Im Frühjahr 2013 wird über die Parkraumbewirtschaftung in Wien bei einer Volksbefragung abgestimmt. Das Parkpickerl-Modell, das sich dem Voting stellt, wird derzeit von einem Gremium aus Verkehrsexperten und Stadtpolitikern erarbeitet. Der ÖAMTC nimmt an diesem Gesprächen nicht teil, hat am Mittwoch aber seine Vorschläge veröffentlicht. Der Autofahrerclub wirbt für ein Zonenmodell mit zeitlicher und preislicher Staffelung. Die jetzige Regelung enthalte nämlich jede Menge Nachteile, kritisierte ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold.
Der Lösungsansatz des Clubs sieht eine Flexibilisierung sowohl der Höchstparkdauer als auch der Gebühren vor. Dadurch werde die Bewirtschaftung bedürfnisorientierter und Verdrängungseffekte könnten durch den Wegfall "harter" Außengrenzen vermieden werden, hieß es.
Demnach würde der innerstädtische Bereich in eine rote und eine gelbe Zone unterteilt. Erstere umfasst im Wesentlichen die City-Fußgängerzonen, die grundsätzlich parkplatzfrei bleiben sollten. Für Anrainer sollte es vorrangig kostengünstige Garagen geben, so ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. In der angrenzenden gelben Zone würde die jetzige Kurzparkzonenregelung gelten, Dauergenehmigungen - also ein Pickerl - bekämen nur "besondere Berechtigte", beispielsweise Anrainer "mit erheblichem Interesse".
Als blaue Zone definiert der ÖAMTC die übrigen Bezirke innerhalb des Gürtels sowie die gürtelnahen Bereiche. Hier wünscht sich Hoffer eine Mischung aus Kurzparkzonen in Geschäftsstraßen und zeitlich unbegrenzte Parkmöglichkeiten in anderen Straßenzügen, die allerdings auch kostenpflichtig wären.
In der grün gefärbten Zone hin zum Stadtrand sollte laut Autofahrerclub - nach Grazer Vorbild - das Abstellen des Pkw überall dauerhaft möglich sein, wobei auch hier Gebühren zu zahlen wären. Diese lägen aber deutlich unter dem jetzigen Stundentarif von zwei Euro - etwa bei einem Euro bis zur Vorortelinie und darüber hinaus bei 50 Cent pro Stunde. Neben Anrainern sollen auch Pendler mit Zweitwohnsitz Anspruch auf eine Jahrespauschale haben, die auf nicht mehr als 30 Euro käme.
Gleichzeitig plädierte der Jurist für eine Zweckbindung der Parkgebühreneinnahmen an den Bau und Betrieb von Wohngaragen bzw. Park-and-Ride-Anlagen. Denn mehr kostengünstige Stellplätze würden ebenfalls den öffentlichen Raum entlasten.
Vassilakou erfreut über Vorschläge
Schmerold kündigte an, den Modellvorschlag noch heute der Stadtregierung zukommen zu lassen. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou begrüßte den Schritt des ÖAMTC, "die öffentliche Debatte mit konstruktiven und konkreten Vorschlägen zu bereichern". Sie lud den Club einmal mehr ein, an den Expertengesprächen zum Parkpickerl Neu teilzunehmen und versprach, die nun präsentierten Vorschläge jedenfalls einfließen zu lassen.
Weit weniger begeistert zeigte sich SPÖ-Klubchef Rudolf Schicker: "Sich ins Winkerl zu stellen und dann zu rufen: 'Ich hätt' eh alles besser gewusst!' zeuge nicht gerade von hohem Interesse an einem gemeinsamen Konsens." Er erachtet die Zonenlösung als zu kompliziert - ebenso wie die Freiheitlichen. "Ein buntes Zonen-Kompott mit babylonischem Tarifgewirr würde das Parken in Wien nicht nur teuer, sondern auch unübersichtlich gestalten, was wohl nicht im Sinne eines Autofahrerclubs sein kann", so FPÖ-Verkehrssprecher Anton Mahdalik.
(APA)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?