Einfach von A nach B zu gelangen ist langweilig. Nicht in Wien. Die Wahl des Verkehrsmittels wurde in den vergangenen Jahren von der politmedialen Meinungspolizei zum Offenbarungseid hochstilisiert. Wer geht, (mit dem Rad) strampelt oder (sich in der U-Bahn) drängt, ist gut, wer im eigenen Pkw sitzt, böse. Auf die Idee, dass hinter der Entscheidung sachliche Gründe wie Netzausbau, Pünktlichkeit, Kosten-Nutzen-Rechnung und Komfortbedürfnis stehen könnten, kam niemand.
Diese Realität zur Kenntnis zu nehmen (und auf ihr aufbauend zu handeln) wäre Aufgabe einer Verkehrspolitik, die sich als eine solche versteht. Was Wien seinen Bürgern und Gästen derzeit zumutet, fällt eher in die Kategorie Frotzelei. Fakt ist, dass auch Großstädter Autos brauchen. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Zahl der in Wien angemeldeten Autos seit 2003 trotz kräftigen Drehens an der Gebührenschraube um fast zehn Prozent gestiegen ist. Nur so zum Spaß tut sich diese in Ankauf und Unterhalt teure Sache kaum jemand an.
Das Rathaus hingegen schaut seit Jahren weg. Anstatt der größer werdenden Not an Stellplätzen mit der Schaffung eben solcher zu begegnen (Stichwort: Garagen), erweitert der Magistrat in seiner Weisheit lieber die gebührenpflichtige Kurzparkzone. Laut der begleitenden Kampagne sogar auf Bereiche, in der Parken gar nicht erlaubt ist. Zitat: „Das Parkpickerl sorgt dafür, dass Parks nicht zu Parkplätzen werden.“ Na dann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
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