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Favoriten: Der wiederentdeckte Arbeiterbezirk

21.08.2012 | 17:31 |  von Martin Stuhlpfarrer und Christine Imlinger (Die Presse)

Der Tiroler Investor René Benko will am Wiedner Gürtel zwei Türme bauen. Noch liegt das Gebiet um den neuen Hauptbahnhof brach – aber bald soll es aus dem Arbeiterbezirk Favoriten ein lebendiges Zentrum machen.

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Wien. Spricht man dieser Tage (Jahre schon, genau genommen) in Wien über große Bauvorhaben, fällt ein Name gewiss: René Benko. Wenig überraschend also, dass die Signa, die Holding des Tiroler Investors, nun auch auf dem Areal des neuen Hauptbahnhofs Grund gekauft hat. Benko will dort zwei Türme bauen, einer davon soll 88, der zweite 60 Meter hoch sein, wie gestern, Dienstag, bekannt gegeben wurde.

Der höhere der beiden Türme werde laut Plan, gemeinsam mit dem ÖBB-Turm, der die Konzernzentrale der Bahn beherbergen soll, den Hauptbahnhof flankieren, dazwischen werde sich das Rautendach spannen, erklärt Hans-Christian Heintschel vom Projektteam Hauptbahnhof der Stadt. Die Signa hat dazu ein Baufeld direkt am Wiedner Gürtel, aber schon im Bezirk Favoriten, gekauft. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Arbeiten an den Türmen sollen 2014/15 beginnen, dann werde „jedenfalls“ drei Jahren lang gebaut, so eine Signa-Sprecherin. Frühestens 2017 also sollen in diesen Türmen Büros, Geschäfte und ein Hotel eröffnen. Die Signa will mit den Türmen einen „städtebaulichen Akzent“ setzen. Wie diese aussehen werden, wisse man noch nicht, heißt es. Schließlich stehen die Ausschreibung und der Architektenwettbewerb noch bevor.

Von der Peripherie zum Zentrum

Zweifellos aber markieren die Bauten um den neuen Hauptbahnhof den Beginn einer neuen Ära des alten, abgelegenen Arbeiterbezirks. Mit 177.000 Einwohner wäre Favoriten die viertgrößte Stadt Österreichs – wenn es nicht der zehnte Bezirk von Wien wäre. Dort wohnen mehr Menschen als in Salzburg oder Innsbruck. Und dort steht der größte Wandel seit Jahrzehnten bevor. Auslöser dieser Veränderung, die dem Arbeiterbezirk mehr Urbanität, Aufschwung und neues Leben bringen sollen, ist der Hauptbahnhof. Dort werden derzeit Kräne über der riesigen Baustelle bewegt. Lkw um Lkw fährt vorbei, bringt Erde und Baumaterial von und zum Hauptbahnhof. Seit wenigen Tagen fahren Züge durch den größten Bahnhof Österreichs. Sie halten allerdings erst mit dem Fahrplanwechsel im Dezember. Dann nimmt der Hauptbahnhof offiziell seinen (Teil-)Betrieb auf.

Noch ist das Gebiet um den Bahnhof Brachland. Aber es soll eine Metamorphose geschehen, eine Verwandlung vom Arbeiterbezirk an der Peripherie zu einem zentrumsnahen, urbanen Bezirk, hoffen Stadtplaner. Durch den Hauptbahnhof wird der Zehnte an die innerstädtischen Bezirken angebunden. „Eine Barriere, die es seit 100 Jahren gegeben hat, ist nun weg“, formuliert es Josef Kaindl, Vize-Bezirksvorsteher von Favoriten: „Die Bezirksteile können zusammenwachsen.“

Das Ende dieser Barriere bedingt der Hauptbahnhof dadurch, dass er mehrere Verbindungsstrecken zwischen der Wieden und Favoriten zulässt. Das Gebiet wird durchlässiger. Und als Motor der neuen Urbanität fungiert ein neues Stadtviertel beim Bahnhof, das in Bau ist: das Sonnwendviertel. Zwischen Gudrunstraße und Sonnwendgasse entstehen auf dem rund 70 Hektar großen Areal Wohnungen für 13.000 Menschen, Büro- und Geschäftsflächen. Sie werden um einen neuen, acht Hektar großen Park angeordnet – dem Helmut-Zilk-Park. 2014 sollen die ersten etwa 1000 Wohnungen bezogen werden.

Gesucht: Städtische Identität

„Es gilt in diesem neuen Stadtteil eine andere Bevölkerung anzuziehen – es soll eine Durchmischung entstehen“, erklärt Kaindl: „Das ist gut für den Bezirk.“ Nachsatz: „Ich hoffe, dass sich im Bezirk eine städtische Identität entwickelt.“ Attraktiv soll das Gebiet auch aus einem anderen Grund werden. Im Sonnwendviertel entsteht der zweite Bildungscampus der Stadt.  1100 Kinder und Jugendliche bis 14 werden dort in elf Kindergartengruppen und 33 Ganztagsklassen unterrichtet. Dieses Angebot soll auch neue Bevölkerungsschichten ansprechen, und weit über die Bezirksgrenzen hinaus strahlen. Und weit in den Bezirk hinein.



Davon erfasst soll vor allem die Fußgängerzone Favoritenstraße werden. Die hat schon bessere Zeiten gesehen. Mit dem neuen Hauptbahnhof soll sich alles ändern. Die Favoritenstraße werde an den Hauptbahnhof angebunden – „durch die ÖBB-Passagiere wird mehr Kaufkraft kommen“, ist Kaindl optimistisch. Das ganze Gebiet von der Favoritenstraße bis zum Sonnwendviertel werde profitieren. Damit das funktioniert, sei es wichtig, in diesem Gebiet die Erdgeschoße zu beleben – mit Boutiquen oder Cafés.

Das neue Gebiet soll auch verkehrsmäßig gut erschlossen werden. Derzeit ist geplant, die U2 vom Karlsplatz über den Rennweg, St. Marx/Eurogate und Arsenal zur Gudrunstraße zu führen. Etwa 2019 könnte diese Linie in Betrieb geben. Außerdem soll der neue Stadtteil in sechs Minuten von der U1-Station Keplerplatz erreichbar sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)

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46 Kommentare
 
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Gast: Muhri F
23.08.2012 17:59
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Favoriten: Der wiederentdeckte Arbeiterbezirk

Wohl eher ein von Orientalen eroberter Bezirk.

Antworten Gast: Störrisch...
24.08.2012 16:06
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Re: Favoriten: Der wiederentdeckte Arbeiterbezirk

...und gehts Ihnen jetzt besser, nachdem Sie eine FPÖ-Propaganda-Parole nachgeplappert und losgeworden sind?

Oder haben Sie am Ende den Text gar nicht verstanden, weil Posting ist eine klassische Themen-Verfehlung!

Schönes WE!


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bso vorturner wittmann

na hoffentlich gibt es in diesem neuen stadtteil dann auch ein paar bewegungsflächen für die bewegungsarme jugend!
dort könnte bso vorturner wittmann dann seiner arbeit nachgehen.

Da ist ja noch genug Zeit,..

..Staatsanwälte auszubilden, damit dann, wenn die Prozesse beginnen, kein Personalmangel herrscht.

Derzeit ist geplant, die U2 vom Karlsplatz über den Rennweg, St. Marx/Eurogate und Arsenal zur Gudrunstraße zu führen.

Ähm, diese Verlängerung ist mal auf Eis gelegt. Da gibt es wichtigere Ausbaupläne. Die U5 zB ist in der Prioritätenliste aktuell voran oder die U2 Richtung Matzleinsdorfer Platz.

Gast: kmm
22.08.2012 19:17
2 0

wo ist das Zentrum?

Liebe Leser und Schreiber, dass der Hauptbahnhof aus Favoriten "ein lebendiges Zentrum macht", stimmt nicht. Favoriten hat ein lebendiges Zentrum. Es erstreckt sich vom Reumannplatz zum Viktor-Adler-Markt und Keplerplatz, ob man das nun "schön" findet oder nicht. Was der Bahnhof bewirkt, und das kann man begrüßen, ist, die Gegend Sonnwendgasse / Gudrunstraße aufzuwerten. Ärgerlich ist auch, dass die Presse Favoriten "abgelegen" nennt (– oder ist das metaphorisch gemeint, wegen des Klischees vom "Arbeiterbezirk"?). Das stimmt schon geografisch nicht, und ist auch nicht logisch, wenn es sich um den bevölkerungsreichsten Bezirk Wiens handelt. Es grüßt herzlich Kurt (Nicht-Arbeiter, Ex-Favoritner).

Gast: kmlg
22.08.2012 15:25
1 1

Favoritenstraße?

Die Fuzo dort ist doch super. Im Bereich Südtirolerplatz ist se halt tot, bei der Lage auch nicht verwunderlich. Aber schon 50m weiter ist sie echt die bessere Mariahilerstraße. Auch vor Weihnachten absolut zu empfehlen. Praktisch die gleichen Geschäfte wie in er Mariahilferstraße, aber viel weniger Leute, freundlicheres (weil vermutlich auch weniger gestresstes) Ladenpersonal und das Drumherum (Essen, Trinken, Cafe) deutlich günstiger.
Von daher klingt das ein bisschen wie eine Drohung.

Gast: Dorfkaiser
22.08.2012 15:13
3 0

Nicht einemal Wien hat in ddiesem Jahrhundert eine Städtische Identität gefunden.

Die Stadt tut so, als wäre hier tiefste Provinz und übertrifft selbst entlegendste Provinzdörfer noch an Provunzialität. Wie soll hier ein einzelner Bezirk eine Städtische Identität entwickeln?

Irgendwie ...

kommt mir vor, dass einige die hier Posten (Tom K., Ingsic, Wasserläufer,.....) den Bezirksteil gar nicht richtig kennen und nur, auf gut wienerisch gesagt, motschkern.

Antworten Gast: Störrisch...
22.08.2012 15:25
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Re: Irgendwie ...

....motschkern...stimmt, herrliches Wort! :-)

Und ein bissi Ausländerfeindlichkeit/Vorurteile dürften sich bei dem Thema auch ausgehen.

Samma froh, für alle was dabei! ;-)

Gast: Gruftmaus
22.08.2012 14:04
2 1

Wiederentdeckung des verloren gelaubten Bezirkes.

Fein- und ein paar Aborigines haben auch noch irgendwie überlebt (unfassbar), was sagt man dazu?
Schnell ein Reservat errichten bitte!!!

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"1100 Kinder und Jugendliche bis 14 werden dort in elf Kindergartengruppen und 33 Ganztagsklassen unterrichtet."

Und wo nimmt die ganzen türkisch und kroatisch sprechenden Lehrer für die 1100 Schüler her?

Antworten Gast: gäst
22.08.2012 15:28
0 0

Re: "1100 Kinder und Jugendliche bis 14 werden dort in elf Kindergartengruppen und 33 Ganztagsklassen unterrichtet."

Richtig vorbildlich, wie sie sich um die Bildung der jungen Wienerinnen und Wiener kümmern. Sie sollten in den Bezirksrat, bei soviel Weitsicht!

Antworten Gast: Störrisch....
22.08.2012 13:30
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Antwort...

....Lehrer die benötigten Sprachen lernen lassen.

Da die Eingeborenen Österreichs bereits zu kaputt und zu dekandent sind, um sich ausreichend fortzupflanzen- sprich die Seele an den Kapitalismus verkauft haben - ein herzliches Danke an dieser Stelle an jene, denen Kinder näher sind als ein Flat-Screen zb. oder ein 2. Auto und die dafür sorgen, dass Sie und ich vielleicht doch noch ein bissi Pensi bekommen!

Sanftes Erwachen an dieser Stelle aus Ihrer wilden Phantasie "nur native Ösi-Kinder sind gute Kinder!"

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"Und dort steht der größte Wandel seit Jahrzehnten bevor."

Das stimmt nicht ganz. Dieser Wandel hat bereits stattgefunden. Allerdings weniger wegen der Gebäude sondern deren Bewohner.

Gast: Argesauge
22.08.2012 10:41
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Ein Staatsunternehmen verkauft

und es wird Stillschweigen vereinbart !

Es könnte auch zu einem Freunderlschaftspreis natürlich nur bei Beauftragung von Freunderlschafts Beratern, Anwälten, Consultern, Maklern, usw. verkauft worden sein...

Reine Mutmaßung - doch es wird niemand erfahren, denn

ALLES IST GEHEIM !

Gast: 23
22.08.2012 08:47
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....was versteht man unter Durchmischung (...von 13.000 Menschen)????
..wird eher ein neues Wien Ghetto....Leider...

Antworten Gast: Skydings
22.08.2012 23:33
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Re: 2

Wenn das neue Stadtviertel so wird wie andere also zB der Nordbahnhof, dann kann von Ghetto keine Rede sein. Diese neuen Viertel sind meist von junge Leuten und vielen Jungfamilien meist mittleren Einkommens geprägt, unterschiedlichen Bildungsgrades aber eher ueberdurchscnittlich als unterdurchschnittlich.

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"aber bald soll es aus dem Arbeiterbezirk Favoriten ein lebendiges Zentrum machen"

Ein Suk fehlt noch.

Re: "aber bald soll es aus dem Arbeiterbezirk Favoriten ein lebendiges Zentrum machen"

Was ist das?

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Re: Re: "aber bald soll es aus dem Arbeiterbezirk Favoriten ein lebendiges Zentrum machen"

http://de.wikipedia.org/wiki/Suq - ich kannte es nur als Suk

prinzipiell finde ich den neuen Hbf gut, aber warum müssen wieder die neuen viertel alle so abgrundtief hässlich werden?!

ich habe mir die neuen Gebäude in der sonnwendstrasse angesehen - 60er Jahre Architektur des vergangenen Jahrhunderts! einfach scheußlich anzusehen. warum müssen bei uns die neuen Häuser so aussehen wie in der DDR?!

Antworten Gast: joseph
22.08.2012 10:06
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Re: prinzipiell finde ich den neuen Hbf gut, aber warum müssen wieder die neuen viertel alle so abgrundtief hässlich werden?!

als steigerung der scheusslichen architektur zeigt sich das p&c-kaufhaus auf der kärtnerstrasse in wien.

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Re: prinzipiell finde ich den neuen Hbf gut, aber warum müssen wieder die neuen viertel alle so abgrundtief hässlich werden?!

weil wir DDRähnlich heute leben. Das war früher in Österreich anders (UNO City, Shopping City, Uni City in W2

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Wenn Sozialisten was wirklich großes planen kann man Wetten darauf abschliessen ...

ab welchem Jahr die ersten Prozesse vor den Gerichten beginnen und ab wann sie wegen Verjährung, Demenz der Angeklagten ec. eingestellt sein werden.

Weiters darf man darauf wetten das alles von hinten bis vorne ein megateurer Flop wird.

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Re: Wenn Sozialisten was wirklich großes planen kann man Wetten darauf abschliessen ...

Boris, muss megateuer sein, woher kommen sonst die Gelder f. Inserate?

 
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