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AKH-Skandal: Millionenklage gegen Wiener Filz

01.09.2012 | 18:15 |  von Andreas Wetz (Die Presse)

Seit 2010 durchleuchten Korruptionsfahnder eine fragwürdige Auftragsvergabe für Leihpersonal. Nun fordert ein Geschädigter Schadenersatz: Es geht um 40 Millionen Euro.

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Massive Hinweise“ auf Schwarzgeldkonten und „deutliche Hinweise“ auf Straftaten: Die Akten des Ermittlungsverfahrens, das die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gemeinsam mit dem Bundesamt zur Korruptionsbekämpfung (BAK) seit zwei Jahren im und rund um das Wiener AKH führt, enthalten starken Tobak. Unangenehm sind die erforschten Fakten jedoch nicht nur für vier beschuldigte (Ex-)Beamte und den Eigentümer jener Firma, die einen millionenschweren Auftrag zur Überlassung von Reinigungs- und Hilfspersonal wider das Vergabegesetz und damit unrechtmäßig erhalten haben soll. Die – mutmaßlich – abgekartete Ausschreibung könnte nun auch das AKH, damit die Stadt Wien und letztinstanzlich den Steuerzahler teuer zu stehen kommen.

Der „Presse am Sonntag“ liegt die Eingabe eines unterlegenen Unternehmers an die WKStA vom 28. August vor. Absender ist Dragan Janus, Chef jener Firma, die nicht nur das nachweislich billigste, sondern nach Meinung einiger Insider auch beste Angebot legte.

Und Janus nennt Zahlen. Genau 40,234.498,56 Euro beträgt demnach der Schaden, der ihm durch die fragwürdige Vergabe des Großauftrags über 1050 Arbeitskräfte an den schließlich „erfolgreichen“ Konkurrenten AGO (Akademischer Gästedienst Österreich) entstand. Wie Janus auf diesen Betrag kommt? Fragen dazu wollte er unter Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht beantworten. In dem Brief an den Staatsanwalt rechnen er und sein Anwalt die stattliche Forderung den Behörden jedoch minutiös in einer Tabellenkalkulation vor. Dabei entlarven sie – quasi nebenbei – zusätzlich die beschönigende Öffentlichkeitsarbeit des Megaspitals. Ihrer Meinung nach wurde die nach außen kommunizierte Auftragssumme nämlich künstlich niedrig gehalten. Die wahren, den Bürgern nur viel schwerer vermittelbaren Kosten für den Auftrag seien nämlich noch viel höher gewesen. Aber alles der Reihe nach.

Millionen für Hilfsdienste. Der Auftrag, es ging um Reinigungspersonal, IT-Kräfte sowie Kanzlei- und andere Hilfsdienste, hatte in Wahrheit zwei Teile. Erstens: jene Dienstleistungen, die der Auftragnehmer zur Organisation der 1050 Arbeitskräfte erbringen sollte. Zweitens: Gehälter und Löhne. Nach außen gelangte immer nur der Preis für die Kosten der Personaldienstleister. Janus forderte damals zwölf, AGO 15 Mio. Euro pro Jahr. Sozusagen unterschlagen wurde die Bezahlung der Arbeitskräfte selbst. Zuzüglich aller Abgaben und Lohnnebenkosten. Inklusive eines angenommenen Gewinnaufschlags von 5,55 Prozent (das entspräche knapp zwei Mio. Euro jährlich) kostet das Paket das AKH demnach im Vollbetrieb noch einmal 36 Mio. Euro im Jahr.

Janus folgert daraus: Aus zwei Millionen Euro Gewinnentgang werden bei einem unbefristeten Vertrag, der in dieser Größenordnung – das zeigt die Erfahrung – nur nach sehr langen Laufzeiten ausläuft, bei einer durchschnittlichen Vertragsdauer von 20 Jahren 40 Millionen. Und das noch ohne Abgeltung der Inflation.

Ob der Geschädigte mit seiner Forderung durchkommt, ist jedoch ungewiss. Der Weg durch das Zivilrecht ist langwierig und – bei diesen Summen – extrem teuer. Recherchen ergaben, dass das im konkreten Fall schon ein ganz anderes Kaliber abgeschreckt hat. So ließ der Personalriese Trenkwalder, der ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen hatte und nicht zum Zug kam, eine konkrete Schadenersatzklage zumindest prüfen. Schließlich sah man jedoch davon ab.

Offenbar versucht Janus nun, das hohe finanzielle Risiko des Zivilrechts mithilfe eines strafrechtlichen Urteils zu minimieren. Erklärt der Richter Beamte, die für das AKH tätig waren, für schuldig, würden seine Chancen steigen. Allerdings: Zuvor müsste es überhaupt zu einer Anklage kommen. Seit zwei Jahren prüfen WKStA und BAK den Fall, nach drei Jahren gelten Schadenersatzansprüche als verjährt.

Aus der Anklagebehörde ist zu hören, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind und man nun mit der „Enderledigung“ beginne. Aufgrund der außerordentlichen Komplexität des Falls und der vielen tausend Seiten Akten könne eine abschließende Bewertung aber noch „mehrere Monate“ dauern.

Poker und Champagner. Alle Beschuldigten wiesen in ihren Einvernahmen bisher jegliche Verantwortung von sich. AGO sei in einem sauberen Verfahren als Bestbieter zum Zug gekommen. Absprachen hätte es nicht gegeben. Trotzdem: Belastende Umstände fanden die Fahnder genug. Sie ermittelten gemeinsame Pokerabende und Champagnerpartys von AKH-Beamten und AGO-Führungskräften. Es existiert ein Papier mit dem Titel „Stilles Übereinkommen“, in dem Janus für den Rückzug von Einsprüchen Folgeaufträge in Aussicht gestellt werden. Und es gibt ein Gutachten von KMPG, in dem davon die Rede ist, dass schon der Text der Ausschreibung auf die Bedürfnisse des „siegreichen“ Unternehmens hin geschrieben war.

AGO hat den Auftrag inzwischen wieder verloren. Die Kündigungsfrist endet jedoch erst im Dezember 2013. Bis dahin wird neu ausgeschrieben.

In Kürze

Seit 2010 prüft der Staatsanwalt im AKH eine dubiose Vergabe von Leihpersonal im mehrstelligen Millionenbereich.

Indizien
für unsaubere Geschäfte gibt es zuhauf: Tonbänder, Dokumente, Gutachten, Zeugenaussagen. Allein: Hinweise auf eine persönliche Bereicherung der betroffenen Beamten konnten bisher nicht gefunden werden. Sie weisen jede Schuld von sich.

Ein Mitbieter fordert nun Schadenersatz. Er kündigt an, sich von AKH und Stadt Wien 40 Mio. Euro für den entstandenen Schaden holen zu wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)

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49 Kommentare
 
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AKH Sumpf geht vom Wiener Rathaus aus..

also das was in KTN abgeht ist nicht von schlechten Eltern. Aber hinter die "Korruptionstür" der Stadt Wien - und das seit rund 50ig Jahren - möcht ich nicht schauen!


Gast: Penner
03.09.2012 11:02
9 0

Keine Chance gegen die Rathausmafia,

leider.

I loss ma mei Wien ned schlechtreden.

Ist längst nicht mehr notwendig ...

Gast: Revolutionsbroschüre
02.09.2012 21:33
2 8

Leiharbeit ist Betrug am Arbeitnehmer!


Justitielle Verhinderung von Schadenersatz

"Allerdings: Zuvor müsste es überhaupt zu einer Anklage kommen. Seit zwei Jahren prüfen WKStA und BAK den Fall, nach drei Jahren gelten Schadenersatzansprüche als verjährt."

Also wenn ich so einen Satz als Wiener Bürgermeister, Gesundheits- oder Justiz ministerIN in der Sonntagspresse lese, ist morgen Feuer am Dach.

Oberste Zielsetzung jeder glaubwürdigen Politik müsste sein:

Wie kann verhindert werden, dass nach offensichtlich korrupten Auftragsvergaben im AKH, der Geschädigte nicht aus formaljuridischen Gründen sein Schadenersatzrecht verliert ?

2 0

...

lol in jedem anderen land waere es unmoeglich so ein mieses spital zu fuehren... ich frag mich oft ob die patienten dann alle umgebracht werden, oder ob das trinkgeld so hoch ist, dass sie zahlen muessen um nicht hmm na sagen wir besonders nach allen regeln der kunst verarztet zu werden...

Gast: schüsselfekter
02.09.2012 19:04
9 0

und bei den verkehrsbetrieben ist es anders?


Sozial und gerecht

Es geht nichts über die soziale Fürsorglichkeit im AKH - wenn sich ein habilitierter Kollege über Mißstände auf seiner Station aufregt "redet" ihn nicht nur der Großkanzler des AKH (Univ.Prof. Dr. Reinhard Krepler) in´s Gewissen, sondern es wird auch noch zusätzlich auf anderer Seite ein besorgtes Zukunftsgespräch geführt - "Denn das Budget der MedUni Wien ist das personallastigste aller 21 staatlichen Universitäten."

Gast: MiroL
02.09.2012 17:38
7 0

Wie war das doch mit Faymann?

Wie war das doch mit Faymann und den ÖBB und ASFINAG Inseraten? WAr/Ist sein Lehrmeister nicht der Michael Häupl?

Gast: globetrotterneu
02.09.2012 14:11
20 0

zirkus habakuk

in wien nichts neues und ist gang und gebe aber unsere roten sind die mit den finger auf andere zeigen eine schande das ganze.

15 0

Lehrmeister für die

Blauen in Kärnten. In Wien wird seit vielen Jahrzehnten vorexerziert wie es geht.

Gast: Tomb
02.09.2012 13:58
18 0

Millionenklage

Der gelernte Wiener weis , es wird nichts dabei herauskommen,es wird von den gekauften Massenmedien totgeschwiegen und das wars dann.

14 0

Dieser Fall hier

ist doch bestimmt in Wien kein Einzelfall. Es gibt wahrscheinlich viele Fälle, die ähnlich gelagert sind, doch das wusste man bisher zu vertuschen bzw. geheim zu halten. Wien ist ein Korruptionspflaster erster Güte. Bestes Beispiel dafür ist die verdammte Parteibuchwirtschaft, die hier und nicht nur hier herrscht. Man barucht doch nur ins Rathaus schauen. Was dort vor sich geht, hat mit seriöser Politik nicht das Geringste zu tun. Das vielgelobte Wien ist ein Schandfleck auf der politischen Landkarte. Was sich in Kärnten derzeit abspielt, ist ein Skandal und was sich in Wien derzeit tut, ebenfalls. Bleibt nur die Frage: Gibt es noch einen Platz in Österreich, der nicht von Korruption heimgesucht wird? Wohl kaum.

Gast: UIOP
02.09.2012 12:59
0 17

Wien darf nicht Kärnten werden!

Man glaub ja fast man ist beim FPÖPK!

Antworten Gast: globetrotterneu
02.09.2012 18:25
5 0

Re: Wien darf nicht Kärnten werden!

wien ist kärnten seit sehr langer zeit.

Re: Wien darf nicht Kärnten werden!

Ihr Appell kommt zu spät, Wien ist fast noch schlimmer als Kärnten, denn in Wien herrscht die rote Parteibuch-Korruption seit 1945 und ein Ende ist nicht in Sicht. In Kärnten waren in der gleichen Zeit verschiedene Parteien an der Macht, auch die Roten.

akh

Korrupte Bagage allesamt!
Hab genug erlebt mit diesen Banditen. Nach 40 Jahren im Baugeschäft kann ich mitreden, habe selbst 2Verfahren gegen die Gemeinde geführt und nach vielen Drohungen amtlicherseits gewonnen!

Gast: Plotin
02.09.2012 12:35
4 2

eine tolle Herausforderung wär' für's Heer das Management und für den Zivildienst die Instandhaltung der Krankenhäuser und Altersheime.

. . . doch für Mädchen wär' ein Gesundheitsdienst zu schaffen, von gesunder Ernährung vom Kindergarten bis zur Altenpflege.

1 4

Re: eine tolle Herausforderung wär' für's Heer das Management und für den Zivildienst die Instandhaltung der Krankenhäuser und Altersheime.

Wladimir Plotin? Nicht Putin? Klingt nämlich so nach Arbeitslager, das Posting.....

0 4

...

konnte dem artikel nichts neues entnehmen...

Gast: Erster_Sprecher
02.09.2012 10:54
23 0

Wie der Herr so das Gscherr!

Wie der Herr so das Gscherr! Krone, Österreich schweigen! Warum?

Das Korruptionskarusell dreht sich weiter und unser Hr. BP schweigt beim Schmied und basht beim Schmiedl.

H. Fischer nehmen Sie endlich ihre Verantwortung als Erster Bürger des Staates wahr! Jagen Sie den BK von Dichands und Fellners Gnaden zum Teufel!

Oder sind Sie befangen? Dann ziehen Sie die Konsequenzen! Irgendwann, ich hoffe bald, ist Zahltag........

Unsere Republik hat etwas besseres verdient als korrupten Politiker !

Re: Wie der Herr so das Gscherr!

"Wie der Herr so das Gscherr! Krone, Österreich schweigen! Warum?"

haben sie noch drecks-ORF und blablabla-Wien Heute vergessen.

Re: Wie der Herr so das Gscherr!

Bevor dieser ehrenwerte Herr BP etwas gegen den roten Sumpf sagt, ist die Sonne erloschen.

Sie werden das also nie erleben, eher noch gibt er den Anschluss Österreichs an Nordkorea bekannt ...

12 0

Re: Wie der Herr so das Gscherr!

Herr BP sieht nur rot !

Gast: Inside Vienna
02.09.2012 10:21
13 0

Mit einem Österreicher (Wiener) kann man alles machen ...

Es braucht sichtlich einen Dienstleister mit Migrationshintergrund, um der Bande eins reinzuwürgen. Wenn's die AKH-Beamten mit einen der großen Reinigungsfirmen mit hiesigen Background zu tun gehabt hätten, dann wäre das glatt durchgegangen. Die hätten sich "klaglos" mit ein paar in Aussicht gestellte Folgeaufträge abspeisen lassen, bevor sie der Stadt Wien ans Bein pinkeln. Wir sind so eine feige Bande! Vom Arbeiter bis zum Unternehmer: Es geschieht uns völlig recht, dass wir von solchen Typen ausgesackelt werden ...

Gast: zzz
02.09.2012 10:19
19 0

bitte weiter den Häupl wählen

nur so ist Gewährleistet, dass dieses traurige Theater weitergeht.

 
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