Wiener Hauptbahnhof: "Es hat alles geklappt"

09.12.2012 | 18:21 |   (DiePresse.com)

Der Hauptbahnhof hat den Teilbetrieb aufgenommen. Vorerst hat das nur Auswirkungen auf den Nahverkehr.

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"Ohne Probleme" hat der Wiener Hauptbahnhof am Sonntag den Teilbetrieb aufgenommen. "Es hat alles geklappt", sagte ein ÖBB-Sprecher. Als erster Zug ließ um 0.35 Uhr eine Garnitur der Schnellbahnlinie 80 Fahrgäste am Hauptbahnhof aussteigen. Vorerst halten nur Schnellbahnen bzw. Regionalzüge am Hauptbahnhof. Bis auch Fernzüge halten, dauert es noch: Im Dezember 2014 wird die gesamte Verkehrsstation eröffnet.

Knapp drei Jahre ist es her, dass am ehemaligen Südbahnhof die letzten Züge eingefahren sind. Dann wurde dieser, ebenso wie der dazugehörige Ostbahnhof, abgerissen. Letzterer erhielt einen provisorischen Bau und wurde weiterhin angefahren. Die Rolle des Südbahnhofs übernahm der Bahnhof Meidling.

Der neue Hauptbahnhof ist ein markantes Gebäude mit einem rautenförmigen Dach - wenn es einmal fertig ist. Denn viel ist davon noch nicht zu sehen. Das Areal ist zum größten Teil noch Baustelle. Am Sonntag wurden nur die Bahnsteige neun bis zwölf sowie ein Durchfahrtsgleis in Betrieb genommen. Diese sind über zwei Eingänge erreichbar - bei der Karl-Popper-Straße und über den Vorplatz Süd bei der Sonnwendgasse. Die Eingangsbereiche sind mit dunkelgrauem Stein am Boden ausgestattet. Beim Vorplatz Süd gibt es einen Bäcker, eine Trafik und ein ÖBB-Reisecenter.

S-Bahn-System neu organisiert

Die ÖBB haben die Inbetriebnahme des Verkehrsknotenpunktes dazu genutzt, das S-Bahn-System neu zu organisieren. So wird die S80 von Hirschstetten über den Hauptbahnhof und die Pottendorfer Linie bis Wiener Neustadt durchfahren. Die S60 verkehrt nun von Bruck an der Leitha ebenfalls direkt via Hauptbahnhof nach Hütteldorf und weiter. Diese Linien endeten bisher am provisorischen Ostbahnhof. Auch die Regionalexpresszüge von Bratislava nach Deutschkreutz machen nun am Hauptbahnhof Halt.

Die Teilinbetriebnahme ist laut ÖBB ohne Probleme verlaufen. Am Vormittag kam es zu einige Verspätungen, da zwischen dem - inzwischen ehemaligen - provisorischen Ostbahnhof und dem Hauptbahnhof noch ein Gleis umgeschwenkt werden musste. Um Reisenden weiter zu helfen, verteilten ÖBB-Mitarbeiter in den Eingangsbereichen Info-Broschüren und beantworteten Fragen - von "Wo ist das WC?" bis hin zu "Wie finde ich bitte meinen Zug? Das war vorher schon einfacher".

Schwierigkeiten hatte so manch ein Reisender auch, die Haltestellen der U-Bahnlinie U1 und der Straßenbahnlinie D zu finden. Um zur Bim zu gelangen, muss der ostseitige Eingang des Bahnhofs bei der Karl-Popper-Straße verwendet werden. Die Linie D wurde um eine Station verlängert und fährt ab heute direkt dorthin. Die U1-Station "Südtiroler Platz" ist bis 2014 nur oberirdisch vom Vorplatz Süd aus erreichbar. Laut ÖBB beträgt der Fußweg drei Minuten.

Auch für die Benutzer der im Bahnhofsbereich unterirdisch verlaufenden sogenannten Schnellbahn-Stammstrecke ändert sich einiges. Die Station Südbahnhof blieb prinzipiell erhalten. Da dem dazugehörenden Bahnhof dieses Schicksal aber nicht beschieden war, heißt sie nun "Quartier Belvedere". Die nächste Station, einst "Südtiroler Platz", nennt sich nun "Hauptbahnhof".

Der halbe Hauptbahnhof: Ein Rundgang durch den neuen Bahnhof

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Parallel zur Teilinbetriebnahme gehen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof weiter, berichtete der zuständige ÖBB-Gesamtprojektleiter Karl-Johann Hartig. Das Ostbahnhof-Provisorium wird nun abgetragen. In den kommenden zwei Jahren werden die nördliche Halle und weitere acht Bahnsteige in Richtung Südtiroler Platz bzw. Gürtel errichtet. Auch das Einkaufszentrum wird fertiggestellt. Im September 2014, drei Monate vor der Eröffnung der gesamten Verkehrsstation, werden auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern rund 100 Geschäfte ihre Pforten öffnen.

Im Dezember 2014 sollen dann auch Fernzüge in der zentralen Station halten. Ein Jahr später, 2015, sollen die Arbeiten am gesamten Bahn-Infrastrukturprojekt beendet sein. Züge werden dann in allen Richtungen abfahren bzw. aus allen Richtungen ankommen.

Der Wiener Hauptbahnhof gilt als Prestigebauprojekt der ÖBB und ist ein Durchzugsbahnhof. Die Verkehrsstation samt Einkaufszentrum wird auch als "BahnhofCity" bezeichnet. Rund um das Areal entsteht zudem ein neues Stadtviertel mit Büro- und Wohnkomplexen. Insgesamt werden rund vier Mrd. Euro investiert, wobei die Kosten für den Bahnhof laut ÖBB rund 987 Mio. Euro betragen.

(APA)

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7 Kommentare

"Es hat alles geklappt"

In "Wien heute" und "ZiB" wurde gerade berchtet, dass die Bahnsteiganzeigen nicht funktioniert haben.

Gutes Eröffnungswetter!

Nachdem das Ding bei eher grauslich kaltem und vor allem windigem Wetter eröffnet wird, darf man schon ab dem 1. Tag geniessen, dass sich irgend ein Architekt mit den zugegebener massen cool aussehenden, aber von der Funktion her unsinnigen (weil seitlich offenen) Bahnsteig-Überdachungen verwirklichen durfte.

Und deswegen scheinbar so rückschrittliche und verblödete Konstruktionen wie eine geschlossene und windgeschützte Halle quer über alle Bahnsteige nicht in Frage kommen konnten. Also so etwas, was man oft schon Ende des 19. Jahrhunderts auf Hauptbahnhöfen hatte. Die haben das sogar mit Fachwerk aus Gusseisen zusammengebracht, mit modernen Materialien wäre das ein Klacks. Aber eine Halle wäre für uns ja viel zu wenig cool. Und am Ende wäre das, weil statisch relativ simpel, auch noch billiger gekommen als die Dinger, die jetzt dort stehen - und das hätte ja schliesslich nicht sein können, nicht?

Das sind die Momente, wo man wieder sehr merkt, ob die Leute, die so was bauen lassen, selber Bahn fahren, oder nicht. Im Dienstwagen ist schliesslich geheizt...

Re: Gutes Eröffnungswetter!

Woher kommt eigentlich dieses Klischee vom "sich selbst verwirklichenden Architekten"? Kein Architekt baut ohne Sanktus seines Bauherren.

Abgesehen davon: Bei dem Projekt hat man sich genau wegen des regen Windes - beschweren Sie sich bei den Römern, dass sie hier ein Kastell gebaut haben - gegen eine tonnenförmige Bahnsteigüberdachung entschieden: Weil dann der Wind, häufig aus Osten kommend, erst recht kanalisiert worden wäre mit bekannten Effekten.

Die mehr oder weniger windstillen Bahnhofshallen des Industriezeitalters haben eins gemein: sie sind Kopfbahnhöfe, da kann braucht man nur eine offene Seite und es kommt zu weniger Durchzug.

Re: Re: Gutes Eröffnungswetter!

Die klassischen Bahnhofshallen aus den vorigen beiden Jahrhunderten sind mitnichten alles Kopfbahnhöfe: Prag, z.B., oder Köln - überdachte Bahnhöfe mit riesiger Halle und Geleisen in beide Richtungen. Und in diesen Hallen zieht es auch nicht extrem.

Nachdem der Bau des neuen Bahnhofs jetzt stattgefunden hat, mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Materialien und technischen Mitteln, hätte man sich eben etwas überlegen müssen. Beispielsweise eine spezielle Form die den Durchzug mindert, oder Tore bzw. nur enge Durchfahrtsöffnungen an einer oder beiden Seiten der Halle.

Bei uns in Österreich sind im Schnitt 4 der 12 Monate Sauwetter, bei dem man nicht auf einem Bahnsteig im Freien warten will. Und die wie gesagt durchaus optisch hübschen neuen Dächer laufen genau darauf hinaus, dass man (fast) im Freien wartet. Es ist schon klar, dass nicht jeder Bahnhof im Land eine überdachte Halle bieten kann, aber der größte Bahnhof des Landes? Der noch dazu praktisch ohne Einschränkungen neu auf die grüne Wiese gestellt werden konnte? Sich da nichts in puncto Witterungsschutz zu überlegen ist schon ziemlich schwach.

Zukünftige "Verkehrsmitteilungen"

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Fazit der kommenden Postings:

Blablabla Prost Michl blablabla keine U-Bahn blablabla Wind blablabla ÖBB-Geldverbrennung.

Und jetzt ernsthaft: Gut gelungen. Im Gegensatz zum Skylink wenigstens ein bisschen Farbe, hochwertige Materialien. Richtige Wartebereiche im Erdgeschoß, eine spektakuläre Dachlandschaft oben. Und im Zeit- und Kostenplan bewegt sich's auch noch.

Kann man momentan nicht viel dran aussetzen, wird halt noch interessant, wie das Erdgeschoß dann mit der Halle fertig aussieht. Schön, dass nach all den Skandalen (Flughafen, Prater,...) mal was gelingt.

Re: Fazit der kommenden Postings:

Ja, wirklich, gut gelungen, besonders, dass die Dachlandschaft oben ist, wie Sie scharfsinnig beobachtet haben.

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