Wie viel Kinderlärm ist Wien zumutbar?

16.11.2012 | 18:30 |  DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Beschwerden gegen Kinderlärm im Kindergarten und im privaten Wohnbereich sollen per Gesetz untersagt werden, fordert der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid.

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Wien. Das Kind hat Zahnschmerzen und weint. Laut. Die Zahnschmerzen hören auch nach 22Uhr nicht auf, wenn Nachtruhe geboten ist. Das wiederum stört den Nachbarn. Er ruft die Polizei. Beschwert er sich zu Recht? Wenn es nach dem Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid geht: Nein.

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Im Gespräch mit der „Presse“ fordert Schmid mit Blick auf den Weltkindertag am 20.November, dass Kinderlärm nicht als Lärmbelästigung gelten dürfe. Diese Ausnahme soll sowohl im Bundesgesetz als auch in den Landesgesetzen festgehalten werden. Auslöser für Schmids Vorstoß ist der Fall rund um einen privat betriebenen Montessori-Kindergarten in Wien Donaustadt. Ein Nachbar zog vor Gericht und klagte auf Unterlassung: Der Kindergartenlärm gehe über das erträgliche Maß hinaus. Das Landesgericht hat die Klage abgewiesen. Das sei zwar erfreulich, sagt Schmid, aber alleine die Tatsache, dass Anrainer wegen Kinderlärm vor Gericht gehen können, sei „eine Schande für die Republik Österreich“.

 

Deutschland: Strengere Gesetze

Zumal das Verfahren zwei Jahre gedauert habe – und hätte der Kläger Erfolg gehabt, hätte der Kindergarten die finanzielle Belastung kaum überlebt. Soweit ist es zwar nicht gekommen, aber der Kindergarten ist inzwischen umgezogen. „Es gibt mehrere Möglichkeiten für Veränderungen“, sagt Schmid. Er schlägt vor, dass im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) verankert werden soll, dass Beschwerden über Kinderlärm nicht zulässig sind. Konkret würde das den Paragrafen 364 betreffen, wonach nach Artikel 2 der Eigentümer eines Grundstückes seinem Nachbarn Belästigungen durch Abwässer, Geruch oder auch Geräusch untersagen kann, „als sie das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten“.

Kinderlärm, so Schmid, solle hiervon ausgenommen werden. Als Beispiel nennt er das deutsche Bundes-Immissionsschutzgesetz; dort ist seit Kurzem festgehalten, dass Geräusche, die von Kindern in Kindergärten oder auf Spielplätzen hervorgerufen werden, „im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung“ sind, ein gerichtliches Vorgehen also kaum möglich ist.

Auch in den Landesgesetzen soll die Ausnahme verankert werden. In Wien habe sich Schmid öfter an die Behörden gewandt und gesagt bekommen, dass eine Änderung in der Wiener Bauordnung möglich sein könne. Allerdings liege die nächste Bauordnungsnovelle noch in der Schublade.

Schmid werde auch mit vielen Beschwerden im privaten Wohnumfeld konfrontiert. Eine Tagesmutter etwa habe vom Vermieter einen Brief bekommen, sie kündigen zu wollen, wenn der Kinderlärm nicht reduziert werde. Auch in den Hausordnungen ist Kinderlärm nicht explizit erwähnt – bis auf einige Ausnahmen. In der Hausordnung von „Wiener Wohnen“ etwa ist festgehalten, dass das Ruhebedürfnis erwachsener Hausbewohner dem Bedürfnis der Kinder nach Spiel und Bewegung gleichzusetzen sei. Diese Erwähnung würde Schmid gern auch in privaten Gebäuden hängen sehen.

Gern sehen würde er auch eine Briefwurfsendung von Bürgermeister Michael Häupl. In München hat Oberbürgermeister Christian Ude mit einer Broschüre die Haushalte darüber informiert, dass Kinder Recht auf Spiel und Bewegung haben – und die Bevölkerung zu mehr Toleranz aufgerufen.

Auf einen Blick

In Österreich wurden 2011 rund 320.000Kinder in Krippen, Kindergärten und Horten betreut, vor rund 40Jahren waren es 150.000. Die Zahl der Betreuungsstätten ist von 2600 auf 8050 gestiegen.

In Wien werden derzeit 81.121Kinder betreut. Vor zehn Jahren waren es 64.000, vor 20Jahren 54.000. Für 3- bis 6-Jährige gibt es heute mehr Betreuungsplätze als Kinder, bei Unter-Dreijährigen beträgt die Quote 30,9%. Der Großteil der Wiener Kinder (58%) besucht eine private Einrichtung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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    Palaiskindergarten / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) Das Erzbischöfliche Palais wird von 20 Kindern belebt. Eine familiäre Betreuungseinrichtung – mit prominenten Besuchern. Kardinal Schönborn selbst schaut regelmäßig bei „seinen“ Kindern vorbei.

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109 Kommentare
 
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Fände ich gut ...

zusätzlich sollte man vielleicht noch vorsehen, dass diese Widerlinge, die sich über spielende Kinder aufregen mal psychiatrisch untersucht und gegebenenfalls gleich stationär aufgenommen werden.

Störungstechniker

Ich arbeite als Störungstechniker und bin für viele Hausverwaltungen unterwegs. Man kann sich gar nicht vorstellen, worüber sich die Leute aufregen können.

Da wird gelogen, sich gegenseitig die Schuld zugeschoben, meine Aussagen dazu benutzt um (verdreht und komplett aus dem Zusammenhang gerissen) bei der Hausverwaltung gegen diese zu wettern.

Das Ganglicht brennt zu kurz. Ich erreiche im Dunklen meine Wohnungstür - Das Ganglicht brennt zu LANG! Wir zahlen ohnehin soviel Betriebskosten - Warum brennen auch so viele Leuchten? Da soll man jede zweite rausdrehen! SPAREN! - Warum ist es hier so dunkel? Die ich hab das schon 30 mal bei der Hausverwaltung gemeldet! UNFÄHIG! - Also ich sag Ihnen das Ganglicht blendet mich! Ich kann nicht schlafen! FRECHHEIT!

Das ist der harmlose und lustige Klassiker!

Nach einem langen Arbeitstag in diversen Wohnhausanlagen hat meine Frau zuhause öfters den Satz hier von mir zu hören bekommen: " Da is wieder zugegangen! Ärger ois im Kindergoatn!"

Unsinn!

Das Recht des einen endet am Recht des anderen. Anwohner haben auch ein Recht auf Ruhe, z.B. die Krankenschwester im Schichtdienst. Zu erwähnen ist noch, daß die Rundbriefaktion des Herrn Ude zu recht unwirschen Reaktionen geführt hat, die zu dem Ergebnis kamen, daß man den Kindern zuerst einmal Disziplin beibringen sollte, damit man ihnen dann auch Rechte gewähren kann.

kinderlärm?

jeder war mal kind.

Re: kinderlärm?

Das ist korrekt. als ich Kind war, hat meine Mutter mich aber Rücksichtnahme gelehrt. Das führte dazu, dass die Nachbarn auch geduldig waren, wenn es hin und wieder doch kurzfristig lauter war!

Wo sollen sich Kinder noch austoben?

bin in Wien aufgewachsen und meine Eltern hatten damals (bin jetzt 38) schon Probleme mit unseren älteren Mitbürgern. DAs ging soweit, dass der Spielplatz im Innenhof von allen Leuten mt Kindern gemieden wurde. es saßen nur die "Hofgatschen" dort und warteten, worüber sie sich wieder beschweren konnten. Mittlerweile habe ich selber 2 Kinder und wohne Gott sei dank nicht mehr in Wien. War letzte Woche zufällig wieder in meiner alten Wohngegend und habe gesehen, dass im Park Fußballspielen verboten ist. und der Käfig, in dem wir frühe kickten, ist mit Baracken verbaut. de andere wegen Lärmbelästigung zugesperrt. Nur wo bitte sollen die Kinder sich dann noch austoben? Meine 2 brauchen ihr tägliches Pensum an Bewegung. wenn sie es nicht bekommen, sind sie unausstehlich. Dann lärmen sie erst so richtig.

Re: Wo sollen sich Kinder noch austoben?

kinder, die sich "austoben" müssen, sind krank und gehören in eine nervenklinik.

Re: Re: Wo sollen sich Kinder noch austoben?

ich kann nur hoffen, dass dies sarkastisch gemeint ist. ansonsten muss ich annehmen, dass sie leider krank sind.

Re: Re: Re: Wo sollen sich Kinder noch austoben?

da bleibt nur zu hoffen dass auch der nick der person sarkastisch gemeint ist sonst wär dieser kommentar ja wirklich ernst - was man von einem vernunftbegabten wesen aber hoffentlich nicht erwarten kann

...

normaler lärm spielender kinder - ist ok. sogar richtig! dass heisst nämlich dass die kinder nicht vorm computer, fernseher, nintendo oder playstation sitzen..
aber lärm ist nicht gleich lärm. unnötiges herumschreien, vlt sogar sand oder steine werfen, volle lautstärke beim musik hören und offenem fenster geht gar nicht. aber normale geräusche die von einem kinderspielplatz kommen sind vollkommen ok.

Re: ...

vollkommen richtig. es ist viel zu still. die kinder sitzen zu viel, und das schon in sehr jungen jahren, vor den stillhalte-zum-idioten-und-ja-sager-blechtrotteln.

die wiener sind schon ein

komisches volk. zuerst wollens keine kinder, alles wird reguliert durch gesetze und dann brauchens einwanderer um ihre pensionen zu zahlen, auf sie aufpassen wenns dann zu senil sind und laermend durch die wohnungen gehen, den fernseher auf volle tube aufgedrehen weil's nix mehr hoeren aber regen sich dann ueber andere auf. links und oben von mir wohnen familien mit kindern und ja da ist es oft laut. gerade wo das neugeborene ist mitten in der nacht. rechts von mir lebt ein pensionistenpaar beide ueber 70, der fernseher lauft so laut, als waere er in meinem zimmer. habe mich nie aufgeregt, denn jetzt habe ich selber kinder und irgendwann bin ich ein 70 jaehriger der einen zu lauten fernseher hat. der einzige depp ist der nachbar gegenueber der sich staendig beschwert aber bei seinen grillfesten am balkon auch nicht der stillste ist. wenn er und seine frau uni-dr. ohne kinder mit 80 bei der falschen tuere sturm leuten mal schauen freundlich die leute dann reagieren.

Re: die wiener sind schon ein

"Die Wiener" - finde nicht, dass man generalisieren sollte.

OT:

"Einwanderung als Pensionssicherung" - sollte inzwischen als ein von der Wirtschaft und der von ihr kontrollierten Politik wie Medien verbreiteter Mythos erkannt sein. Nur jene, die immer noch ans Dogma des unbegrenzten Wachstums glauben, nehmen das ernst.

Ich bin nicht gegen Zuwanderung- aber für qualifizierte, an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes und den Bedürfnissen des Kleinstaats Österreich orientierte Zuwanderung.

Re: die wiener sind schon ein

nicht die wiener brauchen einwanderer sondern die spö braucht wähler.

Wie wäre es, wenn man einen Menschen mit Schmerzen zum Arzt oder ins Spital bringt?

Oderdarf man heutzutage Kinder mit Blinddarmentzündung oder Beinbruch zuhause vor sichhin leiden lassen?

Re: Wie wäre es, wenn man einen Menschen mit Schmerzen zum Arzt oder ins Spital bringt?

Mein Sohn hat sich gerade gestern so angehaut, dass er einen riesigen blauen Fleck hat. Dass er danach ein paar Minuten brüllt ist nach zu vollziehen, aber deswegen ins Krankenhaus fahren?
Thema ist normaler Kinderlärm und nicht schwere Vernachlässigung.

Scheinbar verrückter Anreiner...


...rastet aus und verfolgt Drittklässler vor einem Gymnasium in Wien. Er wird auch handgreiflich, schüttelt eines der Kinder und randaliert in der Direktion der Schule, weil die kleinen mit ihren Skateboards um 2 am nachmittag Lärm machen. So weit darf es auch nicht kommen! wer schützt die Kinder?!

Re: Scheinbar verrückter Anreiner...

Hmmmm!
Tja, da wird sich wahrscheinlich der Staat genauso drum kümmern, wie um die fabelhaften Rechtschreibkenntnisse mancher Poster.
z.B. "Anreiner...."

arg.

ist ja sein gutes recht einseitig zu sein. aber kinderlärm ist genauso eine lärmbelastung wie jede andere und gehört genauso behandelt. wenn die eltern ihre kinder schlecht erziehen dann gehört das eben sanktioniert.

Re: arg.

was bedeutet dann bitte kinder gut erziehen? sie zum schweigen verdonnern? ihren willen brechen? sie so ängstigen oder unterdrücken dass sie sich nicht trauen zu toben und zu spielen? dafür sind spielplätze gemacht und wie langweilig ist bitte fangen oder fußball oder fußball in gemäßigter lautstärke? untersuchungen zum autoritären erziehungsstil belegen, dass er funktioniert, solang ei potenzieller bestrafer anwesend ist - ist das nicht der fall - mahlzeit da kommen dann die verhaltensauffälligkeiten hoch 10

Re: arg.

ich glaub sie haben keine Kinder!!!!!!! soviel Blödsinn hab ich schon lange nicht mehr gehört!!!!!!!!

Re: arg.

So wie Straßenverkehrslärm?
Dann müsst der Anrainer geförderterte Lärmschutzfenster bekommen.

Re: Re: arg.

kinder sind keine dinge, und haben anrecht auf erziehung. wenn die kinder nachts rumschreien, dann ist vernachlässigung der erziehungspflichten offenkundig.

Re: Re: Re: arg.

die Welt ist schwarz/weiß. Ich hupf' mal aus dem 6. Stock - aus Spaß, denn ich lande doch bestimmt auf Watte!

Sie werden dazu angehalten weiter zu denken, als Ihre Nase lang ist.

Re: Re: Re: arg.

und wenn das Kind n nachtschreck hat und 30 Minuten heult?

Viele Eltern sind unfähig ihre Kinder zu erziehen!

Leider sind viele Eltern offenbar unfähig ihre Kinder zu erziehen, vermutlich weil sie selber nie eine vernünftige Erziehung erfahren haben.
Dann wird alles auf die Schulen geschoben, wobei die Lehrer eigentlich lehren sollten und nicht erziehen.
Kinder dürfen auch mal laut seine nur laut und laut ist auch nicht gleich. Wenn jeder ein wenig Eigenverantwortung übernehmen würde, wäre vieles besser. Aber heute schaut jeder nur mehr auf seinen Mist, alles andere ist nicht wichtig.

 
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