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Fußgänger in Wien: Gut unterwegs im Schilderwald

28.08.2012 | 17:42 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

In Wien geht die Suche nach einem Fußgängerbeauftragten in die nächste Runde, unterdessen häufen sich fußgängerfreundliche Umgestaltungen. Nachholbedarf gibt es laut Experten bei der Schaffung von „Verweilplätzen“.

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Wien. Wie die perfekte Stadt für einen Fußgänger aussieht, hängt von einem Rollator ab: Wenn sich eine Person mit dem Gehwagen problemlos durch die Stadt bewegen kann, hat auch der Fußgänger genügend Platz und Raum. Das heißt: keine Kanten, genug Abstandsflächen zwischen Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger, sagt Dieter Schwab, Obmann des Vereins „Walk Space“ zur Vertretung der Interessen von Fußgängern.

Schwab sitzt auf einer Bank am Jenny-Steiner-Weg in Wien-Neubau. Der Platz rundherum wurde vor einigen Jahren umgestaltet – für Schwab ein gelungenes Beispiel für Fußgängerfreundlichkeit: Bäume wurden gepflanzt, Sträucher ebenso, breite Bänke aufgestellt, wo gerade zwei Radfahrer pausieren und eine Pizza essen. Rückzugsorte wie dieser sind für Schwab auch ein Gradmesser, wie fußgängerfreundlich eine Stadt ist. Idealerweise sollte jedes Grätzel über solch einen „Verweilort“ verfügen, so der Experte. In Wien gebe es in dieser Hinsicht noch einiges zu tun – ganz besonders in den Randbezirken.

Insgesamt aber sieht Schwab die Entwicklung positiv: So ist die Stadt Wien derzeit auf der Suche nach einem Fußgängerbeauftragten, der in Verkehrsfragen die Interessen dieser Gruppe vertreten soll (die Bewerbungsfrist ist Anfang August abgelaufen, zurzeit finden die Vorstellungsgespräche statt). Umgestaltungen wie am Jenny-Steiner-Weg sind keine Seltenheit mehr (derzeit wird über die Umgestaltung der Shoppingmeile Mariahilferstraße verhandelt) – und im November findet die bereits sechste österreichische Fachkonferenz für Fußgänger im Rathaus statt, wo internationale Experten über Themen wie Shared Space und Straßengestaltung referieren. Ein rollatortaugliches Land ist Österreich aber dennoch nicht.

Österreich im Mittelfeld der EU

Eine jüngst veröffentlichte Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zeigt, dass sich die Alpenrepublik in Sachen Fußgängersicherheit nicht im Spitzenfeld der EU bewegt – im Ranking belegt sie den zehnten Platz. Das Risiko, in Österreich an einem Verkehrsunfall zu sterben, ist doppelt so hoch wie in den Niederlanden – dem sichersten Land für Fußgänger, so VCÖ-Koordinatorin Bettina Urbanek.

Potenzial für die Verbesserung der Lage sieht Urbanek in der Errichtung von Shared-Space-Gebieten und der Parkraumbewirtschaftung. Werden etwa Garagen gebaut, könnten die entstandenen „überirdischen“ Plätze in Gehwege umgestaltet werden. Der Kampf um die Gehsteige ist erst kürzlich wieder aufgeflammt, als in Mariahilf, Neubau und der Josefstadt Schilder für die neuen Anrainerparkplätze aufgestellt wurden – auf dem Territorium der Fußgänger. Dabei gäbe es Alternativen zum Schilderwald, etwa Farbmarkierungen am Gehsteigrand. In Linz habe man damit gute Erfahrungen gemacht, so Schwab.

Für schlechte Erfahrungen sorgen dafür Ampeln, die nur gefühlte zwei Sekunden auf Grün stehen. Abhilfe könnten Ampeln schaffen, die nach einem Knopfdruck angeben, wann und für wie lange die Grünphase kommt. Eine solche steht bereits an der Linken Wienzeile, Höhe Kettenbrückengasse.

In der Serie „Wien mobil“ bisher erschienen: „So ist Wien unterwegs“ (17. 7.), „Parkplatzproblematik“ (20. 7.), „Rad fahren“ (23. 7.), „Auto fahren“ (30. 7.), „Wiener Hauptbahnhof“ (6. 8.),  „Beliebte U-Bahn“ (17. 8.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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13 Kommentare
Gast: gast333
31.08.2012 15:57
0 0

Warum

wird der Rollator zur Norm erhoben und nicht der Kinderwagen.
Gerade Mütter mit Kinderwagen sind viel zu Fuß unterwegs. Aber das ist wohl ein Zeichen unserer kinderfeindlichen Gesellschaft.

1 0

Unfassbar!

Der Rollator definiert ab sofort den Standard für Verkehrsinfrastruktur in Wien.

Das ist ein Denkmuster, das sich in viele Bereiche der Gesellschaft in Ö zieht. Nicht die Schwachen (Nettoempfänger) werden von den Starken (Nettozahlern) so gut es eben geht im "System Voklswirtschaft" mitgenommen, sondern die Schwachen geben den Standard vor. So eine Voklswirtschaft MUSS früher oder später zusammenbrechen.

Bsp: Eine Pensionsitin muss mit der Straßenbahn genauso schnell zu ihrem Friedhofsbesuch gelangen als hätte sie ein Auto. Ist das Auto schneller, muss es künstlich verlangsamt werden (Straßenrückbau).

Bsp Bildung: Nicht die Starken werden gefördert um Spitzenleistungen zu ermöglichen, sondern die Schwachen um sich wenigstens dem Durchschnitt von unten anzunähern. Das ganze möglichst in einer Einheitsschule. Folge: Gesamtniveau sinkt.

Gast: Robert23
29.08.2012 10:40
2 0

Auch das ist Wien

Im Prater gibt es Straßen mit Fahrverbot und zusätzlichem Schranken.Dahinter wurden unzählige Halteverbotstafeln auf beiden Straßenseiten aufgestellt.

Da können sogar die Schildbürger noch einiges lernen.

Ich bin für Nummerntaferl

für Fußgänger!

Gast: Garst
29.08.2012 06:59
2 0

Wien sollte lieber versuchen nicht so viele Schulden zu machen.

Und Österreich sollte versuchen wettbewerbsfähig zu werden und die irren Abgabenquoten zu senken. Dann können wir uns über so einen Unsinn Gedanken machen.

Antworten Gast: Baur4
29.08.2012 10:38
0 0

Nur Wien macht Schulden?

Der Rechnungshof kritisiert die hohen Ausgaben der Bundesländer. Tirol, NÖ und Kärnten haben zwischen 2005 und 2010 deutlich mehr ausgegeben als eingenommen haben!
Die Schulden stiegen in Kärnten (BZÖ) von 680 Mio auf 1,4 Mrd.; in NÖ (ÖVP) von 1,7 Mrd. auf 4,1 Mrd., (+136%!) Tirol (ÖVP) + 120% . Die pro Kopf Verschuldung beträgt in Kärnten 2548, in NÖ 2458.

Sobotka (ÖVP) “Wir lassen uns vom Rechnungshof nicht irritieren. Sobotka denkt nicht daran sich an die Vorschläge des Rechnungshofes zu halten.

01.07.2012 SPÖ und ÖVP drängen auf neue Steuern.

Antworten Gast: merchant
29.08.2012 09:55
1 0

Re: Wien sollte lieber versuchen nicht so viele Schulden zu machen.

Österreich sind auch Sie.
Bitte werden Sie endlich wettbewerbsfähig. Gründen Sie einen erfolgreichen Betrieb und exportieren Sie.
Aber motschkern Sie nicht rum.

Gast: DerPatriot
29.08.2012 06:43
2 0

einfach nur LOL

"In Wien geht die Suche nach einem Fußgängerbeauftragten in die nächste Runde,"

gehts den noch?
wie lächerlich wollen sich die wiener den noch machen?
so etwas lachhaftes habe ich noch nie gelesen, jetzt kommt nach dem völlig sinnfreien parkpickerkoordinator (man lasse sich diesen schwachsinn auf der zunge zergehen) auch noch ein füßgängängerbeauftragter!?!

WTF die spinnen.....die wiener

was kommt als nächstes?
ein hundstrümmerlbeauftragter?

Antworten Gast: Garst
29.08.2012 10:41
1 0

Re: einfach nur LOL

Glauben sie mir. Wir Wiener sind ebenso erschüttert ob der Umstände in unserer Stadt. Ich denke, dass viele schon Fluchtgedanken haben. Ich habe sie bereits und sondiere gerade die Lage in Deutschland.

Antworten Gast: Nur Gast in Wien
29.08.2012 09:57
3 0

Re: einfach nur LOL

"hundstrümmerlbeauftragter?"

Mit solchen Empfehlungen sollten Sie vorsichtig sein, wenn das die Grünen lesen gibt's den noch.....

Gast: Martin_S
28.08.2012 20:32
7 0

Und noch

ein "Beauftragter", der ordentlich Steuergeld kostet... Frage: Was machen eigentlich die Tausendschaften Beamte in den diversen MAs ? Daumendrehen? Daumen lutschen? Zeitung lesen? Nasen bohren ??

Re: Und noch

Alle vier Antworten sind richtig!

es häuferlt sich sehr viel in Wien. Nur nix, was "fußgängerfreundlich" wär, Herr Özkan!