Wien/kb. Die Wiener Ordensspitäler kritisieren eine ungerechte Finanzierung und fordern mehr Geld von der Stadt. Die derzeitige Abrechnung sei ungerecht und nicht leistungsorientiert. Einen Grundversorgungsauftrag zu erfüllen und für dieselbe Arbeit weniger Mittel zu bekommen als öffentliche Kliniken „ist ein unhaltbarer Zustand“, beklagte Primarius Manfred Greher, Sprecher des Arbeitsausschusses der Wiener Ordenskrankenhäuser, am Dienstag in einer Pressekonferenz.
Greher verwies dabei auf die leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF). In Österreich erfolgt die Abgeltung von Spitalsleistungen mittels LKF-Punkten. Deren Umrechnung ist aber nicht für alle Kliniken gleich. Durchschnittlich hätten Gemeindespitäler zuletzt 1,40 Euro pro Punkt erhalten, Ordensspitäler hingegen nur 0,93 Euro. Von einer leistungsorientierten Finanzierung könne keine Rede sein.
Neben einer möglichen Erhöhung der Grundsubvention spricht sich Greher daher für eine Reform der Leistungsabrechnung aus. Verhandlungen darüber seien derzeit im Gange.
Beliebt unter SPÖ-Wählern
In Wien gibt es acht Ordensspitäler mit 110.000 stationären Aufnahmen pro Jahr – und rund viermal so vielen ambulanten Behandlungen. „Durch unser Tun leben wir das Evangelium und weisen auf den Herrgott hin“, sagt Prior Paulus Kohler vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. „Die Wiener Ordensspitäler versorgen ein Fünftel aller Patienten. Wenn es sein muss, auch gratis – bei Menschen ohne Krankenversicherung.“
Präsentiert wurde zudem eine Umfrage. Demnach finden 80 Prozent der Wiener, dass diese aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken sind. Überdurchschnittlich gut wurden sie von ehemaligen Patienten und SP-Wählern bewertet.
Gleichfalls am Dienstag hat Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) den Grundstein für den Rohbau des neuen Krankenhauses Nord gelegt. Es soll Ende 2015 seinen Teilbetrieb aufnehmen und wird über 800 Betten verfügen. Ein- und Zwei-Bett-Zimmer sollen zum Standard gehören. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 825 Millionen Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?