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Wie leben Migranten? Eine Bestandsaufnahme

11.10.2012 | 17:31 |  VON MARTIN STUHLPFARRER (DiePresse.com)

Der neue Integrationsmonitor von Stadträtin Frauenberger hat das Leben der Migranten in Wien untersucht. Das Instrument soll die emotionale Debatte versachlichen.„Die Presse“ hat Vorurteile und Fakten analysiert.

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Wien. Seit Donnerstag liegt der jüngste Integrationsmonitor der Stadt Wien vor, der nun zum zweiten Mal erstellt wurde. Dieses Instrument soll Zahlen, Daten und Fakten zur Integration in Wien liefern und damit die emotionale Debatte versachlichen. „Die Presse“ hat Vorurteile und Fakten analysiert.


These: Wien ist eine klassische Zuwandererstadt.

Stimmt. Das war nicht nur in der Monarchie so. Heute besitzt jeder zweite Wiener einen Migrationshintergrund. Etwa 500.000 von jenen, die hier wohnen, sind nicht in Wien geboren. Rund 370.000 haben keine österreichische Staatsbürgerschaft – ein Drittel sind EU-Bürger.

Jährlich siedeln sich etwa 47.000 Menschen neu in Wien an, davon zwei Drittel aus den EU-Ländern. Gleichzeitig steigt die Zahl der Drittstaatenangehörigen mit einer Aufenthaltsgenehmigung. 66,7 Prozent der 200.060 in Wien niedergelassenen Drittstaatsangehörigen besitzen eine Daueraufenthaltsgenehmigung. Gegenüber Ende 2008 ist das ein Plus von 5,6 Prozent (4661 Menschen mehr als 2008).


These: Migranten, die nach Wien kamen, sind völlig ungebildet.

Stimmt nicht. Die Einwanderer, die in den vergangenen 20 Jahren nach Wien gekommen sind, haben eine deutlich höhere Bildung als die Gastarbeiter-Generation (60er- bis 80er-Jahre), Tendenz steigend. Während rund 40 Prozent der Eltern von Drittstaatsangehörigen nur einen Hauptschulabschluss vorweisen können, sind es in der nachfolgenden Generation nur noch 20 Prozent, die über die gesetzliche Minimalausbildung verfügen.

Besonders stark erhöhte sich der Anteil laut Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger, die den Monitor in Auftrag gegeben hat, im Bereich türkischer Migranten. In der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen besuchten beim ersten Monitor (2009) nach der Hauptschule 40 Prozent eine weiterführende Bildungseinrichtung (Lehre, AHS). Nun sind es 60 Prozent. Obwohl Menschen mit Migrantionshintergrund bildungsmäßig den Rückstand auf die Österreicher verringern, sind sie im Bereich der höheren Bildung aber noch unterrepräsentiert.

These: Migranten in Wien arbeiten nicht, sie haben meistens keinen Job.

Stimmt teilweise. Hier muss eine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen getroffen werden. Bei Männern mit Migrationshintergrund im erwerbsfähigen Alter zeigen sich de facto keine Unterschiede zu den Wienern mit österreichischen Wurzeln: Zwischen 60 und 65 Prozent stehen in einer Beschäftigung. Anders sieht es bei den Frauen aus. Von jenen mit Migrationshintergrund, die einen Bildungsabschluss in Österreich haben, arbeiten nur 45 Prozent. Der Trend bei Frauen: Je mehr Migrationsmerkmale vorhanden sind (Sprache, Geburtsort, Herkunft der Eltern etc.), desto geringer ist die Beschäftigungsquote.

These: Migranten verrichten in Wien großteils nur Hilfsdienste.

Das stimmt großteils. Ein Grund dafür ist auch die mangelnde Anerkennung von Abschlüssen, die im Ausland gemacht wurden. Das führt zu dem Effekt, dass 43 Prozent jener Ausländer, die eine höhere oder mittlere Ausbildung besitzen, nur in Hilfsarbeiterjobs unterkommen.


These: Die Stadt Wien wirft den Ausländern die Staatsbürgerschaft nach.

Stimmt nicht. Bei Einbürgerungen gibt nicht die Stadt, sondern der Bund die Regeln vor. Und diese wurden in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Wurden 2003 noch 18.085 Menschen in Wien eingebürgert, waren es vor zwei Jahren nur noch 1745. Anders formuliert: 2010 erhielten nur 0,5 Prozent der ausländischen Staatsangehörigen die österreichische Staatsbürgerschaft. Es gibt also immer weniger Einbürgerungen, während die Zahl der Migranten steigt.


These: Migrantenkinder haben oft Probleme mit der deutschen Sprache.

Stimmt. Bei der Sprachstandserhebung 2010/2011 wurden 4,5- und 5,5-Jährige getestet, um festzustellen, ob sie fit für die Schule sind. Bei fast 40 Prozent wurde ein Förderbedarf festgestellt. Davon hatten 82 Prozent Deutsch nicht als Erstsprache. Bei den erwachsenen Migranten dagegen geben weniger als zehn Prozent an, dass sie Deutsch schlecht oder sehr schlecht sprechen. In anderen Worten: Mit Fördermaßnahmen holen die Kinder diese Defizite auf.


These: Migranten verdienen wenig, leben daher oft in Armut.

Stimmt. Die Herkunft entscheidet über das Haushaltseinkommen. Das zeigt der Monitor klar. Das Einkommen türkischer Haushalte ist um ein Drittel niedriger als der Durchschnitt der Wiener Haushalte. Die Ausbildung von Menschen aus Drittstaaten hat dabei keinen Einfluss auf das Einkommen. In anderen Worten: Migranten werden schlechter bezahlt als Österreicher – selbst migrantische Akademiker verdienen im selben Bereich weniger als Wiener Akademiker. Das jährliche Haushaltseinkommen ist bei Wienern zwischen 2006 und 2010 deutlich gestiegen (von 21.000 auf 24.200 Euro), bei Drittstaatsangehörigen ist das Einkommen auf rund 17.000 gesunken. Am niedrigsten sind die Einkommen mit 14.900 Euro in türkischen Haushalten.


These: Wohnungen für Migranten sind teurer und auch kleiner.

Stimmt. Wiener ohne Migrationshintergrund haben durchschnittlich 43 Quadratmeter als Wohnraum und zahlen rund 5,30 Euro/Quadratmeter Mieter. Mit Migrationshintergrund sind es im Schnitt nur 30 Quadratmeter, wofür sechs Euro/Quadratmeter zu bezahlen sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12. Oktober 2012)

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220 Kommentare
 
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Man muss...

...immer fragen: wie leben Menschen aus dem MUSLIMISCHEN Kulturkreis in Wien. Solange man diese Gruppe nicht getrennt betrachtet, kann man sich jede Studie sparen. Aber das ist halt nicht gewünscht.

Gast: Kneihsl M
13.10.2012 13:48
0 0

Wenn die 3 Herrn beschnitte wären

Würde sich in unserer Zuwanderer Stadt niemand aufregen.

Gast: Schmutt W
13.10.2012 13:46
1 0

Interessanter Artikel der Presse zum Thema

Neukölln: Bürgermeister Konsens-Sarrazin des Bezirks
12.10.2012 | 18:36 | Von unserem Korrespondenten KARL GAULHOFER (BERLIN) (Die Presse)

Gast: meill
13.10.2012 07:05
4 0

zukerr

wenn man 20.000 neue migrenten jährlich aufnimmt ist doch
zu erwarten, dass selbst für die schon intergrierten mit hintergrund usw. irgendwann k. jobs mehr gibt.
für blöde politik können die migranten nichts

2 0

Eine ziemlich dreiste Ansammlung von Lügen


weil´s nervt:

es gibt migration. wollt ihr nicht, ist aber so.

es gibt forschungsergebnisse zur migration. die gefallen euch nicht, sind aber so.

migration und die forschung dazu sind für österreich notwendig. wollt ihr nicht hören, ist aber so.

ob euch konservativlingen nun die demographiedaten passen oder nicht, ob ihr kopftücher sexy findet oder nicht, ob ihr deutsche, türken, kroaten oder sonstwen mögt oder nicht - IST VÖLLIG EGAL!

Re: weil´s nervt:

glaube keiner statistik die du nicht selber...
vorallem wenn man mit freiem auge das gegenteil täglich sieht.

Antworten Gast: Callisto
13.10.2012 08:34
1 2

Re: weil´s nervt:

Es wird Krieg geben.
Die oder wir.
Ausgang offen.

Re: weil´s nervt:

Nur kurz... Es gibt verschiedene Migrationsstudien, und unterschiedliche Ergebnisse (u.Schlussfolgerungen) u.a vom deutsche Demografischen Institut Uni Bamberg /Prof Birg (kann man umlegen 1.1 für Ö...) und die würden Ihnen u.div. Realitätsverweigerern schon gar nicht gefallen. Abgesehen von den Erfahrungen u.Erkenntnissen der meisten Bürger über diese Zustände ( u.Multikulturalismus Birmborium) in Ö...

Gast: E.T.
12.10.2012 21:09
14 0

99% der Zuwanderer sind freiwillig hier

Erstens geht es den meisten Zuwanderern nicht schlechter als im Heimatland, im Gegenteil, meistens um ein Vielfaches besser und zweitens, sind diese Menschen zum größten Teil freiwillig hier und können sich ja ein anderes Land suchen, wenn es Ihnen in Österreich nicht mehr gefallen sollte.

Also verstehe ich nicht diese ewigen Vorwürfe an das Aufnahmeland.


Migranten

wen interessiert das?

130 000 Mindestsicherungsbezieher in Wien...


....da brauch ich keine Schönwetter-Studie.


14 5

So geht es nicht....

Die Türkei muss Hilfstruppen schicken. Die hier können so Wien nicht erobern!

Re: So geht es nicht....

Oh doch, sie können. Es dauert nur etwas länger bis sie die Mehrheit sind. Dann bestimmen sie, was zu geschehen hat.

18 3

was kann schon herauskommen, wenn Frau Frauenberger untersuchen läßt?

sicher ist da keine Rede von den übervollen Gefängnissen, von dem Tunesier, der gestern verurteilt wurde, von dem Tunesier
Warum? Weil das Einzelfälle sind, im Häfen sitzen zig1000 Einzelfälle, statistisch unbedeutend

Ver(w)irrter Gast

Danke liebe Presse wenn man sich nicht einmal über ein Störrisch...es Kind äußern darf.
Warum das Kind wohl nicht mehr beim Standard postet?

Gast: Störrisch...
12.10.2012 15:28
4 13

Link...

...zu Angst vor Fremden aus Sicht eines Psychologen:

http://www.psychoanalyse-aktuell.de/politik/rassismus.html

Zitat daraus: "Meine Hauptthese lautet dementsprechend: übermäige Fremdenangst und Fremdenhass sind aus psychoanalytischer Sicht Produkte oder Symptome einer Störung des narzisstischen Regulationssystems, mit anderen Worten einer massiven Gefährdung oder Kränkung des Selbst- bzw. Selbstwertgefühls"

Nochmal an dieser Stelle - Mitgefühl (was die Betroffenen auch mit deren Eltern haben sollten, denn sie wussten es nicht besser!) & Gute Besserung!

Re: Link...

Abgesehen davon, dass die Psychoanalyse heftig umstritten ist (seit Jahrzehnten)...
sind Psycho Ferndiagnosen und Thesen hin od. her bestenfalls krampfhafte Argumentationskrücken.

Jedem das seine.

Antworten Gast: Wiener
12.10.2012 16:55
4 1

Re: Link...

Keine Angst - nur Haß und Zorn.
Und jetzt gehens wieder nachfragen zu einem der nur ein Psychologiestudium gepackt hat.

hass ist eine der möglichen folgeemotionen der unbewältigten angst.

interessant, dass sie jemand anderen wegen ihres problems zu einem experten schicken wollen. deckt sich andererseits mit ihrer lebenswelt.

20 1

Typisch

Presse, so hinbiegen bis es passt, und das nicht nur in Österreich, und solange, bis wir alle dran Glauben. Wird euch aber nicht gelingen. Es wird solange an der Statistik gedreht bis irgendwann die eigene Bevölkerung schuld ist.

Re: Typisch

ist auch überhaupt nicht auffällig mit Argumenten wie: Stimmt, stimmt nicht...

gemäß den daten der statistik austria gilt

für die türkische migrantengruppe - mit und ohne der österreichischen staatsbürgerschaft (die in vielen fällen erschwindelt wurde - weil vorraussetzungen nicht erfüllt wurden):
erwerbstätigenquote: letzter platz
bildung: letzter platz
erwerb der landessprache: letzter platz
lohnniveau: letzter platz
- daraus resultierende steuerleistung: kaum/keine (wer nicht lohnsteuerpflichtig ist zahlt auch nix)
verschuldungsrate: höchste
arbeitslosenrate: höchste

dafür aber

inanspruchnahme der sozialmedizinschen versorgung: bei praktischem az´rzt, orthopädie und krankenhausaufenthalt - führend (noch vor österreichern)
identifizeirung mit österreich (aus freien stücken neuen gewählten heimat): zu ca. 70% nicht /kaum vorhanden.

kann mir bitte mal jemand vorrechnen wie sich das alles unterm strich positiv ausgehen soll?
wo ist hier die bereicherung?

in dänemark hat man die belastung durch muslimische zuzug mit ca. EUR 1 mrd berechnet.

wird in wien /österreich nicht anders sein.

gute nacht österreich - und herzlichen dank an alle politiker die das zugelassen haben.
.

2 0

Re: gemäß den daten der statistik austria gilt

Ihr Kommentar bringt dieses Thema auf den Punkt. Bravo .

Ob das auch der "Herr Integrationsminister" zur Kenntnis nimmt?

interessant, wenn es denn wahr wäre.

quelle bitte.

Antworten Gast: Störrisch...
12.10.2012 15:05
3 15

Aha...

...der Artikel wurmt Sie also - weil sich so Ihre heiss-geliebten Vorurteile nicht ausgehen?

Pöse Presse...macht bei Ihrem Selbst-Betrug nicht mit!

 
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