Die etwas anderen Adventmärkte

01.12.2012 | 17:20 |  von Duygu Özkan und Claudia Lagler (Die Presse)

Ohne Kitsch, nicht »punschschwanger« und vor allem nicht draußen in der Kälte: Die neuen Weihnachtsmärkte sind klein, alternativ und bio. Eine Rundschau.

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Sie ist also wieder da, die Zeit der mit Klimbim beladenen Holzhütten, die Zeit, die uns einige Wochen davon abhält, nicht in die Klimbim-Abteilung eines schwedischen Möbelhauses zu investieren. Österreicher mögen die Zeit der Weihnachtsmärkte: Bei einer Umfrage des Instituts „Meinungsraum“ gaben neun von zehn Befragten an, heuer mindestens ein Mal einen Adventmarkt besuchen zu wollen. Nun müssen es aber nicht immer die opulenten Standorte sein, denen auch ohne Weihnachten alle Aufmerksamkeit sicher ist (Wiener Rathaus, Schloss Schönbrunn). Wo der Glühwein genau so schmeckt wie im Jahr zuvor und alles überquillt vor lauter Zimt. Stattdessen fallen – v. a. in Wien – die unprätentiösen Märkte auf, die entweder nur einen Tag lang existieren (passend zum Pop-up-Trend unserer Tage), eine monothematische Auswahl anbieten oder den Weihnachtsmarkt überhaupt von der Straße in beheizte Innenräume verlagern.
In die des Palais Lobkowitz in der Wiener Innenstadt zum Beispiel. Die barocken vier Wände beherbergen drei Tage lang (von 7. bis 9. Dezember) den Weihnachtsmarkt „Gutes vom Bauernhof“. Insgesamt 23 Betriebe aus Niederösterreich, Kärnten, dem Burgenland und der Steiermark bieten ihre Produkte an; Nachhaltigkeit lautet das Motto, und auch sonst wird hier die Funktion eines Weihnachtsmarkts ausgedehnt. Im Palais befindet sich auch das Theatermuseum, die Besucher werden daher animiert, sich auch die Ausstellung anzusehen. Der Eintritt ist an diesen Tagen frei.
Frei ist auch der Zugang zum Heeresgeschichtlichen Museum an diesem Wochenende. Vor dem Museumsgelände findet ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt mit Waffen- und Fechtvorführungen statt – sowie einem historischen Feldpostamt, wo zwei weihnachtliche Sonderbriefmarken (à 0,62 und 0,70 Euro) erhältlich sind.

Seife und Manschettenknöpfe. Premiere feiert heuer der Weihnachtsmarkt im Nibelungenviertel in Rudolfsheim-Fünfhaus, wobei „Weihnachtsmarkt“ die Initiative „Weihnachten auf dem Kriemhildplatz“ auch nicht punktgenau beschreibt. Vielmehr ist es ein Zusammenschluss von über 15 Geschäften zwischen Kriemhild- und Burjanplatz, die am Samstag, den 15. Dezember ein weihnachtliches Programm anbieten. Modedesignerin Julia Cepp etwa bietet neben dem Verkauf aktueller Kollektionen auch Glühwein und Kekse an (Shop „mija t. rosa“), in der Beratungspraxis „Wertschätzungszone“ werden Eltern ermutigt, ihrer Paarbeziehung der Harmonie willen wieder Priorität einzuräumen – als Geschenk für ihre Kinder –, und am Abend lädt die neu gegründete „grätzlgalerie“ zu einer Ausstellung ein. Auch die Druckerei Trinkl lässt am Nachmittag die Türen offen. Motto: „Schau doch vorbei in einer Druckerei“.
Eine „vorweihnachtliche Shoppingsause“, wie es die Veranstalter nennen, findet ebenfalls am 15. sowie am 16. Dezember statt. „Oh Edelstoff!“ nennt sich das Event, das – unschwer zu erraten – von Kreativen und Designern in der ehemaligen Ankerbrotfabrik veranstaltet wird. Die Stimmung im postindustriellen Ziegelsteingemäuer wird nicht „punschschwanger“ sein, versprechen die Veranstalter, und das Weihnachtsgehalt könne hier ganz sicher in außergewöhnlich schöne Geschenke investiert werden. Verglichen zur Sause ist der Designweihnachtsmarkt im Looshaus – schon wieder indoor! – eine Institution (im vergangenen Jahr verzeichnete der Markt 16.000 Besucher). Jeweils an den Wochenenden bis zum 23. Dezember warten hier internationale Designmarken auf, heuer liegt der Schwerpunkt auf ungarischem Design. Der polyglotte Besucher also kann hier, im Vorzeigehaus der Wiener Moderne, exklusive Seifen oder minimalistisch kreierte Manschettenknöpfe finden.
Nun darf bei einer Adventmarktschau der gute Zweck auch nicht fehlen, und diesem widmet man sich auf dem Anton-Karas-Platz in Döbling. An diesem Wochenende findet hier der bezirksintime Markt der örtlichen Volkshochschule statt. Die Betreiber verlangen für die Holzhütten keine Stand- und Stromgebühr, angeboten wird Selbstgebasteltes von der Volkshilfe oder den Schmetterlingskindern. Die Mitarbeiter sind ehrenamtlich vor Ort, der Reinerlös kommt karitativen Organisationen zugute, so auch bedürftigen Familien im Bezirk, denen am Weihnachtsabend Essenspakete übergeben werden.

Dirndlstoff im Gutshof. Der Biomarkttrend spiegelt sich freilich auch bei den weihnachtlichen Ausgaben wider – siehe Markt im Palais Lobkowitz oder auch den Biobauernmarkt in der Freyung, ebenfalls in der Wiener Innenstadt. Dem gelernten Spaziergänger dürften die Standln größtenteils bekannt vorkommen, sind es doch dieselben, die hier während des Jahres auf dem Freyung-Biomarkt ihre Produkte verkaufen (Thum's Schinkenmanufaktur, Biofisch usw.). Nur wird der Markt derzeit mit ein paar Punschstandln weihnachtlich (und gar nicht kitschig) aufgewertet.
Auch in Salzburg bietet ein Bauernmarkt besonderes Flair. Zwar gilt der kleine Markt rund um die Kirche in St. Leonhard am Fuße des Untersbergs als besonders liebevoll gestaltet, doch in der Gemeinde Grödig – zu der auch St. Leonhard gehört – gibt es einen weniger bekannten Markt: der Bauernadvent im Gutshof Glanegg. Zwei langgestreckte historische Wirtschaftsgebäude, die zur Mayr-Melnhof'schen Gutsverwaltung gehören, bilden einen schönen Innenhof, in dem Bauern und Kunsthandwerker ihre Tische und Hütten aufstellen. Der Bauernadvent in Glanegg findet immer nur an zwei Wochenenden vor Weihnachten statt (heuer am 8. und 9. sowie am 15. und 16. Dezember).
Industriepunsch oder der übliche Schnickschnack aus Massenproduktion ist hier verpönt. Der Bauernadvent ist vielmehr eine Adresse für Feinschmecker und jene, die besondere, handgefertigte kleine Geschenke und Unikate suchen. Bunte Taschen aus Dirndlstoffen findet man ebenso wie Strickmützen und selbst gemachte Marmeladen. Viele Besucher kommen v. a. auch aus kulinarischen Gründen: An den beiden Adventwochenenden werden Wildspezialitäten aus den Mayr-Melnhof'schen Revieren verkauft. Christbäume gibt es in Glanegg übrigens auch – aus heimischen Wäldern.

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Im Theatermuseum im Palais Lobkowitz (Lobkowitzplatz, 1010 Wien) findet am 7., 8. und 9. Dezember der „Gutes vom Bauernhof“-Markt statt. Bäuerliche Spezialitäten gibt es auch auf der Freyung, wo der traditionelle Biomarkt derzeit Gesellschaft von Punschständen erhält. In Salzburg bietet der Bauernadvent in Glanegg – in der Mayr-Melnhofschen Gutsverwaltung – an zwei Wochenenden ebenfalls Produkte aus der Region an (am 8. und 9. sowie am 15. und 16. Dezember).
Weihnachtsmärkte finden – siehe Palais Lobkowitz – nicht nur draußen statt. Im Nibelungenviertel in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus haben sich über 15 Geschäfte zusammengeschlossen und bieten am 15. Dezember in ihren Räumen ihre Produkte an – mit Glühwein und Keks. Designer und Kreative sind indessen in der ehemaligen Ankerbrotfabrik zu finden. „Oh Edelstoff!“ heißt die Veranstaltung, die am 15. und 16. Dezember über die Bühne geht. Der Designmarkt im Looshaus hingegen ist in Wien bereits eine Institution (jedes Wochenende bis zum 23. Dezember). Karitativ ist der kleine Markt auf dem Anton-Karas-Platz in Döbling.

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6 Kommentare

... in der Beratungspraxis „Wertschätzungszone“ werden Eltern ermutigt, ihrer Paarbeziehung der Harmonie willen wieder Priorität einzuräumen ...

Ah ja. In der Wertschöpfungszone „Wertschätzungszone“ ist sicher der weihachtliche Bär am Steppen.

Und auch sonst sind Plätze eher zu meiden, in denen die "urbanen" Bobo-Kreativniks ihrer Vorstellung der Dekonstruktion von Weihnachten freien Lauf lassen. Dann schon lieber zum Punschstand, wo Eing'spritzte anstatt G'spritzte das Stimmunsgbild prägen. Die sind wenigstens, wie sie sich geben.


So sieht Weihnachten in der EU-Hauptstadt aus

und wenn es nach den EU-Bonzen geht, dann blüht uns auch noch das: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/01/von-der-eu-inspiriert-in-bruessel-steht-der-haesslichste-weihnachtsbaum-der-welt/

Das geometrische Gebilde SIEHT SO AUS, ALS WÄRE es nach den Vorgaben von Barroso, Van Rompuy und Martin Schulz gebaut.

Was für eine Waachbirn schreibt denn bitte sowas?

Re: So sieht Weihnachten in der EU-Hauptstadt aus

die Auswüchse unserer Gesellschaft werden immer kränker.

Frei ist auch der Zugang zum Heeresgeschichtlichen Museum an diesem Wochenende. Vor dem Museumsgelände findet ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt mit Waffen- und Fechtvorführungen statt

Frohe Weihnachten und keine Gewalt wie auch immer in der Weihnachtszeit.

Aber vielleicht werden doch noch manche ermuntert, seinEn PartnerIN mit Fechtstößen zu attackieren...

"seinEn PartnerIN"

Der beste Indikator, daß man ein Posting ignorieren kann.

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