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Wien: Ritz – ein Geisterhotel erwacht zum Leben

23.08.2012 | 18:15 |  von Christine Imlinger (Die Presse)

Emsig und gespannt bereiteten hunderte Mitarbeiter die Eröffnung des Ritz-Carlton vor. Seit Montag ist Wien um ein Tophotel reicher. Das Haus, das einst ein Shangri-La werden sollte und lange leer stand, sperrt auf.

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Wien. Das schwarze Tuch, das eineinhalb Jahre den Schriftzug über dem Portal verhüllt hat, ist weg. Auch die Männer, die stets in der dunklen, gespenstisch leeren Lobby Wache gehalten haben, sind nicht mehr einsam. Spaziert man dieser Tage den Schubertring entlang, ist es nicht zu übersehen: Das Geisterhotel, das Doch-nicht-Shangri-La, erwacht zum Leben.

Donnerstagvormittag poliert ein Arbeiter noch ein Mal den Schriftzug: „The Ritz-Carlton“ steht darauf. Emsig laufen Frauen und Männer in Kostüm und Anzug durch das Hotel, sitzen in Grüppchen zusammen. Zumindest einer sticht fast immer heraus, trägt einen weißen Arztkittel, auf dem Rücken die Aufschrift „Ask Me“. Es sind dies die 80 Trainer, die aus aller Welt, aus allen Abteilungen des Konzerns, angereist sind, um dem Personal, 185 Mitarbeiter sind es, die bisher für das Wiener Ritz eingestellt wurden, die Philosophie der Kette, ihre Regeln und Gepflogenheiten, einzuprägen.

Ritz-Carlton: Ein Geisterhotel erwacht zum Leben

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„Der Neun-Tage-Countdown zur Eröffnung läuft“, erklärt Silvia Kahler, die sich bei Wiens neuestem Hotel um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Neun Tage, in denen hunderte Mitarbeiter von sieben Uhr früh bis spätnachts durch das Haus laufen. Bis Montagfrüh, wenn die ersten Gäste einchecken. 20 hätten bisher ein Zimmer für den ersten Tag reserviert, die Buchungen laufen „sehr gut“. 202 Zimmer, davon 43 Suiten, gibt es in dem Hotel, das aus vier alten Palais aus dem 19. Jahrhundert besteht.

Auch die Präsidentensuite sei kurz nach der Eröffnung schon gebucht. Wer kommt? Das ist freilich Geheimsache, sagt Kahler und führt durch die Suite. 190 m2 für 6500 Euro pro Nacht (Standardzimmer kosten 550 Euro), schusssichere Fenster für Staatsgäste, Ankleidezimmer, Salon, Arbeitszimmer. Das Bad geräumig, eleganter schwarz-weißer Marmor. Das Bett, wohl eines der teuersten Hotelbetten der Stadt, mit rotem ledernen Bettkopf, daneben ein zeitgenössisches Gemälde, es erinnert an Kirschen. Die Wandverkleidungen oder Deckenfresken stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Drei Themen hat sich das Innenarchitektenteam um Peter Silling für das Ritz überlegt: Pferde (wegen der Fiaker oder der Lipizzaner), Ringe (die Lage am Ring), Blätter (die Bäume am Ring). Das soll dem Kettenhotel Lokalkolorit verleihen. Ebenso wie die bodenständige, wienerische Küche, die Wini Brugger im Restaurant „Dstrikt“ auftischen will. Oder der Strudel-Bellini, quasi ein Cocktail gewordener Apfelstrudel, der in der Dachterrassen-Bar „Atmosphere“ serviert wird.

Ausgewählte Gäste können den in zwei Wochen probieren, wenn das Ritz zur Eröffnungsparty lädt. Dafür holt der Konzern Top-Prominenz nach Wien: Schauspielerin Liz Hurley übernimmt die Moderation, auf der Dachterrasse wird Soulsängerin Joss Stone auftreten, Burlesque-Star Dita Von Teese wird im Restaurant tanzen, zu später Stunde soll Keith Richards Tochter Alexandra als DJane in der „D-bar“ auflegen.

Eine Party, die das Ende der gut anderthalbjährigen Ära des Geisterhotels am Ring markiert. 2011 sollte das Hotel als Shangri-La eröffnen, die asiatische Kette hat im Februar 2011 überraschend auf die Übernahme verzichtet. Die BAI, damals Eigentümerin, geht nun gerichtlich gegen Shangri-La vor. Schließlich hat die kasachische Investmentgruppe Verny Capital das Hotel um mehr als 120 Mio. Euro gekauft und Ritz-Carlton als Betreiber gewonnen.

Üben, wie man Gäste erträgt

Erst war die Eröffnung für früher in diesem Jahr angekündigt, Kahler spricht heute von „extrem wenig“ Vorlaufzeit. Trotz der Eröffnung Ende August, das Ritz ist den übrigen Top-Hotels, die in Wien eröffnen werden, voraus: Im Palais Hansen entsteht ein Hotel Kempinski, das 2013 aufsperren soll, 2014 soll das Park Hyatt Am Hof fertig sein, noch heuer eröffnen soll ein Hotel Sans Soucis in der Museumstraße. Das sind nur die prominentesten der Projekte, die derzeit für einen unvergleichlichen Boom sorgen. Und für Angst vor einem harten Preiskampf, einer Blase und einem Sterben kleinerer, inhabergeführter Hotels.

„Es wird natürlich schwierig“, sagt Kahler zur wachen Konkurrenz. Das Ritz wolle sich durch Service abheben. Mit eigenen Spielregeln und Tricks, die unzählige Trainer dieser Tage vermitteln. Wie man blitzschnell den Namen eines Gastes herausfindet, der die Lobby betritt, wie man sich die vielen Namen merkt, um jeden Gast persönlich anzusprechen. Dass selbst Manager Gästen stets Hilfe anbieten. Oder, wie man lästige Gäste erträgt. Und so sitzen in der Club Lounge, die für die anspruchsvollsten Gäste, die für Extra-Service 125 Euro am Tag zahlen, bereitsteht, dieser Tage künftige Kellner, lachen, spielen lautstark Szenen aufwendiger Bestellungen mühsamer Gäste nach. Und üben kurz vor Start, wie man stets freundlich bleibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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13 Kommentare
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uiiii die anderen bekommen konkurrenz... schlecht schlechter am schlechtesten... gott behüte uns vor konkurrenz!!! lol


339 Euro

für eine Nächtigung im günstigsten Zimmer ohne Extras. Wenn es Menschen gibt, die sich das leisten...

Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
24.08.2012 11:53
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Re: 339 Euro

Das ist doch nur die Verhandlungsbasis für eine Nacht, vor Ort gebucht. Es wird dann sicher die Pauschalangebote für diverse Länder geben, etwa nach dem Motto: "Wochenende in Wien mit 3 Übernachtungen im Ritz-Carlton inklusive Fiakerrundfahrt und Flug um 599,- Euro"

Antworten Gast: Der einfach Bürger...
24.08.2012 11:41
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Re: 339 Euro

Der einfach Bürger kann sich natürlich nicht vorstellen sich das leisten zu können...

Nur ist Wien eine UNO Stadt mit Diplomaten und dem Spielball für Gehmeindienste die mit derartigen Ausgaben nicht das geringste Problem hat, wo ohne zu Fragen der Dienst von Mädchen für eine Nacht weit jenseits von 1000.- Euro ohne mit der Wimper zu zucken in Anspruch genommen wird.

Und letzteres ist eigentlich das größte Problem, es gibt in der Stadt viel zu wenig Frauen die auf dem Parket der Internationalen Bühne stehen können und ihre Dienste anbieten. Darüber wird ebensowenig ein Wort fallen gelassen wie über die Art, die derartige Hotels diese nicht unwesentliche Problem doch zu lösen versuchen!

Aber klar darüber öffentlich zu reden ist, ist ein Tabubruch den sich weder Hilton, Bistrol, Sacher und eben Ritz traut, das ist reine Chefsage über die nicht mal die engsten Mitarbeiter eingeweiht werden geschweige den ein Wort mitzureden haben, wahrscheinlich irgendwo so geheim wie der Bauplan einer Wasserstoffbombe oder dem Rezept eines Cola Getränks!

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Das grösste Problem?

.... es gibt in der Stadt viel zu wenig Frauen die auf dem Parket der Internationalen Bühne stehen können und ihre Dienste anbieten. Darüber wird ebensowenig ein Wort fallen gelassen wie über die Art, die derartige Hotels diese nicht unwesentliche Problem doch zu lösen versuchen!

SIE LESEN ZU VIELE SCHLECHTE ROMANE!

Antworten Antworten Antworten Gast: Der einfach Bürger...
24.08.2012 13:03
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Das ist wiederum die Sichtweise des einfachen Bürgers, der in dem Berufsbild nur das bezahlte Kopfkissenteilen sieht...

In dem Berufsbild wird derartiges aber zur sprichwörtlich letzten Nebensächlichkeit, das das bei der Kunst beginnt Tischgespräche führen zu können, und bei Dingen wie der Tischkultur endet, darunter kann sich der einfache Bürger ebensowenig vorstellen, wie die Notwendigkeit mindestens 3 Sprachen in Wort und Schrift beherschen zu müssen, von allen andern Dingen die für diesen "Job" notwendig sind, will ich erst gar nicht reden, wie der unabdingbaren Notwendigkeit das der gesamte Bereich von BDSM kein Fremdwort ist, dabei!

Und so nebenbei, darf Frau sich bei dem Job nicht im geringsten den Beruf anerkennen lassen, bereits ein falsches Wort eine falsche Bewegung die kleinste Indiskretion kann dem Hotel und Gast nachhaltig und sehr lange schaden.

Das dabei die Kleinigkeit eines Monatsgehalt erreicht wird, bei dem so manche Managergehälter und Politikergehälter mehr als traurig aussieht, ist detto weit jenseits der Vorstellung des einfachen Bürgers!

(Über solche Dinge wird, wie schon gesagt im gehobene Hotelgewerbe wie dem Ritz kein Wort fallen gelassen!)

Gast: Der Tag kommt näher, Besuchen sie Wien und genießen die Vielfalt der Hotels...
24.08.2012 09:16
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Aus Wien Mailand zu machen funktioniert ebensowenig wie aus NewYork Wien zu machen!

Einkaufstempel, Bahnhofshallen, Hotels, einem kommerzialisierten Donaukanal in einer Museumsgegend die für sich steht, der Platz für Menschen die dort Wohnen den gibt es nicht mehr, und die die noch dort Wohnen nehmen Reißaus für immer im Speckgürtel der Stadt.

Es ist zwar schön das Menschen diese Stadt besuchen, der Hauptgrund ist aber doch der eine lebende Stadt zu besuchen.

Für die Einfallspinseln der Ladenschlußzeiten, wer in's Ritz nach Wien kommt, kommt nicht zu Schoppen, das geht bei weitem Eleganter in Mailand und NewYork und die Gäste kratzen die Kosten für den Flug dorthin nicht mal, wenn Wien überhaupt eine Chance hat International sich zu behaupten, dann mit der typischen Wiener Gemütlichkeit und einer sehr eigenständigen, selbstbewußten Mentalität!

Ritz ist sicher eine nette Bereicherung und Ausnahme im Hotelwahnsinn von Wien, wo der Großteil die Auslastung nur mehr dadurch funktioniert das diese Hotels mit Reisebussen auf Teufel komm raus vollgestopft werden!

Gast: Wer nichts wird, wird Wirt
24.08.2012 09:11
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Guter Indidkator

für das Ende einer Epoche.

Hotels

Wenn Sie 4 Monate oder mehr im Jahr in Hotelzimmern in aller Welt verbrigen, werden Sie wählerisch. Kein Hotel kann Ihnen den Komfort von zu Hause bieten. Und unterwürfige Freudlichkeit ist eher abstoßend. Also gutes Training ist wichtig.

Antworten Gast: Hotel der Einsamkeit...
24.08.2012 09:44
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Re: Hotels

Hotel der Einsamkeit, Zimmer mit Blick in den Park, und jede Nacht...

(Das ist schon älter, und von Erica Pluhar)

Wer beruflich gezwungen ist, in Hotels leben zu müssen, für den ist jedes Hotel ein Ort der Einsamkeit, steht Mensch im Rampenlicht der Öffentlichkeit bleibt nichts anderes als Ritz und Co. ob man will oder nicht, ansonsten gilt schnell weg, schnell dort, das dazwischen zählt nicht!

Gast: Wasserlaeufer
24.08.2012 01:39
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Dekadenz

faellt mir zu dem ganzen ueberfluessigen
Getue nur ein.

Der beste Naehrboden fuer den Kommunismus
war das alte aristikratische Wien, das mit dem
Geldadel wieder aufersteht.

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Re: Dekadenz

du darfst einmal aus deiner kleinen welt raus und schau mal was es so alles auf der welt gibt...

frage: meinst du einer der geld hat sollte sich in einer alten wiener pension -mit klo am gang- einchecken und wo ab 21hs keiner mehr zu finden ist? ist das deine vorstellung von qualität?

Antworten Gast: Kammerdiener
24.08.2012 07:51
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Re: Dekadenz

Da waren Durchlauchten seinerzeit aber Waserln gegen die heutigen Snobs.....