Nach heftigen Diskussionen, 150.000 Unterschriften dagegen und einem brutalen politischen Schlagabtausch war es am Montag so weit: Das Parkpickerl wurde in mehreren Bezirken jenseits des Gürtels zur harten, besser gesagt teuren Realität. In erster Linie geht es bei dieser Aktion um Geld für die leere Stadtkasse. Erst in zweiter Linie geht es um Parkplätze.
Was in der „Pickerl“-Diskussion mühsam ist: die ständige Beleidigung der Intelligenz der Bürger. Seit 1959 die erste Kurzparkzone in der City eingerichtet wurde, kommen ständig dieselben abgedroschenen Argumente, um das Parkpickerl zu rechtfertigen. „Es geht um den Verdrängungseffekt“, heißt es.
Skurril ist dabei, dass alle Stadtregierungen seit 1959 jede neue Ausweitung mit der Verdrängung argumentieren – ohne natürlich zu erwähnen, dass sie dafür selbst verantwortlich sind. Und kaum sind die neuen Zonen in Kraft, gibt es neue Begehrlichkeiten – bis eines Tages ganz Wien eine Pickerlzone und der Verkehr nach Niederösterreich verdrängt wird. Besonders dreist sind hier die Grünen, die das parkpickerlfreie Währing am Montag ins Visier nehmen. Die Bürger, die vor Monaten gegen die Parkpickerleinführung gestimmt haben, hätten den komplexen Zusammenhang nicht kapiert, so die Grünen.
Das ist eine Beleidigung. Denn die Proteste gibt es aus einem Grund: Die Bürger haben die wahren Zusammenhänge verstanden.
martin.stuhlpfarrer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)
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