Wien. Es wird ernst. In genau einem Monat sollen die neuen gebührenpflichtigen Kurzparkzonen in mehreren Bezirken jenseits des Gürtels eingeführt werden. „Die Presse“ beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.
1 Kommt die Ausweitung definitiv mit 1. Oktober?
Nachdem es immer wieder Gerüchte gegeben hat, dass sich die Einführung auf 1.November verschieben kann, stellt Parkpickerlkoordinator Leopold Bubak am Freitag klar: „Der 1.Oktober ist nun fix.“ Die Vorbereitungen seien zwar „harte Arbeit“ gewesen, doch nun stehe fest: „Die Tafeln werden rechtzeitig stehen.“ Damit steht der geplanten Einführung nichts mehr im Wege.
2 Wie viele Wiener betrifft die Ausweitung des Parkpickerls?
Insgesamt rechnet Bubak mit „30.000 bis 40.000“ Anträgen. Derzeit haben in den neuen Parkpickerlzonen allerdings nur rund 5000 Anrainer ihr Parkpickerl beantragt. Deshalb rechnet Bubak damit, dass die Magistratischen Bezirksämter noch gestürmt werden. Diese haben auf den erwarteten Ansturm bereits reagiert: Anlässlich der Parkpickerlausweitung werden die Öffnungszeiten in den betroffenen Gebieten verlängert. Ab kommender Woche werden die zuständigen Stellen von Montag bis Freitag, acht bis 18 Uhr, besetzt sein. Als Alternative bietet sich die Bestellung im Internet an (http://tinyurl.com/8ppq74q).
3 Wie streng werden die neuen Zonen kontrolliert?
Die Kontrollen in den gebührenpflichtigen Kurzparkzonen werden mit dem heutigen Samstag generell verstärkt. Hintergrund ist die Zusammenlegung von „Weißkapplern“ und „Blaukapplern“. Während die Beamten mit der blauen Kappe bisher nur die Entrichtung der Parkgebühr kontrollierten, war die Kompetenz der Beamten mit der weißen Kappe nur auf die Kontrolle der Park- und Halteverbote bzw. Ladezonen beschränkt. Die neue Truppe, die mit einer weißen Kappe unterwegs ist, darf nun Vergehen in beiden Fällen sofort bestrafen. Gleichzeitig wird die Zahl der Parksheriffs aufgestockt – um rund 60 auf 400.
4 Gibt es weitere Verschärfungen für Parksünder?
Ja. Mit dem heutigen Samstag wird die Parkkralle auch in den Kurzparkzonen eingesetzt. Sie soll allerdings nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Das betrifft vor allem ausländische Lenker, bei denen die Chance auf das Eintreiben der Strafe gering ist. Auch wer mehrere Parkstrafen offen hat, läuft Gefahr, bei dem nächsten Verstoß an seinem Autoreifen eine Parkkralle zu finden. Immerhin können die Parksheriffs sofort elektronisch prüfen, ob der Lenker eines Fahrzeugs bereits mehrere Parkstrafen nicht bezahlt hat.
5 Wie viel kostet das Pickerl? Wie lange darf man parken?
Während innerhalb des Gürtels die maximale Parkdauer bei zwei Stunden liegt, wird sie in den neuen Gebieten drei Stunden betragen. Außerdem gilt die Kurzparkzone nicht wie innerhalb des Gürtels von neun bis 22 Uhr, sondern nur von neun bis 19 Uhr.
Die Kosten für das Anrainerpickerl betragen 90 Euro (innerhalb des Gürtels 120 Euro). Dazu kommt eine Verwaltungsabgabe von 50 Euro. Für den 15.Bezirk inklusive Stadthallenbereich kostet das Pickerl 120 Euro.
Eine weitere Besonderheit gibt es bei der Ausweitung: Grundsätzlich haben alle Bewohner mit Hauptwohnsitz in den Bezirken 12, 14, 15, 16 und 17 die Berechtigung, ein Parkpickerl für jeweils ihren Bezirk zu erwerben. Doch zusätzlich gibt es noch einige sogenannte Überlappungszonen an verschiedenen Bezirksgrenzen, in denen Autofahrer der beiden betreffenden Bezirke parken dürfen.
6 Wie viel kostet die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung?
Parkpickerlkoordinator Bubak spricht von geschätzten zwei Millionen Euro für die Produktion und Errichtung der Schilder etc. Im Gegenzug gibt es Prognosen von rund 50 Millionen Euro, die die Ausweitung pro Jahr zusätzlich in die Stadtkasse spülen soll.
7 2013 soll ein neues Parkpickerlmodell kommen – warum?
In Kürze beginnen Expertengespräche über ein neues, zeitgemäßes Modell für die gesamte Parkraumbewirtschaftung. Das neue Konzept soll im Frühjahr einer Volksbefragung unterzogen werden. Details dazu gibt es derzeit noch nicht. Vorstellbar ist aber, dass Parken teurer wird, je näher beim Zentrum das Fahrzeug abgestellt wird.
8 Was will die Stadt sonst gegen die Parkplatznot unternehmen?
Die Wiener sollen künftig nicht ein Auto besitzen, sondern sich eines teilen – zumindest, wenn es nach der rot-grünen Stadtregierung geht. Am heutigen Samstag startet deshalb ein neues Carsharing-Projekt. Dafür werden im öffentlichen Raum Parkplätze nur für Carsharing-Autos des Anbieters Zipcar reserviert. Es gibt aber Widerstand aus den Bezirken, die keine Parkplätze dafür opfern wollen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)
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