Die Presse: Die Ausweitung der Parkpickerlzonen in Wien hat vor allem ein Ziel: die Pendler draußen zu halten. Wie beurteilen Sie diese Aktion?
Franz Hemm: Das Ganze ist überfallsartig passiert und war nicht mit Niederösterreich abgestimmt. Wenn man so etwas macht, muss man schauen, wo die Pendler mehr Möglichkeiten haben, ihre Autos zu parken. Das können etwa zusätzliche Park-and-Ride-Anlagen in Wien oder in Niederösterreich sein.
Wiens Stadtregierung sagt, dass Niederösterreich zu wenig tut, um die Pendler schon draußen, weit vor den Toren der Stadt, abzufangen.
Das stimmt nicht. Es gibt Pläne für neue Park-and-Ride-Anlagen, die 2015 in Betrieb gehen könnten. Das Land Niederösterreich hat in dieser Hinsicht schon viel gemacht. Das Problem muss politisch gelöst werden. Man kann sicher über alles reden, aber die überfallsartige Einführung der neuen Parkpickerlzonen in Wien war sicher nicht von Vorteil.
Für die Stadtregierung, aber auch für viele Wiener, sind die mit dem Auto kommenden Pendler derzeit so etwas wie ein Feindbild.
Man darf nicht vergessen, dass die niederösterreichischen Pendler auch viel Geld in Wien lassen. Sie arbeiten hier, und ein großer Teil der Wertschöpfung bleibt in Wien. Dazu gibt es die Wochenpendler, die eine Zweitwohnung in Wien haben und während der Woche hier viel Geld ausgeben.
Warum müssen eigentlich überhaupt so viele Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren?
Es gibt zwei Arten von Pendlern. Wer nahe bei der Bahn wohnt, etwa in Wiener Neustadt, kann leicht in den Zug einsteigen und nach Wien fahren. Aber es gibt viele Pendler, die weit weg wohnen und nur schwer zu einer öffentlichen Verbindung kommen.
Wie kann man die Menschen bewegen, auf ihr Auto zu verzichten?
Die Preise für die öffentlichen Verbindungen müssen attraktiver werden. Wer etwa in Mödling einsteigt, also nicht weit vor Wien, muss zwei Zonen zahlen. Das kann teuer werden. Dass es auch anders geht, zeigt das Jugendticket, mit dem Schüler um 60 Euro überall in der Region fahren können. So etwas sollte man auch für Erwachsene andenken.
Was sagen Sie zum Vorschlag der niederösterreichischen Grünen Madeleine Petrovic, Wiener sollten auch in Niederösterreich fürs Parken zahlen?
Das finde ich nicht gut: Die Gemeinden sollten autonom entscheiden, ob Bedarf besteht, dass sie fürs Parken etwas verlangen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 6. Oktober 2012)
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