Wien/gr. Es klingt nach guten Nachrichten: 41 Prozent der Wiener Haushalte kommen ohne Auto aus; die Wiener fahren rund zehn Prozent weniger weit mit dem Auto als noch vor zehn Jahren; und der Anteil des Radverkehrs an den Alltagswegen in der Stadt hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt.
Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung zu Mobilitätstrends in Wien, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) am Dienstag präsentiert haben. Was auf den ersten Blick Grund zum Feiern sein könnte, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Pyrrhussieg. Denn in den zehn Jahren seit 2003, die für die Studie verglichen worden sind, ist auch die Zahl privater PKW in Wien gestiegen: Von 576.000 Fahrzeugen 2003 auf 631.000 im Vorjahr – mit einem Wachstum von 9,5 Prozent ist die Zahl der Autos damit stärker gestiegen als die Bevölkerung der Bundeshauptstadt, die im selben Zeitraum rund 7,5 Prozent zulegte. Unterm Strich bedeutet das, dass Wiener PKW heute zwar weniger unterwegs sind – der VCÖ-Rechnung zufolge legten sie 2011 knapp 7,85 Milliarden Kilometer zurück –, somit auch weniger Sprit verbrauchen und weniger Emissionen ausstoßen. Das städtische Raumordnungsproblem hat sich in den vergangenen Jahren aber noch verschärft, weil die gestiegene Zahl der Autos auch verstärkten Parkplatzbedarf bedeutet.
Öffentlicher Verkehr auf Platz eins
Da hilft es wenig, dass der öffentliche Verkehr seit 2003 an Bedeutung gewonnen hat: Lag er bei den Alltagswegen der Wiener damals mit 34 Prozent noch hinter dem PKW-Verkehr (36 Prozent), ist er dem VCÖ zufolge heute mit 38 Prozent aller Wege die bei Weitem wichtigste Fortbewegungsart – die PKW sind auf einen Anteil von 29 Prozent zurückgefallen. Gleich geblieben ist der Anteil der Gehwege (28 Prozent), Radfahren hat sich auf sechs Prozent verdoppelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
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