Die Chefetage der Wiener Polizei wird auch in den nächsten Jahren an der Adresse Schottenring 7-9 residieren. Pläne, mehrere zentrale Abteilungen in die ehemalige Finanzschule in Wien-Erdberg zu transferieren und damit mittelfristig den Standort auf dem Schottenring aufzugeben, sollen nun zu Grabe getragen worden sein. Das habe in erster Linie finanzielle Gründe, wird polizeiintern argumentiert.
Im Sommer ist noch spekuliert worden, im dritten Bezirk könnte ein neuer „Polizei-Cluster“ entstehen. In der Rennwegkaserne befindet sich bereits das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Eine gute Verkehrsanbindung mit U3 und Tangente wäre dort jedenfalls gegeben gewesen. Das Gebäude auf dem Schottenring indes muss in den kommenden Jahren Modernisierungen unterzogen werden. Vor Kurzem wurde am Haupteingang auf dem Ring eine moderne Sicherheitsschleuse errichtet. Hohe Beamte berichten, dass Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl das Immobilienthema seit Herbst zur Chefsache erklärt hat. Öffentliche Äußerungen dazu würden nicht gern gesehen, heißt es. Im Hintergrund würde aber nach wie vor sondiert, ob es in Wien ein geeignetes Gebäude als Ersatz für den Schottenring gebe, berichten Eingeweihte.
Unterdessen hat sich die neu gegründete Bereitschaftseinheit im Amtsgebäude auf dem Josef-Holaubek-Platz in Wien-Alsergrund eingerichtet. Ursprünglich war auch in Erwägung gezogen worden, die Truppe in die Rossauer- oder Marokkanerkaserne einzuquartieren. Letzteres wäre eine Option gewesen, falls die Polizeischule aus der Marokkanerkaserne nach Erdberg umgezogen wäre. Das scheint nun aber auch in weite Ferne gerückt. Das Gebäude auf dem Josef-Holaubek-Platz, in dem auch das Bundeskriminalamt untergebracht ist, muss ebenfalls bereits laufend Sanierungen unterzogen werden.
Zudem sind derzeit sowohl aus dem Bundeskriminalamt wie auch aus Wiener Kommissariaten und Inspektionen zahlreiche Klagen über die veraltete Büroeinrichtung zu hören. So berichten etwa freiheitliche Personalvertreter, dass in Inspektionen des dritten Bezirks besonders viele desolate Drehsessel erneuert werden müssten – ein Antrag auf den Austausch von 18 Sesseln aber kürzlich abgelehnt worden sei. Die Kosten dafür hätten knapp 900 Euro betragen. Es sei zum „Fremdschämen“, die „kleinen Polizisten“ seien der Polizeiführung „wurscht“, schäumt ein FP-Gewerkschafter. Nun wurde zu diesem Thema sogar eine parlamentarische Anfrage angekündigt. Möglicherweise wird darin auch auf jenen Besucher verwiesen, der vor einigen Monaten in einer Inspektion auf einem nicht sofort als kaputt zu erkennenden Drehsessel Platz genommen hatte – und mit ihm zusammengebrochen ist.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)
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