Gesundheit: So (un)zufrieden sind Wiens Patienten

29.11.2012 | 10:18 |   (Die Presse)

Aktenkundige Beschwerden bei der Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft erreichten mit 2914 im Jahr 2011 ein historisches Hoch. Patientenanwältin Sigrid Pilz will die Spitalsqualität messbar machen.

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Wien/Awe. Wie die Meinung über die Qualität des Wiener Gesundheitssystems ausfällt, hängt davon ab, wen man fragt. Die Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft hat die Akten von Beschwerdefällen aus dem Jahr 2011 ausgewertet, analysiert und interpretiert. Das Ergebnis liegt nun vor.

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Was zuerst auffällt: Die Zahl der bearbeiteten Fälle war noch niemals zuvor derart hoch. 2914 Akten hat die Beschwerde- und Schlichtungsstelle im Vorjahr angelegt (2010 waren es 2506). Die Zahl der Anfragen insgesamt erreichte mit 12.174 ebenfalls einen Rekordwert (2010: 11.228). Bauen Wiens Spitäler und niedergelassene Ärzte also ab?

„Nicht automatisch“, sagt Sigrid Pilz, als Abgeordnete der Grünen einst eine der größten Kritikerinnen der Gesundheitsversorgung der Hauptstadt. Seit Juli 2012 ist sie Patientenanwältin und verantwortet den aktuellen Bericht mit, der noch vollständig in die Amtszeit ihres Vorgängers Konrad Brustbauer fällt.

Pilz sagt, dass Fallzahlen über Beschwerden allein nämlich nur einen kleinen Ausschnitt über die Leistungsfähigkeit des Systems an sich zeigen. Patienten von heute wären selbstbewusster als noch vor wenigen Jahren, suchten deshalb ganz automatisch unabhängige Kontrollinstanzen auf. Trotzdem liefert der Bericht einen detaillierten Einblick in die subjektive (Un-)Zufriedenheit der Patienten. Aufgeschlüsselt nach Spitälern zeigt sich, dass insbesondere die Unfallspitäler am unteren Ende der Beliebtheitsskala rangieren (siehe Grafik unten).

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AKH unter dem Durchschnitt

Im UKH Meidling beschwert sich statistisch gesehen jeder 162., im Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus jeder 187.Patient. Auch die Universitätskliniken im zentralen AKH schneiden mit der Beschwerde jedes 347. Patienten weit unter dem Wiener Durchschnitt (jeder 433.) ab. Zum Vergleich: An der Spitze des Rankings liegen weit vorn das auf die Versorgung geriatrischer Patienten spezialisierte Sophienspital (jeder 1509.) sowie das Krankenhaus Hietzing mit dem Neurologischen Zentrum Rosenhügel (jeder 830.).

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als bestünde in manchen Spitälern akuter Handlungsbedarf. Erst bei genauerem Studieren der Statistik zeigt sich, dass man den betroffenen Kliniken damit – zumindest teilweise – Unrecht täte, denn: Traditionell komplikationsreiche, weil von ihrer Natur aus „riskantere“ Fächer wie Chirurgie, Unfallchirurgie, Innere Medizin und Orthopädie führen ganz automatisch zu mehr Beschwerden. Allein die genannten vier bringen es auf 52 Prozent aller Beschwerden. Auch genau diese vier Fächer sind es, die in den – statistisch – schlecht abschneidenden Spitälern einen hohen Stellenwert haben. Die verbliebenen 48 Prozent der Beschwerdeakten verteilen sich nämlich auf 13 weitere Kategorien.

Patientenanwältin Pilz glaubt daher, dass diese Methode des Vergleichs „nicht mehr zeitgemäß“ ist. Sie will sich in den nächsten Jahren dafür einsetzen, dass Wiens Spitäler ihren Patienten einen echten Vergleich nach qualitativen Kriterien wie zum Beispiel der Komplikationsrate, Sterblichkeit oder ungeplanten Nachoperationen anbieten. Seriös funktionieren könne das jedoch nur, wenn man Stationen mit Stationen vergleiche, nicht aber ganze Spitäler mit zum Teil völlig unterschiedlichen Schwerpunkten. Beim städtischen KAV habe sie diesen Wunsch inzwischen auch deponiert. „Zumindest intern arbeiten sie schon daran.“

Wobei: Interne, den Patienten nicht zugängliche Programme zur Qualitätsmessung gibt es in vielen Privatspitälern und Facharztverbänden schon lange. „Das Problem für die Patienten ist, dass diese Daten in Österreich entweder gar nicht oder nur anonymisiert veröffentlicht werden“, kritisiert der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Dass es auch anders geht, zeigen die 72 deutschen Helios-Kliniken. Sie veröffentlichen Behandlungsergebnisse und machen ihre Arbeit für die Patienten transparent und vergleichbar.

Service

Neue App: Eine neue Anwendung für Smartphones und Tablets soll Patienten im Alltag mehr Sicherheit bringen. Das kostenlose Tool, das gestern, Mittwoch, von Gesundheitsminister Alois Stöger vorgestellt wurde, bietet unter anderem interaktive Checklisten, Suchfunktionen und erinnert auf Wunsch an die Einnahme von Medikamenten.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.patientensicherheit-online.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2012)

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40 Kommentare
 
12

das problem ist

der durchschnittsösterreicher nimmt sich zu wichtig.

In den seltensten fällen wird freundlich! nachgefragt, was los ist.

wie man in den wald hineinruft......schließlich arbeiten dort auch nur menschen.

meine hochachtung an die menschen, die sich der verantwortung stellen und dort arbeiten.

Re: das problem ist

es bestreitet niemand die schwere Arbeit in Spitäler und Pflegebereich. Aber man muss auch folgendes sehen.
Es sterben sehr viele Menschen an den Folgen von ärztlichen Fehler, es leiden sehr viele Menschen an den Folgen von ärztlichen Fehler und wer sich erlaubt zu klagen wird dann mit Beihilfe der Krankenhauserhalter, (in Wien ist es die Stadt Wien - der Rote Bürgermeister), auch noch finanziell ruiniert bzw. fertig gemacht. So schaut's aus. Auch wenn Recht gesprochen wird, wird noch lange nicht Recht gesprochen. Daher kommt's nicht von irgendwo wenn es zig tausende Beschwerden bzw. Gründe zur Klage gibt die fast zu Gänze für die Spitäler usw. positiv ausfallen.
Das müsste bereits auch den Dümmsten unter Uns auffallen.

Derzeit läuft ja auch noch die Diskussion über die Ordensspitäler

Wie schauts bei den Ordensspitälern aus?
Wie siehts in den Bundesländern aus?

Außerdem muß man beachten, dass öffentliche Wiener Spitäler sehr mehr für "einen Punkt" bekommen als andere.
http://diepresse.com/home/panorama/wien/1291662/Ordensspitaeler-fordern-mehr-Geld-von-Stadt

Vielleicht ist es doch ein Strukturproblem der öffentlichen "Dienstleister" in Wien.


Fehler im Gesundheitssystem

Wir bauen neue Glaspaläste als Riesenkrankenhäuser, wo der Patient nur mehr eine Nummer ist, anstatt vorhandene Ressourcen zu verbessern. Ich war vorige Woche im Wilhelminenspital, Pavillon 24, auf Besuch. Dieser Pavillon passt besser nach Usbekistan etc. als nach Wien. Nur in 1 Zimmer Spinde für die Kranken. Patienten am Gang. Die Ärzte und das Personal hat sich bemüht, aber mir würde in so einem Ambiente das Arbeiten auch keinen Spaß machen. Wäre eine Aufgabe für unsere neue Frau Bürgermeister!!! Für Clusterkopfschmerz werden Dir Massagen verschrieben, persönlich bekam ich 2 Jahre Wassertabletten verschrieben, habe aber gar keine übermäßigen Wasseransammlungen. Meinen Bruder den ich im Wilhelminenspital besuchte, bekam nach 3 Herzinfarkten und starken Durchblutungsstörungen und Diabetes von seiner Hausärztin überhaupt keine Medikamente mehr verschrieben, bevor er nicht zum Psychiater geht, wegen angeblicher Tablettensucht. Und das obwohl er nicht gehfähig ist. Von meiner Frauenärztin will ich gar nicht erst reden. Gute Ärzte kann man sich selten leisten, für 10 Minuten Untersuchung 165,-- €. Nur Herr DDr. Marek von der WGKK kann sich so etwas leisten. Auf unsere Kosten natürlich, denn seine Leistung ist sehr schwach, die er in der WGKK leistet.

Ambulatorien und niedergelassene Ärzte

Es ist katastrophal was sich in den Ambulatorien abspielt. Ein Beispiel: Man bekommt einen Termin, der in zwei Wochen eine Untersuchung sichert, mit den Worten :" Sie müssen an diesem Tag auf Wartezeiten von bis zu 5 Stunden rechnen!" Und das im Vorzeigespital der WGKK. In der Regel ist bis auf wenige Spitäler die Organisation verheerend.
Bei den niedergelassenen Ärzten ist es in der Regel besser. Nur: Wenn man Beschwerden hat, die eine längere Behandlung benötigen, wird man sofort in die Ambulanzen "abgeschoben". Allerdings sieht die Situation ganz anders aus, wenn man Privatpatient ist. Da läuft die Sache schneller und effektiver. Also gibt es eine Zweiklassen-Medizin!

Im Gesundheitsbereich ist viel zu viel in öffentlicher Hand

Krankenkassen privatisieren bzw private Konkurrenz zulassen (mit verhandelbaren Beiträgen).

Gesundheitseinrichtungen dem politischen Filz entreißen und privatisieren.

Attraktive Beschäftigungen für talentierte Jungärzte, die beim derzeitigen Zustand lieber ins Ausland abwandern.

Das sollte schon einiges verbessern.

User "mcafee": "die glauben doch wirklich es gehört ihnen die ganze stadt dieses selbstherrliche pack."

Und? Was ist daran so falsch? Seit Jahrzehnten werden die Mächtigen dieser Stadt vom Wahlvolk mit satten Mehrheiten ausgestattet, bis hin zur "Absoluten" - egal, was immer auch passiert! Mir ist völlig klar, dass "die" nicht nur glauben (müssen), die Stadt (samt deren Einwohner*I*nnen) gehöre ihnen.

Beschwerden bei Wiener Patientenanwaltschaft erreichen ein historisches Hoch

Wenn man mit Spitalsärzten spricht, erfährt man die Wahrheit dazu.
Die Leute werden immer ungeduldiger, unverschämter, frecher und beschweren sich wegen jedem Sch*iß!

Re: Beschwerden bei Wiener Patientenanwaltschaft erreichen ein historisches Hoch

Bitte sein Sie nicht so naiv und glauben, dass die Ärzte zugeben, es sei alles in Ordnung. Wer, bitte, verhindert eine Besserung der Situation? Wer beharrt auf dem heutigen System? Lesen Sie keine Zeitungen?

Re: Beschwerden bei Wiener Patientenanwaltschaft erreichen ein historisches Hoch

Kunde... nix Leute

Re: Re: Beschwerden bei Wiener Patientenanwaltschaft erreichen ein historisches Hoch

Kunde nur wenn man selbst bezahlt! ;)
leute wenn die gemeinschaft bezahlt!

aber privatpatienten haben normalerweise eh nix zu meckern ^^

Re: Re: Re: Beschwerden bei Wiener Patientenanwaltschaft erreichen ein historisches Hoch

jeder arbeitende mensch bezahlt ein Vermögen in dieses Gesundheitssystem.

Die "Gemeinschaft" ist nicht niemand.

Und jetzt soll ich zusätzlich zu der Versicherung die ich eh schon habe noch eine Versicherung nehmen?

Ich würd gern raus aus dieser Versicherung!

zeit vs dokumentation

der zunehmende "qualitätswahnsinn" ist aus meiner sicht absolut kontraproduktiv. (weils schlussendlich um quantität geht)

alles muss genauestens dokumentiert werden. ein arzt sitzt mehr vorm
diktiergerät oder pc als er persönliche ausführliche gespräche mit dem patienten führen kann (unfallchirugen sollten halt nach der op zeit haben für gespräche)

wenn der arzt einmal täglich bei der visite höchst unpersönlich über dich als fall 2min referiert, na dass kanns nicht sein!

seltsam

ist es zb, wenn einschlägige fachärzte, die in einschlägigen spezialeinrichtungen arbeiten über einen "fall" sagen: da hat die gepfuscht (also nicht nur der fast gestorbene patient sagt dies). dann geht der patient zur patientenanwaltschaft und die sagt: wir haben einen arzt beauftragt die sache anzuschauen und wir behaupten nun: alles ist in ordnung abgelaufen.
so behaupte ich, dass nach wie vor - und das bei der patientenanwaltschaft!! - das motto oft gilt: eine krähe hackt der anderen nix aus.
folge müßte sein, dass die patienten eine eigene patientenanwaltschaft gründen.

Re: seltsam

Der Patientenanwalt ist so zu verstehen,wie wenn die Cosa N... tra eine Beschwerdestelle über Schutzgeldzahlungen errichtet.

Re: Re: seltsam

herrlich! herrlich traurig. so auf den punkt gebracht hätte ich mir das gar nicht auszudrücken gewagt. wie recht sie leider haben.

fehler, bitte liebe presse, korrigieren

herr pichlbauer heisst ernst und nicht ernest.

AKH

Bin Patient im AKH und mit den Leistungen der Ärzte und des Personals hoch zufrieden.
Ich beobachte andere Patienten und Wartende und bin über die Ungeduld und bösartigen Kommentare stets überrascht.
Wenn so viele Menschen in einem Krankenhaus behandelt werden ist das eine großartige Leistung auf die man nicht verzichten kann.
Danke allen ÄrztInnen und dem etreuungspersonal.

Interessant wäre:

Gibt es die Beschwerdeformulare auch in den in Wien üblichen Amts Sprachen?

Alte Patienten sollten sich ihrer Verantwortung stellen und (...)

Liegen uns doch eh nur auf der Tasche - so kann's ja nicht gehen. Versteht's mich?

Re: Alte Patienten sollten sich ihrer Verantwortung stellen und (...)

Wenn dieser Beitrag ironisch / witzig / sarkastisch gemeint war, dann bitte noch einmal nachdenken.

Wenn Sie das ernst meinen, dann konsultieren Sie sich doch bitte einen guten Facharzt.

verbrennungen 2ten grades im gesicht

1 stunde wartezeit

offener bruch

1 stunde wartezeit

achja unser gesundheitssystem ist nebenbei verhältnissmässig zu besser funktionierenden Gesundheitssystemen 7 Mal so teuer.

UND hochverschuldet

am besten nicht zum arzt gehen, und im internet nachschaun.

Re: verbrennungen 2ten grades im gesicht/DerGerät

"...am besten nicht zum arzt gehen, und im internet nachschaun"

Bei einem "offenen Bruch", z.B.?

Vielleicht informieren Sie sich einmal im Internet darüber, wie ein Gehirn funktioniert?

Re: Re: verbrennungen 2ten grades im gesicht/DerGerät

Schade, dass man hier nicht auf gefällt mir drücken kann... :-)

Re: Re: verbrennungen 2ten grades im gesicht/DerGerät

Rolling on the floor laughing! ;-))

Re: Re: verbrennungen 2ten grades im gesicht/DerGerät

wie ein Hirn wirklich funktioniert wissen auch Ärzte eigentlich nicht.

und was man im Internet so alles rausfindet... wenn man mehrere Sprachen beherrscht ist da viel relevantes Material dabei.

Die hohe Lebenserwartung rechne ich eher dem hohen Lebensstandard zu...

und nicht den Ärzten die einen mit Cortisonkuren Antibiotika Amalgam ins Jenseits jagen.

Ich war die Woche 3 mal bei verschiedenen Zahnärzten und wurde 3x geröntgt.
Ich habe ihnen vorher gesagt das sie nichts sehen werden. Aber nein, sie müssen sich selbst überzeugen das sie nichts sehen.
Der Sprung war hinten neben dem Zwischenraum hinter der Plombe.
Aber hauptsache mir wurde vor einem halben Jahr gesagt: DA IS NIX.

Das wird wahrscheinlich EH von der Kasse bezahlt, deswegen machma immer brav ein Röntgen.
Der Kunde soll reden was er will, weil er is ja kein Kunde, er is ja nur der, der was die Kasse bezahlt.

Ein richtiger Bruch der nacher wieder anständig funktionieren soll, den sollte man am Besten bei einem qualifizierten Privatarzt machen lassen.
Aber auf keinen Fall in einer von der Krankenkasse bezahlten Institution. Das kann nur schiefgehen.
Euch fehlt die Motivation.

 
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