Entweder man überlegt sich in aller Ruhe ein schlüssiges Gesamtkonzept, um ein Problem zu lösen. Oder man schnitzt an jeder Ecke ein bisschen herum, lässt die Bürokratie ein paar neue Regeln beschließen, die mit großem Aufwand umgesetzt werden, und testet dabei aus, wie sehr man die Nerven der Bevölkerung strapazieren kann – bis man sich schließlich darauf zurückzieht, dass es ein neues Gesamtkonzept braucht.
In Wien ärgern sich derzeit zahllose Bewohner und Pendler mit den neuen Parkzonen herum, die im Stil eines Fleckerlteppichs die Stadt überziehen. Die Stadt argumentiert die neuen Zonen damit, dass auf ein aktuelles Problem reagiert werden musste. Gut und schön, aber im Frühjahr gibt es eine Volksbefragung, bei der über völlig neue Modelle der Parkraumbewirtschaftung abgestimmt werden soll. Modelle, die alle bisherigen Fleckerlteppichlösungen ablösen sollen. Und die hoffentlich auch mit den Umlandgemeinden sinnvoll abgestimmt sind.
Auf diese Idee hätte die rot-grüne Stadtregierung eigentlich schon früher kommen können. Indem man sich in aller Ruhe ein schlüssiges Gesamtkonzept überlegt. Doch im Fall der Wiener Parkraumbewirtschaftung hat man sich für die Variante entschieden, die Nervenstärke der Bevölkerung einmal auszutesten. Danke für die Ungeduld!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)
Der American Dream platzt an der Grenze
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?