Wien. Jeden Tag kommen um die 400.000 Menschen aus dem Wiener Umland mit dem Auto in die Stadt. Ab kommenden Montag haben sie es noch schwerer, hier einen Parkplatz zu finden. Denn in mehreren westlichen Bezirken werden die Parkpickerl-Zonen ausgeweitet. Doch die grundsätzliche Problematik, wohin mit den Pendlern, ist damit noch lange nicht gelöst.
Genau diese Frage war am Donnerstag Titel einer von der GSV (Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen) veranstalteten Podiumsdiskussion. Zu Beginn versuchte Andreas Gollner von der Pendlerinitiative eine Lanze für die Pendler zu brechen: Viele müssten das Auto benützen, weil die öffentlichen Verbindungen am Land schlecht seien. Und wenn sie mit dem Auto nach Wien fahren, stelle sich die Kostenfrage. Gollner: „Wenn man sich eine Jahreskarte kauft, dann kommen für Pendler Kosten von bis zu 60 Euro im Monat für den Platz in der Park-and-ride-Anlage dazu.“
Wien bietet Niederösterreich Hilfe an
Park-and-ride ist offenbar kein wirkliches Allheilmittel. Johann Breiteneder, dessen Firma viele Parkgaragen errichtet, sagt zwar, „dass die Auslastungszuwächse in unseren Garagen deutlich merkbar sind“. Aber angesichts der Zahl von gerade mal 10.000 Wiener Stellplätzen und der 40-fachen Überzahl an Pendlern kann dies nur eine Teillösung sein. Zumal die Stadt ja weiter wächst und attraktiver wird, was in Zukunft tausende weitere Einpendler bedeutet.
Rüdiger Maresch, Verkehrssprecher der Wiener Grünen, sieht den wichtigsten Ansatz darin, dass es für die Pendler attraktiver werden muss, auf öffentlichen Verkehr umzusteigen. Er will aber nicht, dass dies in Wien passiert, sondern „draußen, an der Quelle“. Also in Niederösterreich. „Wien würde sich an den Kosten solcher Anlagen beteiligen“, sagt der Grünpolitiker. „Aber die Antwort der niederösterreichischen Politiker ist immer gleich, immer ausweichend.“
Neben dem säumigen Land Niederösterreich sieht Maresch auch die ÖBB als einen der Hauptverursacher, warum der öffentliche Verkehr nicht besser ausgebaut wird. „Man muss das Potenzial der Schnellbahn mehr ausnutzen, aber die ÖBB hintertreiben einige Verbesserungen.“ So geht es um den Ausbau der S45, aber auch um die S80, bei der die ÖBB den Takt teilweise auf eine Stunde verlangsamt hätten. „Ich appelliere an die ÖBB, dies zu überdenken.“ Ansonsten müsse man überlegen, ob das im Großraum Wien Private nicht besser können.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)
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