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Kontrollamt: Sanierungs-Fiasko im Wiener Stadthallenbad

31.10.2012 | 14:25 |   (DiePresse.com)

Der Bauablauf sei "nicht strukturiert", das Projektteam überfordert gewesen. Die Wiedereröffnung des Bads ist in weite Ferne gerückt.

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Jetzt ist es amtlich: Die Sanierung des Wiener Stadthallenbades hat "keinen wünschenswerten Verlauf" genommen. So lautet das Resümee des Kontrollamtes, das die Geschehnisse rund um das umstrittene Bauvorhaben genau unter die Lupe genommen hat. In einem umfangreichen Prüfbericht wird ein regelrechtes Fiasko geschildert: So wurde im Vorfeld der Zustand des Bads nur ungenau erhoben und der Bauablauf verlief angesichts eines offenbar überforderten Projektteams "nicht strukturiert", wie es hieß.

Klar ist nun auch, dass die Wiedereröffnung der in den Jahren 1972 bis 1974 vom Architekten Roland Rainer errichteten Freizeit- und Sporteinrichtung in den Sternen steht. Einen Termin dafür gibt es noch nicht, wie auch die neue Stadthallenführung in dem Bericht betont. Apropos Führung: Jene Manager, welche die desaströse Sanierung in die Wege geleitet haben, sind bereits in Pension.

Baustopp war "richtige Entscheidung"

Die Entscheidung einen Baustopp zu verhängen und eine gerichtliche Beweissicherung zu veranlassen, sei richtig gewesen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung des zur Wien-Holding gehörenden Stadthalle. Man werde über zivilrechtliche Schritte nachdenken, sobald die Befunde vorliegen.

Die Vorgangsweise solle gewährleisten, dass die Sanierung korrekt abgewickelt werde und der Bevölkerung ein komplett saniertes Bad zur Verfügung stehe: "Denn nach wie vor gilt, dass die Wiener Stadthalle als Bauherr das Stadthallenbad nur dann übernehmen wird, wenn es, wie vertraglich vereinbart, generalsaniert und ordnungsgemäß funktionsfähig von den Auftragnehmern übergeben wird." Baustopp und Beweissicherung wurden im Jänner 2012 angeordnet.

Schäden erst beim Bau aufgefallen

Das Kontrollamt ortete eine Reihe von "grundsätzlichen Fehlern" in der Projektvorbereitung. Denn genau geprüft wurde die Bausubstanz des Stadthallenbads anscheinend nicht wirklich. "So hat sich das Projektteam mit einer bloßen Sichtkontrolle zur Eruierung des Schadensgrades begnügt und auf eine invasive Zustandserfassung und Zustandsbeurteilung verzichtet", heißt es im Bericht. Zahlreiche Schadensbilder seien darum erst im Verlauf der Bauabwicklung erkannt worden.

Die Stadthalle verteidigt in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme das Vorgehen: Bei tiefergehenden Untersuchungen hätte das Bad für mehrere Monate gesperrt werden müssen - "wenn nicht sogar länger". Während der (2008 begonnenen, Anm.) Vorarbeiten sei eine Schließung jedoch nicht geplant gewesen. Man habe übrigens ein Planungsbüro mit der Tätigkeit beauftragt, das über eine umfangreiche Erfahrung im Hallenbadbau verfüge, wurde versichert.

Projektziel "nicht klar definiert"

Allerdings: Für die Durchführung der Arbeiten selbst wurde dann eine Firma ausgewählt, die laut Kontrollamt über keine einschlägige Expertise verfügt. Die Zuschlagsentscheidung durch die Stadthalle sei "somit nicht nachvollziehbar". Und auch die Entscheidung für die Bauaufsicht stieß bei den städtischen Prüfern auf Staunen. Denn laut Firmenbuch war der damalige technische Direktor der Stadthalle Geschäftsführer einer Firma, bei der das zum Zug gekommene Ziviltechnikerbüro Gesellschafter war.

Eher ungewöhnlich soll auch das Projektmanagement ausgefallen sein. Das Projektziel sei "nicht klar definiert" gewesen, der Sanierungsumfang nicht exakt abgegrenzt. Eine "konsequente Anwendung der Methoden des Projektmanagements" sei nicht zu erkennen gewesen, hieß es.

Zu späte Erkenntnis

Auch zeigte sich, wie dringend genaue Vorerhebungen gewesen wären. Erst im Jänner 2012 habe der Generalplaner etwa eine Ursache der Undichtheit der Dachkonstruktion erkannt. Frühere Sanierungen hätten sich als mangelhaft herausgestellt. Die Firma erachtete eine tiefer gehende Bestandsanalyse als erforderlich. Kommentar der Prüfer: "Nach Meinung des Kontrollamtes kam die Erkenntnis (...) um Jahre zu spät."

Dabei wurden keineswegs nur - zumindest für das Projektteam überraschende - Schäden entdeckt. Auf so manche Erfordernisse wurde anscheinend ganz einfach vergessen. Zum Beispiel: "Erst Ende Jänner 2011, acht Monate nach Baubeginn, wurde daran gedacht, die Schwimmsport und Wassersporttauglichkeit der Anzeigetafeln unter Berücksichtigung des FINA-Reglements (des internationalen Schwimmverbands, Anm.) zu überprüfen, um entscheiden zu können, ob diese weiter verwendbar und adaptiert oder erneuert werden müssen."

Nachträgliche Duschen-Umplanung

Im Mai 2011, also ein Jahr nach Baubeginn, hat die Stadthalle dann auch die Meinung vertreten, dass zu wenige Duschen im Garderobenbereich vorhanden sind. Die geforderte Erhöhung der Anzahl zog Mehrkosten nach sich. Wobei dies eine Kleinigkeit ist im Vergleich zum wirklich großen Problem: Der Undichtheit an drei Becken, darunter das große Sportbecken. "Bis zum Abschluss der gegenständlichen Prüfung im Mai 2012 gelang es nicht, die tatsächlichen Ursachen der Undichtheiten an den drei Becken zu eruieren." Laut Stadthalle sind die entsprechenden Erhebungen noch im Gange.

Sogar gefährlich wurde es übrigens Ende März 2012 - als sich ein neuer Fliesenmosaik-Belag im Eingangsbereich auf einer Fläche von rund eineinhalb Quadratmetern von der Wand löste. Er stürzte auf den darunter befindlichen Stiegenabgang zum Trainingsbecken. Verletzt wurde niemand, da aufgrund des Baustopps und des Beweissicherungsverfahrens ohnehin keine Arbeiter auf der Baustelle anwesend waren. Die Überprüfung der restlichen Fliesenflächen ergab laut Kontrollamt, dass auch an anderen Stellen die Verarbeitung mangelhaft ist.

Auf Generalplaner verlassen

Die Stadthalle bestätigte, dass der Zeitdruck groß war: "Der Zeitrahmen für die Generalsanierung war zum einem darauf abzustimmen, ab welchem Zeitpunkt eine alternative Trainingsmöglichkeit für den Profischwimmsport (Traglufthalle im Stadionbad, Anm.) bereit steht. Zum anderen sollte die Generalsanierung bis zum Trainingsbeginn für die Europameisterschaft 2012 abgeschlossen sein." Darum sei lediglich ein Zeitplan von 17 Monaten zur Verfügung gestanden.

Die Stadthalle habe sich auf Angaben des Projektteams verlassen: "Mit der Erstellung des Terminplans und der Überprüfung der Machbarkeit war der Generalplaner beauftragt. Der Terminplan wurde vom Generalplaner zwar als ehrgeizig aber machbar und realisierbar eingestuft."

Probe-Befüllungen

Der augenscheinlichste Mangel wird derzeit intensiv untersucht: Seit Ende September werden die Becken laut Stadthalle probeweise befüllt. Gleichzeitig wird geprüft, ob die umliegende Beton- und Stahlkonstruktion durch eventuell eingedrungenes Chlorwasser beschädigt wurde. Die Ergebnisse der Tests werden frühestens im Dezember vorliegen, hieß es.

Die Wiener Stadthalle ersuchte am Mittwoch um Verständnis, dass weitere Details zur gerichtlichen Beweissicherung noch nicht bekanntgegeben werden können - "da einerseits die anhängigen Verfahren noch nicht abgeschlossen sind und andererseits die Ergebnisse der Beweissicherung für möglicherweise nachfolgende zivilgerichtliche Verfahren - insbesondere Gewährleistungs- und Schadenersatzprozesse relevant sein können", wie versichert wurde.

(APA)

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36 Kommentare
 
12
Gast: Martin_S
02.11.2012 20:39
1 0

aber

natürlich ist eine "Verstaatlichung" von Unternehmen die einzige wahre wohltat für alle! Private UNternehmen? Pfui gaga! Besser: Magistrate, SPÖ-Hint-Herum-Firmen, Stadt Wien... SO ISTS doch VIEEEEEL besser!

Korruption

Obwohl die SPÖ ein Synonym für Unfähigkeit, Korruption und mafiöse Strukturen ist, werden die Wiener sie wieder wählen - weil (zu!) viele Teil dieses ungustösen Systems sind und sich dadurch Vorteile verschaffen.
Vorteile, die von *allen* finanziert werden aber nur an Parteigünstlinge verteilt werden.

2 0

"Die beiden Manager der Stadthalle, die das Sanierungsfiasko in die Wege geleitet haben, sind übrigens bereits in Pension..." Egal, klagen klagen klagen und sogar derer Pension wegnehmen!!!

In de USA wäre das kein Problem, doch wir sind in Österreich, und ein Beamter ist ein Beamter... ER darf pfuschen so viel er will, sich privat bereichern, und und und, passieren wird en nix!!! DAS wissen wir schon, und bis dorthin gehen wir alle woanders schwimmen. Kein Problem!!!

8 0

danke spö

Danke gruene

Re: danke spö

Das war doch klar. Es gibt in Wien und Umgebung keinen Bau in den letzten 50 Jahren, der nicht durch Korruption, Betrug, falsche Planung und beträchtliche Mehrkosten, stattgefunden hat. Genau, Danke SPÖ und jetzt auch Grüne

Die beiden Manager der Stadthalle, die das Sanierungsfiasko in die Wege geleitet haben, sind übrigens bereits in Pension.

frage an herrn stadtrat

amueige, amtsverlust oder froehliches verblasen der pensi

frage 2
warum werden immer vollidis mit rueckkehrrecht ind oe beamtenpensi aquiriert?
erst managergehalt, abfertigung u nach versagen beamtenpensi?

putzig

wie sich die alten und neuen politika abputzn

doch haben soe soch doch so en unqualifiziertes management herangezuechtet....

Gast: Helmut Holec, Baua am Hof
01.11.2012 22:09
10 0

Stadthallenbad: Auf Kontrollen verzichtet.....

...UND WO BITTE IST JETZT DIE JUSTIZ???

be.es: man hat schön langsam den Eindruck, dass man sich in GEWISSER HÖHE denkt, ist eh Wurscht, ist eh NUR Geld der Steuerzahler, gibt eh keinen richtigen Schaden....WAS IST DA LOS???

patschert

"Die Wahl der Bauaufsicht sorgte beim Kontrollamt jedenfalls für Staunen. Laut Firmenbuch war der damalige technische Direktor der Stadthalle Geschäftsführer einer Firma, bei der das zum Zug gekommene Ziviltechnikerbüro Gesellschafter war. "

Sehr ungeschickt. Normalerweise schaltet man da einfach eine Stiftung dazwischen und kein Mensch kennt sich mehr aus.

Siehe Gewista (Werbeplakatflächen), die von der SPÖ Wien kontrolliert werden.

Einsperren..

und verhaften ist angesagt - oder besser noch: die Pensionen der Verbrecher pfänden bis zum Lebensende.
Es ist ja in Österreich üblich, dass jeder irgendwie ein Scheibchen mitschneidet. Das wäre ja auch in Ordnung wenn jeder seine Arbeit tritzdem ernst nehmen würde.

Gast: Redman
01.11.2012 07:47
9 0

Kontrollamt

Und wo war das Kontrollamt und der verantwortliche Kontrollamtsdirektor während der Projektabwicklung?

4 0

Re: Kontrollamt

Da war das rote "do not disturb"-Schild an der Tür, das ein sofortiges Karriereende bei Nichtbeachtung garantiert. Aber irgendwann wird es irgendwem dann doch zuviel, trotz aller Widrigkeiten.

19 0

Ich verstehe nicht

Vor 40 Jahren konnten die Errichter das Bad mit Fliesen und ohne Hightech beim ersten Mal dicht bekommen.
40 Jahre später ist das so ein Problem.

Das Bad war ja bis zu seiner "Renovierung" dicht. Zumindest dichter, als die Leute, die heutzuage daran beteilgt sind.

Oder stellen die sich nur so dumm an, damit sie mehr verdienen? Würde ja der österreichischen Trasdition entsprechen (AKH, Skylink, Hauptbahnhof,...)

Gast: Martin_S
31.10.2012 22:10
10 0

Tja, und da

verteufeln alle den "Neoliberalismus" und finden es gut, wenn alles Mögliche "verstaatlicht" ist. Wozu das führt, sieht man ja. Oder zB die diversen Wasserrohrbrüche... Oder die immer wiederkehrenden U-Bahn-Ausfälle.. Also, WO GENAU ist der "Staat" (Stadt Wien) BESSER als eine private Firma ?????

2 0

Re: Tja, und da

Infrastruktur gehört in staatliche Hand als Dienstleistung am Staatsbürger. Ob das Stadthallenbad dazugehört, ist eine andere Diskussion, meiner Meinung nach: nein. Außer Frage steht jedoch, daß über staatlichen Betrieben Kontrollorgane stehen müssen, die parteiunabhängig und mit ausreichend Kompentenzen ausgestattet sein müssen, Mißbrauch sofort zu beenden und zu ahnden. Das ist in Österreich nicht der Fall. Der Rechnungshof scheint integer, ist aber ein zahnloser Tiger.

Re: Tja, und da

BRAVO!

Gast: vom wasser haben wirs gelernt
31.10.2012 18:46
13 0

und wann gedenken die genossen,

das bad wieder in einen gebrauchsfähigen zustand zu versetzen?

3 0

Re: und wann gedenken die genossen,

Sobald die Zahnlücke baden will.

Antworten Gast: ärmlich, erbärmlich-därmlich
01.11.2012 22:03
2 0

Re: und wann gedenken die genossen,

Hat uns doch der Oxonitsch längst wissen lassen: Des kounn noch anige Jährchen dauern. Und wenn´s mit dem Bad nix mehr wird-is aa wurscht. Vielleicht wird der sogar amoi noch Burgamasta?-I traus eahna zua, die Gfrasta…

11 0

die übliche

Wiener Magistrats-Effizienz.

Gast: fünfhauser badewaschel
31.10.2012 16:21
12 0

da werden sauteure "expertenkommissionen" eingesetzt

obwohl selbst der einfachste badewaschel weiss, dass das ganze ein mordstrumm pfusch war. die frage ist: wer repariert eigentlich das ganze? wer das zahlt, ist ja schon bekannt: der kleine steuerzahler.

0 0

zuschütten - ist die billigste und einfachste variante.

zu brauchen ists ohnedies nicht mehr, und es wäre eine frechheit, das ganze noch einmal zu sanieren (auf kosten der steuerzahler & mit nochmaligem ungewissen ausgang).

25 0

Die Korruptsäcke der SPÖ


Jahrzehntelange Übung im Einsacken von Steuergeldern haben die roten Korruptsäcke in Wien. Ein Häufen Unfähiger, die sich selbst und ihren befreundeten Firmen immer wieder neue Steuer-Millionen zuschanzen.

Die Katastrophe für den Staat und die Stadt ist jedoch die Justiz, die offenbar nur aus parteien-hörigen, korrupten Karrierehengsten besteht.

In Chikago sitzen die letzten drei Bürgermeister wenigstens hinter Gittern; dort funktioniert die Justiz noch halbwegs. Aber Vorbild für unseren Veltliner-Korrupt-Kaiser ist offenbar St. Petersburg und Moskau.

Freundschaft Genossen; wuascht

Und wer hat es verbrochen? Die SPÖ.

Danke, keine weiteren Fragen.

Gast: Plach2
31.10.2012 14:28
21 0

Wien verdient nichts anderes!

Wien hat sich diese Typen selbst gewählt.
(Wie immer in solchen politischen Systemen ist niemand verantwortlich)

Gast: Franz56
31.10.2012 14:27
18 0

Wie beim Putin, China oder einmal in der DDR

Vom AKH bis zum Flughafen und nun auch noch das Stadthallenbad.....

Diese überheblichen Parteibonzen können nicht einmal ein Schwimmbad bauen.... Ihre einzige Qualifikation ist das richtige Parteibuch.

Zahlt ja ohnehin immer wieder alles der Steuerzahler. Zum Dank wählen die Wiener diese Typen auch noch immer wieder.

Unser tiefrotes Staatsfernsehen beschönigt dieses Fiasko auch noch. Davon kann sogar der Putin noch einiges lernen.

 
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