Wien. „Gerne bestätigen wir Ihnen, dass wir Ihr Angebot in der Höhe von € 441.600,- annehmen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.“ Briefe wie diesen verschickt die Geschäftsführung der Wien Energie öfter. Der zitierte ist deshalb relevant, weil er an eine Beraterfirma in der Wiener City ging, die dem Unternehmen bei der nun ins Gerede gekommenen Ostexpansion bei Wind- und Wasserkraftwerken zur Seite stand. Und weil eben dieses Engagement offensichtlich nicht besonders erfolgreich war.
Am Donnerstag veröffentlichte „Die Presse“ den 2010 von Wien Energie und dem Eigentümer, der Stadtwerke Holding, beschlossenen Plan, bis 2015 die Summe von 778 Millionen Euro in erneuerbare Energieträger in Osteuropa zu investieren. Die Stadtwerke werden heuer jedoch erstmals seit Jahren ein Minus ins Rathaus melden – der jährliche Zuschuss fürs Stadtbudget bleibt also aus. Der Konzern lancierte nun ein Sparprogramm, dem neben Dienstautos auch Schulungen zum Opfer fielen. Kritiker – und der Betriebsrat der ebenfalls zum Firmenkonglomerat gehörenden Fernwärme – vermuten dahinter Verluste in Osteuropa.
Auch wenn die Bilanzen die Vermutung teilweise stützen: Wien Energie dementiert und macht den hohen Gas- und Strompreis für das Sparprogramm verantwortlich. „Investitionen in erneuerbare Energien – ob im In- oder Ausland“ seien „essenziell, um konkurrenzfähig zu bleiben und fit für die Energiewende zu sein“, rechtfertigte sich das Unternehmen in einer Aussendung. Insgesamt seien „keine Verluste durch Auslandsgeschäfte zu verzeichnen,“ Zusammenhang zum „Effizienzprogramm“ bestehe keiner. Trotzdem will man sich – ohne Angaben von Kosten – nun von den Auslandsgeschäften verabschieden.
Die millionenschwere Beratung war offenbar ihr Geld nicht wert. Der „Presse“ liegt allein für das Jahr 2009 eine interne Abrechnung für Ausgaben in der Höhe von 1,09 Millionen Euro vor. Insgesamt, so die Bücher, waren der Wien Energie externe Hilfestellungen für das Engagement in Polen, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro 1,99 Millionen Euro wert.
Ein Sprecher des Unternehmens räumt dazu ein, dass die Position „Beraterkosten“ gerade heutzutage für ein Großunternehmen ein Bereich sei, „in dem man aufpassen muss“. Stichwort: Telekom-Affäre. Gerade die Wien Energie sei diesbezüglich jedoch besonders transparent. Neben Kontrollamt und Rechnungshof prüft nämlich auch eine interne Revision. Trotzdem, so der Konzernsprecher, würden natürlich auch die Budgets für Beratungsdienstleistungen im Rahmen des Sparprogramms gekürzt. Auf manche dieser Dienstleistungen, etwa Rechtsberater oder Wirtschaftsprüfer, könne man aber gar nicht verzichten.
Kosten sind „Geschäftsgeheimnis“
Wie viel der Rückzug aus dem Osten – die Expansion dorthin hatte das Kontrollamt 2010 in einem öffentlich und politisch völlig ignorierten Bericht als „Risiko“ bezeichnet – tatsächlich kostet, darüber schweigt sich Wien Energie aus: Geschäftsgeheimnis.
Fest steht bisher aber, dass die öffentliche Förderung derartiger Projekte in der Slowakei und in Bulgarien von den Regierungen dort derart zurückgefahren wurde, dass auch die Wien Energie aussteigen musste: So manches Kraftwerk wurde einfach unwirtschaftlich. Allein dadurch gingen 1,5 Millionen Euro an Entwicklungskosten verloren. Es sei denn, man nimmt die Projekte doch wieder auf.
Beratungskosten. Das Engagement von Wien Energie in Ost- und Südosteuropa (Polen, Slowakei, Bosnien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien) hat nicht nur unmittelbare Akquisitionskosten verursacht. Sondern auch Kosten für Beratung. Zwei Millionen Euro waren Wien Energie hausexterne Expertisen wert. Ein Sprecher des Unternehmens räumt ein, dass „Beraterkosten“ gerade heutzutage für ein Großunternehmen ein Bereich sei, „in dem man aufpassen muss“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)
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