Es wird einmal ein Hauptbahnhof

07.12.2012 | 18:24 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Heute nimmt der Wiener Hauptbahnhof seinen Teilbetrieb auf. Von dem "Haupt" im Bahnhof ist noch wenig zu merken, lediglich ein paar Schnell- und Regionalzüge bleiben stehen.

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Hirschstetten darf sich freuen. Der Stadtteil im 22. Wiener Gemeindebezirk wird zwar nicht in die städtischen Geschichtsbücher eingehen. Aber immerhin können die Hirschstettner von sich behaupten, den neuen Wiener Hauptbahnhof eröffnet zu haben – sofern sie den historischen Moment nicht verschlafen. Denn in der Nacht auf Sonntag um exakt 0.35 Uhr werden die ersten Fahrgäste den Boden des Hauptbahnhofes betreten haben. Dann nämlich, wenn die Schnellbahn S80 von der Station Erzherzog-Karl-Straße in Hirschstetten erstmals auf dem Hauptbahnhof Halt macht und ebendieser seinen Teilbetrieb aufnimmt.

Wobei das weniger über Hirschstetten aussagt, als über den Hauptbahnhof. Gut, es ist ein Teilbetrieb und so richtig fertig ist der neue Bahnhof erst ab Dezember 2014. „Die Funktionen, die jetzt zur Verfügung stehen, sind keine endgültigen und nicht eines Bahnhofs würdig. Es ist noch kein Hauptbahnhof“, sagt dazu Hermann Popouschek, Projektleiter seitens der Stadt Wien kurz vor der Eröffnung.

 

Bäcker statt Shoppingmall

Und tatsächlich macht der Hauptbahnhof – zumindest die vier Bahnsteiggleise acht bis zwölf – in seinem jetzigen Zustand noch nicht viel her. Die Wartehalle erweckt zwar einen, sagen wir, netten und sauberen Eindruck – schwarz glänzende Platten an den Wänden, inklusive Kunstwerk, grauer Stein am Boden. Auch der Vorplatz Süd mit seinen modernen Straßenlaternen, die an Stricknadeln erinnern, eigens kreierten Sitzbetonflächen und speziellen Bodenplatten (die den einfallsreichen Namen „Zug der Zeit“ tragen) ist hübsch. Aber ganz will man damit noch keinen Hauptbahnhof assoziieren. Immerhin hat man sich nach Wien-Mitte und Westbahnhof mittlerweile an das angehängte Einkaufscenter gewöhnt. Im Hauptbahnhof gibt es einen Bäcker und eine Filiale der Wiener Linien. Das Einkaufszentrum folgt Ende 2014.

Immerhin ist selbst der Bahnhof noch lange nicht fertig. Erst vier von zwölf Bahnsteig-Gleisen sind in Betrieb. Ein Durchfahrgleis, das für Güterzüge verwendet wird, ist schon länger genutzt. „Es ist erst die Hälfte fertig, der Rest folgt“, so Papouschek. Auch von den charakteristischen fünf Rauten, die die 470 Meter langen Bahnsteige überdachen, sind erst drei fertig. Neben zwei Schnellbahnlinien, ein paar Regionalzügen und einem Zug nach Bratislava – andere internationale Züge verkehren hier erst ab Ende 2014 – starten an diesem Sonntag auch die Wiener Linien mit ein paar Änderungen. So hat die Straßenbahnlinie D eine Station „Hauptbahnhof Ost“, auch die Busse 13A und 69A erhalten neue Stationen. Für den Individualverkehr wird die verlängerte Argentinierstraße, die 500 Meter lange Gertrude-Fröhlich-Straße, freigegeben, die den Gürtel mit dem Vorplatz Süd verbindet.

 

Bezirke verbinden

Auch diese Straße darf sich – sofern das Straßen tun – eine historische Funktion zuschreiben. Immerhin ist sie die erste, die die beiden Areale verbindet – nach 150 Jahren Eisenbahngeschichte, wie die Wiener Linien gerne betonen. Denn um den neuen Hauptbahnhof herum entsteht derzeit ja auch ein neues Stadtentwicklungsgebiet, das nicht nur die Gegend aufwertet, sondern auch den vierten und zehnten Wiener Bezirk verbinden soll. Nördlich des Bahnhofs, wo sich der einstige Südbahnhof und der provisorische Ostbahnhof befinden, dessen Abriss am Sonntag begonnen wird, wird das Quartier Belvedere Central mit zwei jeweils 88 Meter hohen Türmen von der Signa Holding und der ÖBB-Zentrale sowie einer großen Anlage der Erste Group für 4500 Beschäftigte errichtet. Südlich des Bahnhofs entsteht auf dem einstigen Frachtenbahnhof das Sonnwendviertel mit 5000 Wohnungen – die ersten werden 2013 bezogen –, einem Bildungscampus und dem Helmut-Zilk-Park, der mit sieben Hektar größer als der Stadtpark sein wird. Bis dahin werden aber noch ein paar Jahre vergehen – und der große Auftritt der Hirschstettener vergessen sein.

Zeitplan

9. 12. 2012. Teilbetrieb des Hauptbahnhofs mit Schnell- und Regionalzügen.

Herbst 2013.1160Wohnungen im Sonnwendviertel werden bezogen.

Herbst 2014. Baubeginn des Signa-Projekts im Quartier Belvedere Central.

Dezember 2014.Gesamter Bahnhof und Bildungscampus eröffnen.

2015/2016. Fertigstellung des Erste-Campus im Quartier Belvedere Central.

2017. Fertigstellung Helmut-Zilk-Park im Sonnwendviertel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2012)

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27 Kommentare
 
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Es wird ein Bahnhof sein

und mir wer'n nimmer sein
D'rum g'niaß ma 's Leb'n so lang's uns g'freut.
'S wird schöne Maderln geb'n, und wir werd'n nimmer leb'n,
D'rum greif ma zua, g'rad is's no Zeit.

Schuldenaufbau

Liebe Politiker, sorgt doch erst mal dafür dass die ÖBB wieder in die schwarzen Zahlen kommt statt unsrren Schuldenberg noch weiter zu vergrösen. Jede normale Firma, die so geführt wird wäre schin längst geschlossen worden!

Hat der neue Bahnhof schon einen Namen?

schlage vor: Balkan-West

Und was genau

möchte uns ein "liberaler" mit dieser Äußerung nahe bringen?

Re: Hat der neue Bahnhof schon einen Namen?

Ein weiterer Vorschlag: Deal or no deal?

Soviel ich gehört habe soll es einen Namenswettbewerb mit..

..Volksabstimmung geben. Wäre nur gewesen, diesen durchzuführen, bevor man den Bahnhof ausgeschildert hat. Da Hauptbahnhof sehr irreführend ist, kann ich nur hoffen, dass der Wettbewerb nach gscheiteres zu Tage fördert. Letztendlich wird es aber wohl immer der Zentralbahnhof bleiben, egal wie er am Ende heisst.

Wenn jahrelang Wien Meidling klaglos den Südbahnhof ersetzen kann, für was braucht man dann den unnötigen milliardenteuren Bahnhof?

Weil nur beim Bauen ordentlich Schmiergeld fließt?
Etwas, das bei Normalbetrieb nicht möglich ist?

Re: Wenn jahrelang Wien Meidling klaglos den Südbahnhof ersetzen kann, für was braucht man dann den unnötigen milliardenteuren Bahnhof?

Ja, Meidling hat den Südbahnhof ersetzt. Aber nicht Fernverkehr Westbahnhof + Ostbahnhof + Südbahnhof + allfällige neue Verbindungen. Wollen's das nicht begreifen?

Re: Wenn jahrelang Wien Meidling klaglos den Südbahnhof ersetzen kann, für was braucht man dann den unnötigen milliardenteuren Bahnhof?

Sie Träumer, wir sind ja nicht in Rumänien, sondern in Österreich. Hier gibt es keine Schmiergeldzahlungen. Lobbyismus allerdings schon, aber das ist legal und hat mit Bestechung gar nichts zu tun.

Signa Holding

Die Signa Holding baut zwei 88 m hohe Türme dort. Signa.... Ist das nicht die Firma wo der griechische Reeder Economou beteiligt ist ?- Griechische Reeder die in Griechenland keine Steuern zahlen ? Vielleicht sollten diese griechischen Reeder ihr Geld lieber in Griechenland anlegen oder ihre Finanzen in Ordnung bringen ?

Nebenbei erwähnt...

"die vier Bahnsteiggleise acht bis zwölf" ... es tut so weh....

Re: Nebenbei erwähnt...

Autsch, jetzt hab ich's selbst erst gelesen. Jössas na, ist das so ein Bahnhof wie bei Harry Potter?

Re: Nebenbei erwähnt...

Warum? Weil man die Bahnsteignummerierung nicht davon abhängig macht, wann die Teileröffnung stattfindet?

5

Re: Re: Nebenbei erwähnt...

Nein, weil die '4 Geleise 8-12' 5 Geleise sind!!!!

Re: Re: Nebenbei erwähnt...

Bahnsteige 8 bis 12 = 8, 9, 10, 11, 12. Wie viele haben wir dann?

Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Da hat die mutige Mut-Bürgerin richtig gewählt. SPÖ. Das ist jene Partei, die in Wien für Pulsierung sorgt. Wie Vitamine in einem Apfel, bevor dieser zum Apfelstrudel mutiert ist. Nicht nur das die mutige Mut-Bürgerin beschäftigt ist, nein es bleibt sogar noch Zeit um ihr das Leben mit einem tollen und großen groß Projekt zu versüßen.

Wer sich schon einmal eine Garache gebaut hat, kann viel erzählen, wie schwierig es ist alles in einem zu vereinbaren. Und stellen Sie sich vor - Sie müssten einen Bahnhof bauen. Ganz schön schwierig. Wo fange ich da an?

Da braucht es zuerst einmal einen Plan. Zuerst die Skizze. Dann am Besten geht die Architektin ins Büro - vor ihren Computer, und gibt die Linien in einem modernen CAD Programm ein. Aber richtig - sonst wird das schief. Wenn der Plan fertig ist, muss die Bauunternehmerin angerufen werden. Es ist Hochsession - ist da überhaupt noch ein Termin frei?

Ja meine liebe Leserin Sie sehen schon, es ist nicht einfach, so einen Bahnhof zu bauen. Da geht manchmal sogar noch turbulenter zu, als auf einer Vorrangstraße im Ameisenhaufen.

Ich kann es ja verstehen, dass die Bürgerin auf so ein tolles europaweites Vorzeigeprojekt gespannt wie ein Gummiringerl ist, aber gut Ding braucht Weile.

Aber seien wir uns doch ehrlich: Vorfreude, ist die schönste Freude. Wien - da lebe ich, da geht es mir gut. Denn da ist Häupl mein Bürgermeister. Wien, das bedeutet soziales, kompetentheit und faires.

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Bahnhof bauen = einfach
Deutsch lernen = schwierig

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Michis World: Da existieren nur Frauen, die allesamt SPÖ wählen und glücklich sind.

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

"groß Projekt"
"alles in einem"
"Garache"
"Hochsession"
...
Haben Sie schon einmal daran gedacht, Alphabetisierungskurse zu besuchen?

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

plonk

0

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Sie waren auch schon mal besser!

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

faymann alias michi hat wieder zugeschlagen .

Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Sensationeller Beitrag! Ich ziehe meinen Hut. :-D

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Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Welche Medikation wird ihnen verabreicht?

Re: Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

Bestimmt Fusel beim Branntweiner.

Re: Re: Wien - da ist was los. Für eine pulsierte Stadt.

jedenfalls die Falsche!

 
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Wetter

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