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Wien: Erster U-Häftling mit Fußfessel

21.08.2012 | 18:16 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ein mutmaßlicher Betrüger, der in Wien im Gefängnis war, darf seine Untersuchungshaft zu Hause verbringen. Überwacht wird er mit einer elektronischen Fußfessel - ein in Wien bisher einzigartiger Vorgang.

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Wien. Die steirische „Gräfin“ und frühere Tierpark-Betreiberin Andrea Herberstein bekam sie. Der frühere „Konsum“-Boss Hermann Gerharter bekam sie auch. Die Rede ist von der Fußfessel. Also von jenem fix am Fußgelenk befestigten Kunststoffband, das einen Sender enthält und elektronisch Alarm schlägt, wenn der Träger des Bandes seine Wohnung widerrechtlich verlässt.

Seit 25. Juli sitzt auch ein mutmaßlicher Betrüger, der in Wien im Gefängnis war, im elektronisch überwachten Hausarrest. Das Besondere: Der Mann ist noch nicht verurteilt, er war zuletzt in U-Haft. Und es bestand sogar Fluchtgefahr. Sowohl über Herberstein (Betrug mit Fördergeldern) als auch über Gerharter (Untreue in Bezug auf einen quasi „geschenkten“ Bawag-Kredit) waren, wie berichtet, teilweise unbedingte Haftstrafen – freilich jeweils im unteren Bereich – verhängt worden. Beide Fälle gelten mittlerweile als vollständig abgetan.

Dass aber schon ein Untersuchungshäftling die Fußfessel bekommt, ist äußerst selten. Seit diese Art des Hausarrests gesetzlich möglich ist, seit 1. September 2010, durften österreichweit insgesamt nur zehn U-Häftlinge (Stand: 15.August 2012) in die eigene Wohnung übersiedeln. Einer davon ist der mutmaßliche Betrüger, der 54-jährige Akademiker A. Er ist zugleich der erste U-Häftling Wiens, dem eine Fußfessel bewilligt wurde. Ihm wird Beteiligung an Betrügereien mit Internet-Glücksspielportalen vorgeworfen.

Im Rahmen des – auch gegen andere Personen – laufenden Ermittlungsverfahrens war A. dem zuständigen Staatsanwalt positiv aufgefallen. A. kooperiert nämlich mit den Behörden, ganz nach Art eines Kronzeugen. Und doch ist seine Überstellung ins eigene Heim bemerkenswert: Als A. am 17. April in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert wurde, nahm die Justiz laut Auskunft seines Anwalts Klaus Ainedter sowohl Flucht- als auch Tatbegehungsgefahr (Wiederholungsgefahr) an. Dies sei aber an sich noch kein Fußfesselhindernis, ergänzt der Verteidiger (Kanzlei Ainedter&Ainedter Rechtsanwälte). Die Justiz habe mit ihrer Entscheidung dennoch „Courage bewiesen“. Zum Vergleich: Bundesweit tragen derzeit insgesamt 192 Personen eine Fußfessel, allein in den Gefängnissen des Wiener Oberlandesgerichtssprengels sind es 77. Den Hauptteil machen also die verurteilten Strafgefangenen aus.

 

Alarm, wenn Häftling untertaucht

Der elektronisch überwachte Hausarrest wurde eingeführt, um die teils chronisch überfüllten 27 Haftanstalten Österreichs zu entlasten. Häftlinge im Strafvollzug bekommen nur dann eine Fußfessel, wenn sie nicht mehr als (noch) ein Jahr absitzen müssen. Voraussetzung ist, dass die Betreffenden Wohnsitz und Beschäftigung haben. Sie dürfen sich dann (von Ausnahmen abgesehen) nur zu Hause oder am Arbeitsplatz aufhalten. Dies wird elektronisch überwacht. Verlässt ein Fesselträger unerlaubt seinen Bereich, wird Alarm ausgelöst. Und es droht eine Rückkehr ins Gefängnis.

Auf einen Blick

Zirka 9000 Personen sitzen in Österreich in Haft. 192 Personen befinden sich samt elektronischer Fußfessel im Hausarrest. Nur in ganz seltenen Fällen – in Wien nun zum ersten Mal – bekommen auch U-Häftlinge (und nicht nur verurteilte Täter) die Fußfessel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)

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30 Kommentare
 
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Schildbürga

U-Haft wegen Beteiligung an Betrügereien mit Internet-Glücksspielportalen. Am 17 April ging die Justiz von Flucht- als auch Tatbegehungsgefahr aus. Und jetzt sitzt er zu Hause im elektronisch überwachten Hausarrest, SAMT Internetanschluss. HAHAHAHA

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Re: Schildbürga

oder eher das Volk verhöhnen wollend, werden heute bereits sogar Sexualtäter mit derarter Technik "frei" gelassen.

Wen wundert es da noch, wenn manche Steuermio für sich abzweigen......und sogar die Gesetze dazu selbst machen dürfen ??!

Re: Re: Schildbürga

Die Fußfessel für den Vergewaltiger ist für mich nur die Spitze des Eisbergs. 8 Monate unbedingt für die 5 malige Vergewaltigung einer Minderjährigen. Das ist alleine schon ein Hohn. Das Ganze noch zu verbüßen in der Haftanstalt Korneuburg, wo man "unter sich" ist. Damit dem armen Kinderschänder nichts passiert.

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Der elektronisch überwachte Hausarrest wurde eingeführt, um die teils chronisch überfüllten 27 Haftanstalten Österreichs zu entlasten.

seltsam das die Gefägnisse chronisch überfüllt sind, wo doch die Vergehensrate angeblich laufend zurückgeht ???

Darf man nun offiziell anzweifeln das eben sämtliche Statisten die Wahrheit sag(t)en, und/oder auch die hoch gelobten offenen Grenzen doch mehr Anteil haben als man zugeben darf !?

Gast: Data100
22.08.2012 13:26
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Typisch Österreich

"Verlässt ein Fesselträger unerlaubt seinen Bereich, wird Alarm ausgelöst. Und es droht eine Rückkehr ins Gefängnis."

Droht, eine definitive Konsequenz gibt es in Ö natürlich nicht. Wo kämen wir da hin wenn man den Zusammenhang von Handeln und dafür geradestehen durchsetzen würden? Da wunderts dann auch nicht das schon Vergewaltiger Fußfesseln bekommen. Der Sinn der U-haft ist auch schon untergraben.

Gast: bussibärlx
22.08.2012 12:27
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ein skandal sondergleichen

es ist mehr als skandalös was sich hier bei der justiz abspielt. vergewaltiger, internetbetrüger mit fussfesseln mehr brauchts nicht.

Gast: Argesauge
22.08.2012 10:52
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Diskriminierung

"Voraussetzung ist, dass die Betreffenden Wohnsitz und Beschäftigung haben"

und ein Arbeitsloser muss in Häfn - das Gesetz widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz! offensichtlich wird hier mit obsoleten bürgerlichen Moralvorstellungen gehandelt - widerlich!

Stattdessen, sollten die Geldstrafen massivst ausgeweitet werden --> Enteignung auf das Existenzminimum per Gesetz für schwere Straftaten !!!

Es kann nicht akzeptiert werden, dass Vergewaltiger mit Fussfessel in ihrer Villa DVDs gucken und sich eine runterlachen !!! während derselbe Täter aus armen verhältnissen ohne Job im Häfen durch.... wird !!!

und die Opfer auf dem zivilrechtsweg jahrelang um finanzielle Enthscädigung kämpfen müssen!

Gast: Argesauge
22.08.2012 10:45
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und mehrfache Vergewaltiger

bekommen sie auch - besonders intelligent !

insb. da diese statistisch gesehen häufig zu Wiederholungstätern werden.

Sauhaufen unsere Justiz

Ausgerechnet bei mehrmaliger Vergewaltigung eines 15- jährigem Mädchens . . .

eine Fussfessel zu genehmigen, ist schon merkwürdig.

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Re: Ausgerechnet bei mehrmaliger Vergewaltigung eines 15- jährigem Mädchens . . .

wer erinnert sich denn eigentlich noch an die Vorwürfe gegen hochrangige Gesellen vor 5-6 Jahren, welche sich sogar angeblich (es gilt wie üblich auch, die Unschuldsvermutung) per Netzwerk "Kinder" als Prostituierte genehmigten, und das nach Korneuburg ausgelagerte Verfahren "scheinbar" völlig eingeschlafen, oder besser wahrscheinlich noch, eingestellt wurde ???

Wäre es für den Delinquenten nicht eine schlimmere Strafe, ..

... anstatt einer schicken Fuß-"Fessel" ein Jahr lang Burka zu tragen?

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Re: Wäre es für den Delinquenten nicht eine schlimmere Strafe, ..

ich wüsste da bessere und wirksamere Methoden, solches sich nicht widerholen lassen zu können .

Gast: geschäftstüchtig
22.08.2012 08:58
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schwarze fesseln

sind nur die standardausführung fürs gemeine volk.
die justiz will jetzt schickere modelle von prestigeträchtigen designermarken zulassen,
zb eleganter knöchelverband (hab mir beim golfen, beim tanzen in der edenbar den knöchel verstaucht), oder als dicke trekkingsocken getarnt (war beim yeti im himalaya), als megaperlenkette (hab eine hawaiianische häuptlingstochter zur freundin, die will das, weils beim schnackseln so geil rasselt) usw..

Gast: Die Angeber "verkaufen" das als neuen Pulsmesser - Was ist da noch die Strafe???
21.08.2012 23:37
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Was ich bei diesen Fußfesserln NICHT verstehe.....

....WAS ist denn dann noch die Strafe??? Es gibt in Österreich Tausende Menschen, hauptsächlich ältere aber auch junge, die sich ein Außerhausgehen gar nicht mehr leisten können, sollte man denen nicht auch eine Art Fußfesserl "umhängen", vielleicht eine Dummy-Fußfessel damit sie nicht so alleine sind???

Antworten Gast: verbieter
22.08.2012 13:11
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Re: Was ich bei diesen Fußfesserln NICHT verstehe.....

U-Haft ist keine Strafe, sondern nur die Sicherstellung des Ermittlungs- und Hauptverfahrens.

Klassenjustiz

Die Fußfessel scheint mir mehr und mehr eine Möglichkeit für gewisse Herrschaften um sich dem Strafvollzug zu entziehen. Wer einen teuren Anwalt mit guten Kontakten hat, geht nicht mehr ins Gefängnis, sondern trägt für ein paar Monate eine Fußfessel. Und eine Fußfessel ist in der Tat keine Strafe.

Antworten Gast: heile welt
22.08.2012 08:46
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Re: Klassenjustiz

soll ja gar keine strafe sein, sondern belohnung für die tat und die mietkosten für die e-fessel werden vorm verbrechen einkalkuliert :-)

... auch Tatbegehungsgefahr (Wiederholungsgefahr) an. Dies sei aber an sich noch kein Fußfesselhindernis, ergänzt der Verteidiger?

So sah aber die Justiz im Fall mit "den Tierschützern" das nicht, oder liegt doch an der Verteidigergemeinschaft A&A, deren Klientel die Justiz offenbar entgegen eilt?

Beide Fälle gelten mittlerweile als vollständig abgetan?

Soso, wann hat die Presse über einen Haftantritt der Gräfin berichtet?

Gast: Niedersachse
21.08.2012 21:32
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on-off

Manche Patienten werden gezwungen, Transponder zu schlucken. Der Arzt kriegt damit lückenlose Kontrolle über die Einnahme der Medikamente. Gerade gelesen.

In viele Klamotten sind RFID-Transponder eingenäht zum Zählen per Handscanner. Gibt der Kunde beim Kauf seinen Namen an oder hat idiotischerweise eine Paybackkarte, ist seine Anomymität perdu. Überall kann er geortet werden und praktisch von jedem, nicht nur im Kaufhaus oder auf der Straße. Zeitgleich lassen sich automatisiert sämtliche Datenbanken abfragen.

Manche Transponder sind so klein, die passen in die Nadel einer Spritze.

Die Rundumüberwachung wird nur noch miniaturisiert, die Fußfessel ist fast ein Relikt aus der Steinzeit. Handy einschalten - eingecheckt, in die Tram steigen - Bildabgleich, eingecheckt, Bahnhof umsteigen - eingecheckt, öffentlicher Platz - eingecheckt, Einkaufsstraße - eingecheckt, Paybackkarte - eingecheckt, Geld abheben - eingecheckt, Kaufhaus - eingecheckt, Büro PC einschalten - eingecheckt. Und der Admin weiß sowieso ALLES! Mal so angemerkt.

Die Fußfessel ist nur der Anfang. Demnächst kriegen wir einen Chip unter die Haut und werden on/off programmiert.

Und schließlich: läßt sich Dein Handy wirklich ausschalten? Rede offen, wenn der PC läuft oder das Handy auf dem Tisch liegt! Vielleicht hat auch jemand was vor und überträgt das Gespräch aus der Jackentasche - direkt an den Chef?

Ich sach ja, Internet macht doof.


Antworten Gast: Jajaja...
22.08.2012 10:34
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Re: on-off

Wollen Sie nur provozieren oder ist das Ihr Ernst? Ich hoffe wohl ersteres, ansonsten wäre ein Arztbesuch dringend anzuraten...

Re: on-off

ich empfehle 10m Alufolie.

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wie abschreckend...

...für kriminelle wenn man jetzt nicht mal mehr ins gefängnis muss. ich seh auch schon wer die fussfesseln bekommen wird...elsner&seine consorten...sojemanden kann man ja nicht das Landl u seine gemeinkriminellen insassen antun...

wir leben in Österreich!

komischer Weise wundert mich das gar nicht, dass die "Gräfin" ihre UNBEDINGTE HAFTSTRAFE, GPS-überwacht im Schloss verbüsst, und es eine Sensation ist wenn ein U-Häftling sowas bekommt. Zwei Dinge werden vermischt.
Strafe=Gefängnis

wir leben in Österreich!

komischer Weise wundert mich das gar nicht, dass die "Gräfin" ihre UNBEDINGTE HAFTSTRAFE, GPS-überwacht im Schloss verbüsst, und es eine Sensation ist wenn ein U-Häftling sowas bekommt. Zwei Dinge werden vermischt.
Strafe=Gefängnis

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Ihm wird Beteiligung an Betrügereien mit Internet-Glücksspielportalen vorgeworfen.

Wie hindert ihn eine Fußfessel daran dies weiter zu tun?

 
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