Ein am Sonntag aus der Justizanstalt Wien-Simmering geflohener Häftling dürfte in der Nacht auf Montag in Mariahilf im Streit seinen "Schwiegervater" erstochen haben. Der 37-Jährige wollte seine Ex-Freundin und sein Kind sehen, was der 72-Jährige nicht zulassen wollte, so Nikolaus Rast, der Anwalt des Verdächtigen. Gegen 9 Uhr wurde der mutmaßliche Mörder bereits festgenommen. Bei seiner ersten Einvernahme hat sich der 37-jährige Verdächtige voll geständig gezeigt, teilte Polizei-Pressesprecher Thomas Keiblinger am Montagnachmittag mit.
Der 37-Jährige hatte nach der Tat gegen 3 Uhr seine Ex-Freundin angerufen und ihr mitgeteilt, deren Vater umgebracht zu haben. Diese alarmierte daraufhin die Polizei. Da man befürchtete, dass der Täter noch in der Webgasse 22 sein könnte, öffnete die Wega in Beisein der Frau die Wohnung. Bereits im Vorraum waren Blutspuren zu sehen, der Tote lag im Bad, seine Füße in der Badewanne.
Kontakt verweigert
Der mehrfach vorbestrafte 37-Jährige, der zuletzt vom Landesgericht Eisenstadt vier Jahre Haft wegen Drogen-Delikten ausgefasst hatte, war am Sonntag aus der Justizanstalt Wien-Simmering ausgebrochen, indem er sich mit zusammengeknoteten Tischtüchern aus dem zweiten Stock abseilte. Danach machte er sich auf den Weg zur Wohnung des 72-Jährigen, weil er seine Freundin und das gemeinsame Kind sehen wollte, die er dort vermutete.
In der Wohnung in der Webgasse 22 traf er aber nur den Großvater an. Dieser versuchte dem geflohenen Häftling klarzumachen, dass seine Tochter nichts mehr von ihm wissen wolle. Der 72-Jährige soll sich außerdem geweigert haben, dem 37-Jährigen Zugang zu dessen Kind zu ermöglichen. Der 37-Jährige dürfte daraufhin rot gesehen und mehrfach mit einem Messer auf den Pensionisten eingestochen haben.
Nachdem er den Mann erstochen hatte, flüchtete der 37-Jährige mit dem Pkw und dem Handy seines Opfers nach Tschechien. "Dort hat er eingesehen, dass das keine gute Idee ist. Er ist daher zurückgefahren", erklärte Rast. Als er sich wieder im Bundesgebiet befand, gelang es der Polizei, ihn über das gestohlene Handy zu orten. Am Hernalser Gürtel in Wien-Ottakring wurde der Mann schließlich festgenommen. "Er ist voll geständig und gibt die Tat zu", so der Anwalt.
Anruf führte Polizei zu Leiche
Die ganze Sache ins Rollen gebracht hat ein Anruf bei der Polizei. Der Verdächtige dürfte seiner Ex-Freundin von der Tat erzählt haben. Sie meldete sich bei den Behörden. Eine Streife der Polizei fuhr daraufhin zu der Wohnung und fand die Leiche des Pensionisten. Nach Abschluss der Spurensicherung soll eine Obduktion durchgeführt werden.
Justizministerin fordert Aufklärung
Laut Zeitung "Österreich" soll der Mann bereits zu Jahresbeginn aus der Haft geflohen, aber bald wieder eingefangen worden sein. Vor einigen Wochen soll er sich als Küchenhilfe gemeldet haben, wodurch er in einen etwas gelockerten Vollzug kam. Diese Chance nutzte er, um sich "abzuseilen".
"Ich möchte, dass rasch geklärt wird, wie es zu diesem Ausbruch kommen konnte, damit wir die notwendigen Schlüsse ziehen können, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden", so Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP). Eine unabhängige Kommission soll die Flucht untersuchen und Vorschläge unterbreiten, wie Derartiges in Zukunft verhindert werden kann.
(APA/red)
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