Der Platz ist eng geworden in Wiens Öffis. Besonders nach den Sommerferien wirken U-Bahn, Bim und Bus ungewohnt voll. Umso größer das Aufsehen um eine Test-Niederflur-Straßenbahn auf der Linie 43, eine Linie, die besonders überlastet gilt. Die Wiener Linien entfernten in einem Zug Sitze im Türbereich, um mehr Platz zu schaffen. Am Montag startet der Probebetrieb. "Damit soll der Fahrgastfluss beim Ein- und Aussteigen beschleunigt werden", wie Wiener Linien-Sprecherin Anna Maria Reich erklärt.
In der Testgarnitur wurden bei der dritten und fünften Tür - also bei den mittleren Einstiegen - jeweils sechs Sitze entfernt. Statt zwölf Sitzplätzen ist nun Raum für 16 stehende Fahrgäste.
"Kapazitäten vervielfachen"
Mit dem gestiegenen Verkauf der Jahreskarten habe das alles aber nichts zu tun, betont Reich gegenüber DiePresse.com. Die Wiener Linien konnten seit der Preisreduktion der Jahreskarte auf 365 Euro ein Plus von 20,6 Prozent beim Verkauf verbuchen. Doch darunter seien auch viele Menschen, die beispielsweise von Wochen- oder Monatskarten umsteigen würden. Dass die Fahgastzahlen steigen, ist allerdings unbestritten. Darauf reagiere man mit Taktverdichtungen und mit moderneren Fahrzeugen mit mehr Kapazität.
Der Testbetrieb des 43ers mit weniger Sitzplätzen soll einige Monate dauern. Danach werden die Rückmeldungen von Fahrgästen ausgewertet. Außerdem wird überprüft, ob die Bim flotter unterwegs ist, da die Türen nicht verstellt sind und so der Fahrplan exakter eingehalten werden kann. Erst anschließend werde über die weitere Vorgehensweise entschieden. Die Entfernung von Sitzplätzen bei anderen Verkehrsmitteln, nämlich Bus und U-Bahn, sei kein Thema bei den Wiener Linien.
"Wien darf nicht Tokio werden"
Wenig Begeisterung über die Pläne der Wiener Verkehrsbetriebe zeigten die FPÖ und ÖVP. "Ich warte jetzt nur noch, dass wie in Japan seitens der Stadtregierung eine eigene 'Kapperltruppe' ins Leben gerufen wird, um die Fahrgäste in die öffentlichen Verkehrsmittel zu drängen", zeigte sich der schwarze Landesparteiobmann Manfred Juraczka erzürnt. In die gleiche Kerbe schlug der freiheitliche Verkehrssprecher Anton Mahdalik. Er forderte, dass Wien nicht Tokio werden dürfe.
Bank-Problem Nummer Zwei
Mit fehlenden Sitzbänken in der U-Bahnstation Karlsplatz haben die Wiener Linien bereits am Dienstag für Reaktionen gesorgt. Die Sitzbänke kommen aber wieder, betont Reich. Inoffziell hieß es in Medien, dass Drogenkranke das Problem wären, die auf den Bänken schlafen würden. Die offizielle Variante lautet aber anders. Die alten Bänke hätten nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen entsprochen und würden daher durch neue Bänke ersetzt. Man wird also auch in Zukunft sitzend auf die U1 am Karlsplatz warten können.
(APA/klepa)
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