Grünes Vorzeigeprojekt wackelt - Bürger gegen Gartencity

29.11.2012 | 18:33 |  GERHARD BITZAN (Die Presse)

Südlich von Alt-Erlaa sollte ein alternatives Vorzeigeprojekt entstehen. Jetzt deutet vieles auf dichten, hohen Wohnbau hin. Die Anrainer protestieren.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Vor etwa einem Jahr hat Maria Vassilakou in ihrer Funktion als Planungsstadträtin in der „Presse“ einen gut klingenden Plan präsentiert (s. Faksimile unten): Das Gebiet zwischen den beiden U-Bahn-Stationen Alt-Erlaa und Erlaaer Straße, das bezeichnenderweise „In der Wiesen“ heißt, sollte zu einem grünen Stadtteil werden. Dort, wo derzeit dörflicher Charakter herrscht mit vielen Gärtnereien, versprach der Masterplan die Errichtung einer Gartenstadt – mit vielen grünen Freiflächen, Häusern mit Gartenterrasse sowie Flachdächern mit Glashäusern.

Mehr zum Thema:

Ein Jahr später sieht die Sache etwas anders aus. Während die Planungen für die „Gartenstadt“ derzeit stocken, unter anderem, weil so manche Grundstückseigner noch gar nicht verkaufen wollen, zeigt sich an den Rändern des Planungsgebietes schon, wo es in der Realität hingehen könnte: zu einem dicht verbauten Viertel mit hohen Wohnhäusern.

Für zwei Randbereiche des riesigen Areals für 20.000 Menschen laufen derzeit die Flächenumwidmungen. Und das ruft Widerstand der Anrainer hervor. Unterschriften werden gesammelt, Einwände gegen die Flächenwidmung abgegeben. Auf der einen Seite der U-Bahn (U 6), in der „Wiesen Süd“ geht es vor allem gegen die geplante Dichtheit des Bauens, das zu wenig grüne Freiräume erlaube. Roland Wück, Sprecher der Anwohner: „Es wird alles weit dichter und höher gebaut, als uns von der Stadt zugesagt wurde.“ Besonders stört ihn, dass seiner Meinung nach im künftigen grünen Stadtteil das Grün zu kurz kommt. „In ersten Entwürfen war einmal ein großer Park hier vorgesehen“, sagt der Sprecher. „Von dem ist jetzt keine Rede mehr.“ Wück: „Die Bezeichnung Grün-City ist hier nur ein Deckmäntelchen. Wien hat anscheinend aus Anlagen wie dem Schöpfwerk nichts gelernt.“

Auf der anderen Seite der U-Bahnlinie, bei der „Wiesen Ost“ regt sich ebenfalls Anrainerunmut. Dort ist es vor allem die Bauhöhe, die aufregt. Denn während rundherum Einfamlienhäuser bzw. maximal drei- bis viergeschoßige Bauten dominieren, plant der private Bauträger Buwog eine riesige Anlage, die in einen Wohnturm mit fast 40 Metern übergeht.

 

Wohnturm mit 70 Meter Höhe

Raumplanungsexperten, die von den Anrainern konsultiert wurden, sind völlig verwundert über den in der Flächenwidmung vorgesehenen Sprung von Bauklasse II auf VI. Schon wird der Verdacht auf Anlasswidmung geäußert, denn der Bauträger plant schon seit Jahren hier einen Großbau – und jetzt könnte er die nötige Genehmigung bekommen.

Im Vassilakou-Büro wird der Bau verteidigt. Man wolle in U-Bahn-Nähe weit höher als normal und verdichtet bauen. Außerdem habe der Bauträger ja ursprünglich sogar einen 70 Meter hohen Wohnturm ins Grüne stellen wollen, so die etwas eigenartige Argumentation für die Umwidmung. Für die Anrainer steht jedenfalls fest, dass dieser Großbau der Auftakt zu einem Hochhausviertel ist – – dort, wo eigentlich laut Masterplan sanftes Grün-Wohnen dominieren sollte.

Auch Liesings neuer Bezirkschef Gerald Bischof (SP) hat leichte Zweifel an der praktischen Durchführbarkeit der Gartenstadt und an der Verdichtung des bisher grünen Gebietes. „Man muss sich einmal anschauen, wie viele zusätzliche Menschen dieses Areal verträgt,“ meint Bischof zur „Presse“. Ungeklärt ist auch, wie die Infrastruktur, wie Straßen, Kindergärten, Freiräume und auch öffentlicher Verkehr, für die Gartenstadt aussehen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Aus dem Archiv: Grünes Licht für grünen Stadtteil

    Bild: (c) APA Bei Alterlaa soll eine "Gartenstadt" entstehen. Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou will in Kürze mit den Planungen für die erforderlichen Umwidmungen beginnen. Das Interesse von Wohnbauträgern sei groß.

Mehr aus dem Web

86 Kommentare
 
12 3

Wer baut Wien

ist der Titel eines hochinteressanten Buches von Reinhard Seiß. Eine ausgezeichnete Recherche über die die Verflechtungen von Stadtpolitik, Bauwirtschaft und sonstiger Intererssensgruppen in Wien. Es ist ein Lehrbuch über fragwürdige Vorgänge in Wien. Allerdings während der Periode vor dem Amtsantritt von Maria Vassilakou. Es wären nur einige Namen auszutauschen (etliche sind ja noch immer in Amt und Würden) und hätte schon eine aktuelle Ausgabe.

Re: Wer baut Wien

Verdichteter Wohnbau neben einer Ubahnlinie wird in diesem Buch aber alles andere als schlecht dargestellt.

Re: Re: Wer baut Wien

Eine Verdichtung in solchen Bereichen ist ja durchaus sinnvoll. Allerdings nur dort wo noch Potential für eine maßvolle und verträgliche Verdichtung möglich ist. Es wäre interessant, wo die Limits und Kriterien für Verdichtung liegen. Ich erkenne nur die flexible Einschätzung unserer Planungsstadträtin was für die Wiener gut ist. Spontane Umwidmung von BK V auf BK VI wird auch mit Verdichtung begründet. Die Stadt wird zusehends von Bauherren geprägt und nicht von Stadtplanern, die eigentlich den Bewohnern verpflichtet sein sollten.

Re: Re: Re: Wer baut Wien

darum geht es ja nicht

Verdichtet wird weil die kassa der freunderlschaftspartie klingelt

So schauts aus

die planer duerfen hoechstens die bei der behuebschung der so entstehenden scheusslichkeiten mitreden - hoechstens!

Frau Vasilaku

Und was zahltnder Bautraeger fuer diese Widmung ???

Bei heutigen M2 Preisen sicher ein paar Mille wert !

wenn Sie einem Bautraeger das gratis auf 50m widmen dann schenken sie ihm bares Geld des steuerzahlers!!!

Das ist haargenau das was die roten schrebergaertner im magistrat seit fuenf jahrzehnten treiben - schämen sie sich

Meine Stimme sicher nicht mehr!

Re: Frau Vasilaku

Grüne Wien/Vassilakou fordert Abgabe für Millionen-Gewinne bei Flächenwidmungen

Wien (OTS) - Die Einführung einer sogenannten
"Flächenwidmungsabgabe" fordert die Klubobfrau der Grünen Wien, Maria
Vassilakou, anlässlich der aktuellen Debatte rund um den Bau neuer
Hochhäuser in Wien. "Die oft undurchsichtigen Vergabemodalitäten und
Widmungspraktiken der Stadt Wien als öffentlicher Bauherr kosten die
Allgemeinheit zig Millionen Euro pro Jahr und schaden dem
Wirtschaftsstandort Wien", so Vassilakou. Zahlreiche Beispiele der
letzten Jahre, wie etwa Monte Laa, Hohe Warte oder Präsidentenvilla,
zeigen das sehr deutlich. Erholungsgebiete, die der Allgemeinheit
dienen sollten, werden umgewidmet. Die Gewinne durch Umwidmungen
gehen in Milliardenhöhe. Die Stadt Wien verzichtet darauf, diese
Widmungsgewinne von den Planungsbegünstigten zurückzuverlangen.

Das war allerdings 2010.

Re: Frau Vasilaku

Als die Grünen eine Widmungsabgabe (wie in der Schweiz oder in Südtirol) gefordert haben, hat das Presseforum laut Kommunismus geschrien.
So ist das halt gratis.

Paßt schon!

Wien hat sich diese Stadtregierung gewählt; nun sollen sie sich daran auch möglich lange erfreuen.

Grüne sind die Chamälions Wiens

So lange sie nichts zu reden haben, geben sie sich streichelweich - grün. Sind sie an der Macht, outen sie sich und werden extremer als die ohnehin unerträgliche SPÖ. Obwohl man sich nicht unbedingt die KPÖ wie in Graz wünschen sollte, brauchen wir auch in Wien einen heilsamen Schock. Bei den Grünen wird stets von GRÜN gesprochen, dort wo es noch grün ist, sollen unpassende riesige Häuser entstehen. Beim OWS läuft es ähnlich. Ist das nachvollziehbar?

Sinnvolle Raumplanung

Neben einer einer U-bahn dürfen selbstverständlich nur Gewächshäuser und Gewerbehallen stehen. An der Endstation muss dann um ein paar Millionen € Wiener Steuergeld ein Parkhaus "hinbetoniert" werden, weil wegen den Querulanteninitiativen in Wien kaum noch Wohnungen gebaut werden dürfen und die Menschen daher ins Umland abwandern.

Re: Sinnvolle Raumplanung

Na Hallo, wo werden kaum Wohnungen gebaut , doch nicht in Wien !!!
Bitte aufwachen.
Was hier passieren soll ist schneller Wohnbau ohne Umfeld und Infrastruktur. und das auf Druck der Bauträger und Investoren

Augen auf !
U-bahn ist keine Hauptschlagader des Lebens !

Re: Sinnvolle Raumplanung

soweit ich den artikel verstanden habe geht es hier nicht darum ob- sondern wie hoch und wie dicht gebaut werden soll....
also liebe berufs und parteischreiber: informiert euch doch ein bissl besser!

ich glaub ich hab das ding gefunden,
da kann ja offensichtlich jeder beeinspruchen, der sich gedanken darüber macht...

http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/flaechenwidmung/aktuell/7323e.html

schaut ja wirklich nach anlasswidmung aus....

Re: Sinnvolle Raumplanung

Falsch! Die Querulanteninitiativen sind nur lästiges Beiwerk und werden mit dem Argument der Verdichtung mundtot gemacht. Weil ohne Verdichtung entlang der U-Bahn droht die Verhüttelung Wiens bis Bratislava (O-Ton Vassilakou).

Einige priveligierte Häuselbesitzer

gegen modernen, familienfreundlichen sozialen Wohnbau! Des hamma gern!

4 14

warum gibt es in diesem Forum die Einheitsmeinung?

weil diePresse zensuriert
und die FPÖÖVPBZÖ-Apparatschiks die Stimmung anheizen
Anti-Parkpickerl zieht nicht mehr

17 2

Gut so

Ich kann den Vorschlägen der Grünen nichts Negatives abgewinnen, allerdings nur so lange, bis diese nicht in die Wirklichkeit umgesetzt werden......
Es ist gut, dass die Grünne solche Vorschläge machen, denn dadurch demontieren sie sich selbst. Solche Ansinnen sind nicht ernst zu nehmen und wenn ich das Schlagwort "verdichteter Wohnbau" höre, dann wird mir übel. Es geht einfach an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. Das ist aber nichts Neues, denn die Grüen beweisen in letzter Zeit immer mehr, dass sie, leider nur ihren, Idelavorstellungen hinterherhetzen, welche jedoch mit den Vorstellungen und Bedürfnissen der breiten Maße nicht übereinstimmen. Nur bei sich selbst wird ein etwas anderes Maß angelegt: man wohnt in schicken Villen, fährt nicht selbst sondern im Audi A8 mit Fahrer udn will bei sich selbst nichts von Öffis und verdichtetem Wohnen höre.
Trotzdem: nur weiter so, damit es wirklich allen klar wird, in welche Richtung die Reise geht.....

Grün ist anders

Grünes Deckmäntelchen oder Grüne Fassade?
Die neue Grüne Philosophie manifestiert sich im Büro von Maria Vassilakou. Wer es noch weiß: Im Vorraum (Wartezimmer) zum Rathausklub der Grünen dominiert eine begrünte Wand. Bei näherer Betrachtung muss man feststellen, dass es sich um Plastikgirlanden handelt. Wer es sich einreden lässt, dass das was aus dem Büro von Maria Vassilakou kommt Grün ist, ist selbst schuld. Aus diesem Büro kommen Investoren und Projektentwickler die ein offenes Ohr finden mit dem Anliegen "wir wünschen - sie widmen".

Die Bezeichnung Grün-City ist hier nur ein Deckmäntelchen

Tja wo GRÜN draufsteht gibts eigentlich immer nur was anderes als auf der Packung steht - siehe Parkpickerl

25 1

Re: Die Bezeichnung Grün-City ist hier nur ein Deckmäntelchen

Das was grün ist auch gut ist stimmt nur in der Natur.
Bei der farblich identen Partei sind es zu 99 % übel riechende Exkremente welche grün verpackt wurden.

Grün wohnen

Ich denke, dass es an den Günen ist, ein grundlegendes Missverständnis aufzuklären. Grüner Wohnbau hat mitnichten etwas mit Grünflächen zu tun, im Gegenteil. Grüner Wohnbau ist ressourcenschonend und daran orientiert, pro verbauter Fläche möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Selbstverständlich geht das nur mit hohen Gebäuden und selbstverständlich ist ein Grundstück nahe der U-Bahn dafür prädestiniert. Eine derartig verkehrsgünstige Lage mit Grünfläche zu verschwenden würde dem ökologischen Gedanken völlig widersprechen.

Re: Grün wohnen

Die Architektur-Visionen der Linken werden in den DDR-Plattenbauten anschaulich demonstriert.

Damals im Volx-Sprech auch "Arbeiter-Schließfächer" genannt, wurden diese bei ihrer Schlüssel-Übergabe mit Transparenten geschmückt "Erich, wir danken Dir". Heute fassen sich die damaligen Bewohner an die Stirn, wozu sie gezwungen wurden, und...

...in den neuen Bundesländern werden diese Scheußlichkeiten inzwischen geschleift- und bei uns sollen diese Monstrositäten errichtet werden??!

9 1

Re: Grün wohnen

du hast recht, so denke die gruenen, nur will nicht jeder diese massenmenschhaltung.

Re: Grün wohnen

Bullshit! "Grün wohnen" bzw. "Grün bauen" bedeutet ein sparsames, resourcenschonendes Gebäude zu errichten. Das bedeutet kein EPS(Erdölprodukt) als Dämmung, wenn möglich Holzkonstruktion(auch für Hochhäuser möglich) statt Stahlbeton, Solarthermie für Warmwasser & Heizungsunterstützung, KWL, Aussenwand- bzw. Dachbegrünung um CO2 zu binden, die Luft zu verbessern und als Isolierung usw. usf.

Re: Grün wohnen

Vor gar nicht allzulanger Zeit haben die Grünen vor der Bildung von monofunktionalen Stadtteilen gewarnt. Heute wird mit dem Argument der Verdichtung das Gegenteil angestrebt. Die Freiraumversorgung in überverdichteten Gebieten bleibt auf der Strecke. Es werden Bürostandorte mit Wohnstandorten verwechselt.

26 3

Re: Grün wohnen

Missverständnis? Die Grüne hat wohl die Plattenbauten in der ehem. DDR als Vorbilder genommen. Dort hieß es damals "Raus aus den alten (privaten!) Häusern und hinaus an den Stadtrand mit frischer Luft und Sonne". Und was wurde daraus? Ein Block nahm dem anderen die Luft und die Sonne weg, es entstanden Wohnsilos wie sie grauenhafter nicht sein konnten. Von kleinen Grünanlagen abgesehen, wurden die Leute in Wohntürme gepfercht, mit kleinen Wohneinheiten. Wollen Sie diese Politik auch bei uns? Übrigens machte man in den westdeutschen Städten fast die gleichen Fehler und steht nun vor dem Probelm, dass dort ein Prekariat wohnt, das so auch viele "Integrationsprobleme" aufwirft. Fazit: Diese "grünen Projekte" sollte man lieber so schnell wie möglich vergessen.

Re: Re: Grün wohnen

sie vergessen eines... die Leute waren froh über ihre wohnungen... kann sich nicht jeder eine Eigentumswohnung leisten, wie sie suggerieren ;)

 
12 3

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    04:00
    Wien
    Steiermark
    Oberösterreich
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    Kärnten
    Vorarlberg
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden