gehen.
Eine weitere Gruppe ist auf Motorrädern unterwegs. Sie sollen unter anderem für den Überfall auf einen Juwelier in der Reinprechtsdorfer Straße 36 in Margareten vom April dieses Jahres verantwortlich sein. Dazu kommen Raubzüge beim Juwelier Hübner im oberösterreichischen Wels und bei einem Geschäft in der Schweiz.
Das Geschäft in der Reinprechtsdorfer Straße wurde übrigens bereits mehrfach ausgeraubt. Im Juli 2011 schoss der Inhaber einem Räuber in Notwehr in den Arm, der ihm ohne Vorwarnung ein Küchenmesser in den Rücken gerammt hatte.
Die am Samstag in Wien verhaftete Tätergruppe dürfte ihre Wurzeln in der serbischen Stadt Uzice haben, die sich westlich der zentralserbischen Stadt Cacak befindet. Gemein ist diesen beiden Städten, dass nach Erkenntnissen der Wiener Ermittler viele der international tätigen Juwelierräuber aus ihnen kommen dürften.
Ob und wie weit alle diese Banden unter das vielzitierte Überfalls-Franchise "Pink Panther" fallen, scheint für die Ermittler weniger klar. Sicher scheint, dass die Täter in Serbien Hehler haben, die ihnen die Beute abnehmen, ganz gleich, ob es sich um hochpreisige Uhren oder Schmuck zum Kilopreis handelt. "Ob die Hehler oder wer immer den Tätern sagt, ihr macht das jetzt, oder diese im Wissen, es wird ihnen abgenommen, auf eigene Initiative vorgehen, wissen wir nicht", meinte ein Ermittler zur APA. Auch die Frage, wie hierarchisch die "Pink Panther", die 200 oder mehr Mitglieder haben soll, gegliedert sind, ist noch nicht ganz klar.
(APA)
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