Wien/stu/win. Ob es jemals wieder aufsperren wird? Es sieht nicht gut aus für das Wiener Stadthallenbad, ein Termin für eine Wiedereröffnung ist in weiter Ferne. Und wie viel Geld noch in das Projekt gesteckt werden muss, ist ebenso offen. Immerhin, nun ist wenigstens amtlich, was ohnehin schon jeder geahnt hat, der die Geschichte der Sanierung mitverfolgt hat: Die Arbeiten haben „keinen wünschenswerten Verlauf“ genommen.
Das ist die lakonische Umschreibung, die das Kontrollamt in seinem aktuellen Bericht gewählt hat. Den Ursprung der Probleme orten die Prüfer schon im Mai 2008 – damals wurde ein Planer beauftragt, die Beschädigungen des Stadthallenbades zu erheben. Gefunden wurden sicherheitstechnische Mängel, unzählige Bauschäden, defekte Schwimmbecken. Und das nur durch Sichtkontrollen.
Schäden blieben verborgen
Und obwohl schon auf den ersten Blick der katastrophale Zustand absehbar war, verzichtete die Stadthallenführung auf genauere Untersuchungen wie eine Entnahme von Materialproben oder Laborprüfungen an der Bausubstanz. Das wahre Ausmaß der Schäden blieb so verborgen. Eine laut Kontrollamt schwer nachvollziehbare Entscheidung, die sich entsprechend rächen sollte: Erst bei der Sanierung stellte sich das wahre Ausmaß der Schäden heraus. Mit dem Ergebnis, dass sich das Bad zunehmend zum Millionengrab entwickelt.
Heftige Kritik richtet das Kontrollamt auch gegen den zuständigen Generalplaner. Dieser wurde von der Stadthalle verpflichtet, weitere Untersuchungen vorzunehmen, sofern er solche für notwendig erachtet. Trotz der massiven Bauschäden an der Oberfläche verzichtete er aber darauf.
Den Bauzustand bzw. den Schadensgrad im Vorfeld von Sanierungsmaßnahmen so exakt wie möglich zu ermitteln, sei übliche Praxis, kritisiert das Kontrollamt. Weder Stadthalle noch Generalplaner hatten demnach die geringste Ahnung, was bei der Sanierung auf sie zukommen würde.
Der Grund für die unprofessionelle Vorbereitung: Für eine genaue Erhebung der Schäden hätte das Stadthallenbad, das zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb war, mehrere Monate gesperrt werden müssen. Das wollte die Stadthalle vermeiden. In ihrer Stellungnahme gegenüber dem Kontrollamt betont sie, das Ziel war, den Badebetrieb nicht zu beeinträchtigen. Die Stadthalle sicherte sich damit ab, dass der Generalplaner ja jederzeit tiefer gehende Untersuchungen machen könnte, sollte er sie für notwendig erachten. Die blieben allerdings aus – obwohl das Bundesdenkmalamt in seinem Bescheid vom 20. Mai 2010 festgehalten hat: Für die Sanierungsarbeiten der bauhistorischen Substanz muss eine tiefer greifende Untersuchung stattfinden. Grund für die fehlenden Untersuchungen dürfte auch Zeitdruck gewesen sein. Die Generalsanierung sollte bis zum Trainingsbeginn für die Europameisterschaft 2012 abgeschlossen sein.
Mit Bauaufsicht verbandelt
Die Wahl der Bauaufsicht sorgte beim Kontrollamt jedenfalls für Staunen. Laut Firmenbuch war der damalige technische Direktor der Stadthalle Geschäftsführer einer Firma, bei der das zum Zug gekommene Ziviltechnikerbüro Gesellschafter war. Die beiden Manager der Stadthalle, die das Sanierungsfiasko in die Wege geleitet haben, sind übrigens bereits in Pension.
Die ÖVP kündigte nun an, eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einzubringen und eine Sondersitzung des Gemeinderates zu beantragen. „Nicht nachvollziehbar“ nannte FP-Gemeinderat Dietbert Kowarik jüngste Angaben der Stadt, wonach das Sanierungsbudget 16,4 Mio. Euro betragen würde, während das Kontrollamt 18,26 Mio. festgestellt hatte. Im Büro des zuständigen Stadtrats Christian Oxonitsch (SP) rechtfertigt man die Angaben mit unterschiedlichen Informationen. Oxonitsch hätte von der Stadthalle „anerkannte Projektkosten“ genannt bekommen. Das Kontrollamt hatte sich auf „prognostizierte Kosten“ der Generalplanung bezogen. Als Konsequenz denkt Oxonitsch über eine eigene „Bauabteilung“ im Sportamt nach, die Bauten besser kontrollieren soll.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)
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