Adventmärkte: Punsch mit dem Tourismuschef

23.11.2012 | 13:50 |  von Mirjam Marits (Die Presse)

Unweit des Shoppingwahnsinns hat Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner einen kleinen Adventmarkt entdeckt. E hat aber auch nichts gegen die lauten, großen, kitschgetränkten Christkindlmärkte in der Stadt.

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Und plötzlich ist es ruhig und unhektisch. Vergessen das Gedränge, der Lärm, die Touristenmassen am nahen Stephansplatz. Ein Feuer lodert, rundherum sind einige sehr reduzierte, dezente Stände arrangiert, in einem werden gerade Maroni gebraten. Ja, er ist zweifellos ein Geheimtipp, jener kleine Adventmarkt, der vom Teehaus „Haas & Haas“ im Innenhof des Deutschordenklosters am Stephansplatz ausgerichtet wird.

Einen „hidden hero“, einen versteckten Helden in „einem sehr verwunschenen Hof“, nennt Norbert Kettner, Chef von Wien-Tourismus, diesen Adventmarkt, der „Winter in the City“ getauft wurde und heuer zum ersten Mal stattfindet. Was Kettner hier schätzt, ist, „dass draußen die Stadt brüllt, der Einkaufswahnsinn vor Weihnachten tobt und man hier einen Kokon findet, einen Gegenpol, wo man wieder runterkommt“.

Kettner hat aber auch nichts gegen die lauten, großen, kitschgetränkten Christkindlmärkte in der Stadt. Rein schon von Berufs wegen nicht. „Die Weihnachtsmärkte sind der Turbobooster für den Wintertourismus in Wien“, sagt er. „Vor 20 Jahren war Wien im November und Dezember tot.“ Das habe sich mit der Erfindung des „Adventzaubers“ – Wiens größtem Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz – im Jahr 1986 geändert. Die Nächtigungszahlen im Dezember haben sich seither von 302.000 im Jahr 1986 auf 1.003.000 im Vorjahr mehr als verdreifacht.

Das ist natürlich nicht nur dem heftig dekorierten Rathauspark mit seinen beleuchteten Bäumen und dem Überangebot an Punsch, Glühwein und Weihnachtskitsch zu verdanken, der Adventzauber „war aber die Initialzündung für den Wintertourismus in der Stadt“, so Kettner. Es folgten zahlreiche andere Weihnachtsmärkte, manche auf Punschtrinken spezialisiert, andere auf Kunsthandwerk wie auf dem Spittelberg.

Heute gibt es unzählige Varianten „und die haben alle ihre Berechtigung. Da braucht man sich nicht als Geschmackspolizei aufspielen“, sagt Kettner. Gemeinsam mit Silvesterpfad, der verstärkten Vermarktung der Ballsaison und der wachsenden Zahl an Wien-Gästen rund um das russische Weihnachten (6. Jänner) haben die Weihnachtsmärkte dazu geführt, dass Wien heute im Dezember mehr Touristen verzeichnet als viele andere Großstädte Europas. Besonders für Besucher aus dem Süden – allen voran Italien – „ist der weihnachtliche Lichterglanz der Inbegriff einer romantischen Stadt“.

Ein bisschen romantisch (und bewusst auch elitärer im Vergleich zu den großen Märkten) ist auch Haas & Haas' „Winter in the City“ geworden. „Hier wird auf Genuss gesetzt, und das gefällt mir“, sagt Kettner, der eigentlich kein passionierter Punschtrinker ist. Umso wichtiger sei es ihm, dass der Punsch hochwertig ist. Ein Anspruch, der hier erfüllt wird: Für den Punsch wird frischer Tee verwendet, auf das Fertigkonzentrat, das man andernorts serviert bekommt, wird verzichtet. Der Rum, der hier verwendet wird, ist echter Jamaika-Rum.

Ein nette Besonderheit sind die kleinen Wurstspieße, die die Besucher auf einem kleinen Grill selbst grillen können. Zu essen gibt es auch die Südtiroler Spezialität Törggelen (Speck, Maroni, Rotwein), die den „halben Südtiroler“ Kettner freut. Zu kaufen gibt es Geschenkartikel wie Teegebäck, Kekse und diverse weihnachtliche Teemischungen. Das alles, erraten, selbstgemacht. Sogar die kubischen Stände sind home-made: Hausherr Haas hat sie selbst entworfen, seine Frau hat sie in dezenten Farben gestrichen.

Nein, kitschig ist es hier so gar nicht, das ist Kettner merklich recht. Allerdings, sagt er, „muss nicht immer alles durchdesignt sein. Ästhetische Schwankungen“, wie der Tourismuschef das teils sehr pseudoweihnachtliche Angebot anderer Märkte diplomatisch nennt, „sind schon okay“. Zumindest in der Adventzeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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4 Kommentare

Wenn es wo Standl

Zum Saufen und fressen gibt sind die Weanabazi nimma zum haltn.

Weihnachtsmärkte und die Punschstandln sind unentbehrlich. Wiesonstkönnte man den Weinbauern helfen?

Wir kennen ja den höchstqualitativen Österreichischen Wein, der von Haus aus ungenießbar ist und sichmitdem Gschluder aus anderen Weinbauländern gut schlägt. Würde Finnland oder Island Wein produzieren, es wäre eine qualitaive Konkurrenz.
Aber es gibt natürlich auch Wein, den man auchsonstnie trinken könnte und der auchzum Essignichttaugt.
Da kommt der Punschstand!
Er sorgt dafür, dass ungenießbares doch noch getrunken wird und wie!
Ich gehe seit Jahren nicht mehr an Punschstandln und habe, oh Wunder, noch das volle Augenlicht!
(Weihnachtswunder!)

Re: Weihnachtsmärkte und die Punschstandln sind unentbehrlich. Wiesonstkönnte man den Weinbauern helfen?

wenn man Ihre Postings so verfolgt, wird einem zumindest "wunderlich" ob Ihrer "Weltanschauungen".
Oder Sie haben schlicht keine Ahnung.

Als ersten Schritt schlage ich Ihnen vor, Wein NICHT mehr im Tetrapak zu kaufen. Ö-Weine sind zahlreich und in den meisten Fällen gut bis ausgezeichnet. Bemängeln würde ich nur die seit Jahren anhaltende Preisrally.

Shoppingwahnsinns

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