Eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße scheint innerhalb der rot-grünen Stadtregierung fix akkordiert. Auf welcher Länge sie kommt, das dürfte aber immer noch offen sein. Mindestens der Abschnitt zwischen Kirchengasse und Andreasgasse wird aber wohl zur Fußgängerzone. „Das ergibt sich sehr einfach. Überall sonst gibt es Garageneinfahrten“, erklärt Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen.
Damit hat sich in den letzten zwei Jahren seit der Landtagswahl viel bewegt in der Debatte. Waren es zuvor nur einzelne Rufe der grünen Bezirksvertreter von Neubau und Mariahilf, die diverse Varianten wie Shared Space gefordert haben, werden nun bald erste Schritte gesetzt.
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Weniger Lärm, bessere Luft
So alt die Diskussion, so alt sind die reflexartigen Argumente der schwarz-blauen Oppostion gegen eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße: Verkehrschaos, Zerstörung der Geschäftsstraße, Nachteile für Wirtschaftstreibende. Doch warum nicht ein positives Bild von Wiens beliebtester Einkaufsstraße malen?
Eine autofreie Mariahilfer Straße verbessert zu allererst die Luftqualität für Anrainer und vor allem für die einkaufenden Fußgänger. Lärm und Gestank vertragen sich nur wenig mit einer Einkaufsmeile mit Format. Öffentlicher Raum ist in Wien großteils den Autos überlassen. Eine Fußgängerzone könnte Räume schaffen, die zum Verweilen einladen und die Qualität des Aufenthalts wesentlich verbessern.
- Illusion vom Parken vor dem Geschäft
Dass man nicht mehr direkt vor dem Geschäft parken kann, um einzukaufen, ist schon heute der Fall. Wer einen Parkplatz direkt vor dem Geschäft findet, muss von einem wahren Glücksfall sprechen. Die Parkgaragen in der Umgebung, elf an der Zahl, bleiben weiterhin bestehen. Zu einem Tarif von 3 bis 3,50 Euro zwar deutlich, aber nicht unleistbar teurer als der Stundenparkschein um zwei Euro. Dafür darf man auch unbegrenzt parken. Im Parkhaus Gerngross kann man auch eine Stunde lang gratis parken, wenn man im Shoppingcenter einen gewissen Betrag ausgibt.
- Vier U-Bahn-Stationen und Carsharing
Wer in der Mariahilfer Straße einkauft, fährt aber ohnehin nicht mit dem Auto. Vier U-Bahn-Stationen verteilen die Kunden perfekt auf die Mariahilfer Straße. Jedes Geschäft der Umgebung ist in Gehweite von fünf Minuten von einer U-Bahn-Station erreichbar.
Und auch, wenn es derzeit noch ein Randthema sein mag, Carsharing gewinnt an Bedeutung. Schon jetzt ist es mit car2go beispielsweise möglich kleinere bis mittelgroße Transporte zu ermöglichen. Das Auto dafür steht quasi in den Nebengassen schon bereit. Das wird sich auch bei einer Fußgängerzone nicht ändern.
Die Durchzugsverkehrs-Problematik steht natürlich auf einem anderen Blatt. Hier werden die Köpfe ordentlich rauchen müssen, um den Verkehr großräumig aus den Bezirken zu bringen, ohne kleine, bisher ruhige Nebengassen dem Verkehrskollaps zu überlassen.
- Keine verstellten Ladezonen
Auch die Klagen der Wirtschaft, dass Ladezonen oft verstellt sind und dass Lieferungen im Stoßverkehr oft große Mühe haben, sich durchzuschlagen, könnten mit einer Fußgängerzone und/oder einer verkehrsberuhigten Zone ad acta gelegt werden. Eine Regelung, dass täglich bis 10:30 zugestellt werden darf, wäre für jedes Unternehmen planbar. Für Sonderfälle möge es eine Zusatzgenehmigung geben. Und die fehlenden oder verstellten Ladezonen würden der Vergangenheit angehören, da nur noch Anrainer einfahren dürften.
- Erfolgreiche Vorbilder
Wer gerne in der Stadt einkauft, in der frischen Luft – nicht im Shoppingcenter -, dem könnte eine verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße dazu eine gute Gelegenheit geben. Und ein Blick auf Graben und Kärntner Straße sollte doch zusätzlich motivieren. In 50 Jahren werden wir über alte Fotos der Mariahilfer Straße auf "Vintage Vienna" lächelnd den Kopf schütteln, wenn wir darauf die Autos im Stau stehen sehen.
>>CONTRA: "MaHü" als Fußgängerzone? Nein, danke
(klepa)
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