Sängerknaben jubilieren: Konzertsaal vor Eröffnung

Der privat finanzierte 12 Millionen Euro teure Konzertsaal der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz wird nach 65 Jahren dem Bund übergeben. Der neue Saal soll am 9. Dezember eröffnet werden.

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(c) APA/Lukas Beck (Lukas Beck)

Wien. Die Bürgerinitiativen, die seit Jahren gegen die Bebauung(en) des Wiener Augartens kämpfen, haben doch etwas bewirkt – wenn auch nur im Detail. Denn gebaut wird der oft kritisierte Konzertsaal der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz (Ecke Castellezgasse/Augartenstraße) schon länger. Der Bau ist sogar recht fortgeschritten, immerhin soll der neue Saal schon am 9. Dezember eröffnet werden. Allerdings ist der Protest bei Elke Hesse, der Geschäftsführerin des neuen Saals – oder, wie sie es nennt, „Außenministerin der Wiener Sängerknaben“ –, dennoch angekommen.

„Der Bau ist sehr transparent, wie uns überhaupt das Prinzip der Öffnung der Institution Wiener Sängerkaben wichtig ist“, sagte Hesse am Dienstag als sie den Medien stolz den aktuellen Stand der Baustelle präsentierte. Sie will das neue Gebäude als Zentrum für Nachwuchsförderung verstanden wissen. Immerhin soll der Saal nur zu rund einem Drittel den Sängerknaben zur Verfügung stehen, der Rest soll von anderen, vorrangig Kinder- oder Jugendgruppen, bespielt werden. Zu den Kooperationen will Hesse noch nichts verraten. Rund 120 Vorstellungen sollen in dem etwa 400 Menschen fassenden Saal pro Jahr stattfinden.

Szenische Produktionen oder Kinobetrieb

„Ich glaube, der Bau schmiegt sich schön in das bestehende Areal hinein“, sagt Hesse und verweist auf den Durchgang zum ebenfalls dort angesiedelten Filmarchiv sowie zur Allee in Richtung Palais Augarten. Dort – auch das ist ihr angesichts der Proteste wichtig zu erwähnen – werden jene Bäume wieder eingesetzt, die der Baustelle weichen mussten. Außen wurde der moderne Bau, der sich direkt an das denkmalgeschützte alte Pförtnerhäuschen schmiegt, mit Zink-Schindeln und viel Glas ausgestattet. Rechte Winkel findet man in dem Gebäude wenige. „Das ist gut für die Akustik“, sagt Hesse. Im Inneren des Saals wurden für ebendiese eigene Holzpanele angebracht. Die Bestuhlung, von der derzeit noch nichts zu sehen ist, soll in „schönem, sattem Theaterrot“ gehalten werden. Die zwölf mal neun Meter große Bühne lässt genug Platz für szenische Produktionen.
Bei geschlossenem Orchestergraben fasst der Raum 411 Personen, bei offenem 376. In der Galerie, auf der 80 Besucher Platz haben, ist ein Beamer untergebracht, was auch Filmvorführungen ermöglicht. Zusätzlich gibt es noch ein Atelier, das für kleine Proben oder Seminare genutzt werden kann, einen flexiblen Garderobenraum, der ebenfalls mehrere Nutzungsmöglichkeiten hat, sowie ein kleines Café inklusive Raucherfreiluftzone. Ein Großteil davon ist in zwei Untergeschoßen untergebracht, weshalb das Gebäude auf eine Firsthöhe von 4,5 Metern kommt. „Das ist mir wichtig, weil in letzter Zeit oft von 12 Metern die Rede war, die hat das Haus aber insgesamt.“

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Finanziert wurde das 12 Millionen Euro teure Gebäude, dessen Namen erst im November verraten wird, von dem Kunstmäzen und Fondsmanager Peter Pühringer. Er hat sich auch dazu bereit erklärt, für die ersten 65 Jahre des Betriebs des Saals aufzukommen. „Aber natürlich muss ich auch ordentlich wirtschaften“, sagt Hesse. Danach wird der Saal neuwertig an den Bund übergeben.

Protestkonzert der Sängerraben

Auch wenn die verschiedenen Bürgerinitiativen keinen Baustopp mehr verlangen, sind sie mit dem Vorgang nicht zufrieden. „Ein Baustopp würde jetzt ja gar keinen Sinn mehr machen, aber wir wollen nicht noch mehr Zerstörung“, sagt Raja Schwahn-Reichmann vom Josefinischen Erlustigungskomitee. Deshalb werden kommenden Sonntag die Sängerraben beim Augartenspitz ein Protestkonzert veranstalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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