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„Haaaaß is“: Wenn die Sonne Pferde & Touristen lähmt

20.08.2012 | 17:34 |   (Die Presse)

Pferde, die gierig aus Wasserkübeln schlürfen, Bauarbeiter, die unter Gerüsten einen Schattenplatz suchen, Gewerkschafter, die ab 35 Grad hitzefrei fordern: Sommerszenen aus der Wiener Innenstadt.

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Wien/STÖG. Wien, Innere Stadt, Montagnachmittag: Bei 36 Grad wälzen sich Touristenmassen durch die City. Beim Fiakerstandplatz neben dem Stephansdom stehen 20 bis 30 Gespanne in mehreren Reihen. „Haaß is“, meint ein Kutscher auf gut Wienerisch.

Er schleckt an einem Eis. Immerhin, die Pferde „parken“ hier im Schatten. Nicht so auf dem Standplatz in der Jungferngasse vor der Peterskirche: Dort stehen zwei Pferde in der sengenden Sonne. Sie schlürfen gierig aus Wasserkübeln, die ihnen der Kutscher hingestellt hat. Auf dem Graben stellen sich Touristen an einer Trinkwassersäule an. „Drängeln Sie doch nicht“, befiehlt ein älterer Herr mit Strohhut in norddeutschem Dialekt streng seinem Hintermann. Aus der nahen Zentrale der Erste Bank kommen zwei Männer im legeren „Wilhelm-Molterer-Look“: Der frühere Vizekanzler war bekannt dafür, das Sakko meist über die Schultern hängend zu tragen. Die Krawatten durften die beiden Anzugträger gestern aber trotz der Hitze nicht ablegen.

Ganz korrekt sitzt der schwarze Anzug hingegen bei einem der vielen Securitys, die auf dem Kohlmarkt vor den Nobelboutiquen stehen. Auch hier: brütende Hitze. Ob er ab und zu ins klimatisierte Geschäft darf, um sich abzukühlen? Dem Mann steht der Schweiß auf der Stirn. „Kein Kommentar“, meint er nur. Und verzieht dabei keine Miene.

Heer passt Dienst der Hitze an

Auskunftsfreudiger ist da schon ein Bauarbeiter, der in einer Seitengasse unter einem Gerüst hantiert. Im Schatten. „Das ist nicht mein erster heißer Sommer. Wir haben genügend Wasservorrat da, die Hitze ist gerade noch erträglich“, meint er. Ab 35 Grad sollen Bauarbeiter hitzefrei bekommen, forderte gestern die Gewerkschaft Bau-Holz. „Unsere Arbeiter müssen in der prallen Sonne Schwerstarbeit leisten. Das kann es doch nicht sein“, lautet die Kritik der Gewerkschaft. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf der Baustelle mehrere Tage nicht gearbeitet wird, nur weils heiß ist“, sagt der Arbeiter in der Wiener City. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SP) erklärte als Reaktion auf die Gewerkschaft, er verstehe zwar die Forderung nach „hitzefrei“, eine Generallösung sei aber nicht ideal. Laut Arbeiterkammer gibt es keine gesetzliche Grundlage, die ab 35 Grad oder mehr für „hitzefrei“ sorgt. Allerdings können Arbeitgeber Bekleidungsvorschriften lockern oder einen früheren Dienstbeginn einführen.

Praktiziert wird das beim Bundesheer: Bei der Hitze, wie sie derzeit vorherrsche, könne befohlen werden, dass „für manche Dienstverrichtungen das Oberteil abgelegt wird“, sagt Gerald Gundl vom Verteidigungsministerium. Eine Temperatur-Obergrenze, ab der im Freien keine Ausbildung mehr durchgeführt wird, gebe es nicht. Der Dienst werde aber den Temperaturen angepasst: „Sport wird nur in der Früh, Ausbildung im Freien nur im Schatten durchgeführt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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