Nach Vergewaltigung in U6: Wie sicher ist die U-Bahn?

20.12.2012 | 11:08 |  MIRJAM MARITS UND DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Der Verdächtige wurde gefasst. Die Überwachung wird ausgebaut, in Notfällen kommt es aber auf die anderen Fahrgäste an. Diese wolle man offensiver aufklären, wann der Notruf bzw. die Notbremse zu bedienen sind.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Immer noch scheint es unvorstellbar, dass eine Frau zur Hauptverkehrszeit in einem Wagon der U-Bahn-Linie U6 vergewaltigt wurde. Der 25-jährige Obdachlose, bei dem es sich laut Polizei „zu 100 Prozent“ um den Täter handelt, konnte in der Nacht auf Mittwoch in der Grazer Innenstadt verhaftet werden. Ein Mann hatte ihn aufgrund des Fahndungsfotos erkannt.

Mehr zum Thema:

Am Mittwoch wurde der Verdächtige nach Wien überstellt, mittlerweile sitzt er in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in U-Haft. Befragt wird der Mann am Freitag (> Mehr dazu).

1. Wie konnte eine Vergewaltigung in überwachten Zügen passieren?

Die Wiener Linien werden mithilfe von 1500 Kameras in den Stationen und 2500 in den U-Bahnen überwacht. Die Überwachung erfolgt nicht „live“, das heißt, dass die Mitarbeiter das Geschehen nicht in Echtzeit beobachten. Das sei bei 4000 Kameras nicht möglich, sagt die Sprecherin der Wiener Linien, Anna Maria Reich. Nur, wenn ein Fahrgast den Notruf betätigt, werde auf dem Aufnahmeband ein „digitales Merkzeichen“ gesetzt. Auch dann wird nicht „live“ geschaltet, sondern lediglich weiter aufgenommen. Im Falle eines Notrufes wird auch die Leitstelle in der Station alarmiert (diese ist immer besetzt), sowie auch der Fahrer – er muss gegebenenfalls eingreifen. Laut Reich sind die 500 U-Bahn-Fahrer für solche Situationen geschult.

Die Aufnahmen der Überwachungskamera werden von den Wiener Linien nach 48 Stunden aus Datenschutzgründen gelöscht. Wurde der Notruf also nicht bedient und ist etwas passiert, ist rasches Handeln gefragt, sagt Reich. Wie in diesem Fall: Dank der Videoaufzeichnung konnte die Identität des mutmaßlichen Täters rasch festgestellt werden.

2. Welche Konsequenzen ziehen die Wiener Linien?

Die Wiener Linien gaben am Mittwoch bekannt, die Videoüberwachung ausbauen zu wollen. Derzeit werden drei von vier U-Bahnen überwacht. Jene vier Züge, die pro Jahr neu erworben werden, sind ohnehin mit Kameras ausgestattet. Zudem wolle man die Fahrgäste offensiver darüber aufklären, in welchen Situationen der Notruf bzw. die Notbremse zu bedienen sind. Denn da die U-Bahnen und Stationen nicht „live“ überwacht werden, sind es die Fahrgäste, die Notfälle sehen und darauf reagieren müssen. Lieber einmal mehr bedienen, als gar nicht, meint Reich. Allerdings konnte jene junge Frau, die am Montag in der U6 vergewaltigt wurde, den Notruf nicht betätigen, weil sie der Täter schlug, dann würgte – und von Alterlaa bis zur Station Philadelphiabrücke keine weiteren Fahrgäste im Wagon waren. Grund dafür war der kurze Intervall zwischen den U6-Zügen: Die Garnitur kam gerade aus der nahe liegenden Remise und fuhr nur mit wenigen Minuten Abstand hinter einem weiteren Zug der U6, in den die meisten Fahrgäste gestiegen waren.

3. Wie wirkt sich dieser Fall auf das subjektive Sicherheitsgefühl aus?

Langfristig gar nicht, sagt Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer. Zwar werde eine Vergewaltigung – die erste, die jemals in Wiens öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt geworden ist – zur Rushhour in einer U-Bahn „natürlich als bedrohlich wahrgenommen“, so Ehmayer. Das würde sich aber nach einiger Zeit legen, das subjektive Sicherheitsgefühl langfristig nicht sinken. Ähnlich sieht das Juliane Stark vom Institut für Verkehrswesen (Boku Wien). Stark betreut derzeit eine Studie über sexuelle Übergriffe in Verkehrsmitteln. Dabei habe sich gezeigt, dass Frauen, die in einem Verkehrsmittel sexuell belästigt werden, dieses zunächst meiden, nach einiger Zeit aber meist wieder nutzen. Nach einem „Presse“-Bericht über die Boku-Studie haben sich 40 weitere Opfer sexueller Belästigungen gemeldet. Die insgesamt 60 Frauen wurden eingehend interviewt, einige haben bis zu fünf Übergriffe erlebt. „Das reicht von einer Anmache auf dem Bahnsteig bis zu tätlichen Übergriffen.“ Die Studienergebnisse werden vermutlich im Februar publiziert.

4. Wie geht es der Frau? Welche Hilfe gibt es für Opfer?

Die 23-Jährige wurde aus dem Spital entlassen und wird weiter psychologisch betreut. Psychologische Hilfe wird allen Vergewaltigungsopfern angeboten, die sich bei der Polizei melden. Die Einvernahme wird von eigens geschulten Beamtinnen durchgeführt, das Opfer kann eine Vertrauensperson mitbringen. Die Polizei stellt auch Kontakt zu psychosozialen Diensten her. Betroffene können sich auch an die bundesweite Notrufnummer (0800 112 112) wenden, an den Wiener Verein Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen (01/523 22 22) oder den Frauennotruf (01/71 71 9). Die Wiener Frauenhäuser bieten zudem auch räumlichen Schutz (05 77 22).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

133 Kommentare
 
12 3 4

Parksherriffs

Wenn es die Stadt Wien ernst meint, könnte sie ein paar der Parksherrifs in die UBahn abkommandieren. Aber dann kann man die Autofahrer nicht mehr so effizient abzocken.

0 0

Ich bezweifle,

dass der wegen Vergewaltigung in Österreich hart bestraft wird...
Wenn man wirklich eine harte Strafe möchte, müsste man ihn nur in die USA abschieben und den Behörden dort sagen, dass er 2 Lieder aus dem Internet geladen hat...


Seit Bestehen der UBahn die erste Vergewaltigung

Ein furchtbarer Fall, die junge Frau hat mein Mitgefühl, sie möge rasch darüber hinwegkommen. Sie ist allerdings wahrhaftig ein Einzelfall. Jetzt von unsicheren Öffis zu sprechen, ist einfach hysterischer Unsinn.

6 1

Natürlich - noch mehr Kameras

Dieser Reaktion war ja zu erwarten.

Glaubt irgendwer bei den Wiener Linien, dass doppelte so viele Kameras einen Verrückten abschrecken werden ?

Das Geld wäre besser investiert, wenn man Menschen anstellen würde anstelle noch 10000 Kameras anzuhängen. Ein Angestellter hätte eventuell das Schlimmste verhindern können, aber die Ausforschung des Täters, das hilft dem Opfer so gut wie gar nichts.


"hmaaaaa-asoooablödeFrage ! "

? was hat denn die Sicherheit einer U-Bahn mit dem Wahnsinn eines Sinnesgestörten zu tun ?

...solche Volltrottln gips eh in jedem Gemeindebau...

Re: "hmaaaaa-asoooablödeFrage ! "

da bräuchten wir demnach auch keine polizää, weils es eh überall sowas gips?

1500 Cameras- bitte lächeln-bei Überfall oder Vergewaltigung.

Die Notbremse kannst wohl nimmer betätigen wenn dich dein Gegenüber würgt oder vergewaltigt.

Die Täter lassen sich durch keine Videocamvon ihrem Vorhaben abhalten, das wissen wir spätestens seit letzter Woche.

Und dass der Täter aufgrund guter Aufnahmen DANACH gefunden werden könnte, ist wohl für jedes Opfer ein schwacher Trost.


Re: 1500 Cameras- bitte lächeln-bei Überfall oder Vergewaltigung.

Die meisten potentiellen Täter werden aber mit Sicherheit alleine dadurch vor der Tat abgeschreckt weil sie damit rechnen müssen bei der Tat gefilmt zu werden und danach sehr rasch gefasst werden würden.

Re: 1500 Cameras- bitte lächeln-bei Überfall oder Vergewaltigung.

aber du willst die Kameras weglassen, dass er nicht erwischt wird...
Vielleicht willst du auch mitmachen....

Dumme Frage

"Nach Vergewaltigung in U6: Wie sicher ist die U-Bahn?"

Antwort: Genauso sicher oder unsicher wie vorher!

19 2

"In Notfällen kommt es aber auf die anderen Fahrgäste an."

Nur blöd, dass wir in einer Gesellschaft leben, die gedrillt wird, nicht selbst zu denken, alles dem Gesetzgeber zu überlassen und sich demnach ja nicht einzumischen. Denn jegliche Eigeninitiative, und sei es nur der Ansatz eines Nachdenkens, kann nur in Problemen enden.

14 6

Wien angeblich lebenswerte Stadt überhaupt

und dank der Grünlinge welche (nicht mit solchen fahren müssen sondern mit Begleitschutz in Limosinen kutschiert werden) solch Täter sogar noch beschwichtigen weils angeblich arm sein sollen, und deshalb gratis fahren dürfen bis das nächste Opfer bereit ist, häufen sich derartige Meldungen schon sehr bald.

Re: Wien angeblich lebenswerte Stadt überhaupt


diese vorfälle sind sicher ein enormer ansporn vom pkw auf öffis umzusteigen.

6 3

Super wäre es, wenn von allen Tätern so gute Photos veröffentlicht würden.


Re: Super wäre es, wenn von allen Tätern so gute Photos veröffentlicht würden.

naja das dann wie in ein paar Staaten der US.
da werden vor den Häusern von verurteilten Sexualstraftätern Warnschilder aufgestellt.

Re: Super wäre es, wenn von allen Tätern so gute Photos veröffentlicht würden.

Stimmt. Denn Abschreckung ist das einzige Mittel gegen Verbrechen.

Ich stimme zu, dass das von der Staatsanwaltschaft fast zum Kavaliersdelikt degradierte Verbrechen "Vergewaltigung" besser verfolgt gehört. Aber dazu sind folgende Schritte vorzuziehen:

1.) Mehr Anstrengungen bei der Verfolgung und Überführung von Tätern seitens Exekutive und Jurisdiktion

2.) Ursachenforschung

Und spätestens bei 2) wäre aber wieder irgendwann die Politik am Pranger.

Re: Re: Super wäre es, wenn von allen Tätern so gute Photos veröffentlicht würden.

stimmt leider nicht

usa: in etlichen bundesstaaten todesstrafe, trotzdem hohe mordrate

hier ist die politik gefragt; einer der ganz unten ist und nichts mehr zu verlieren hat (psychisch, finanziell, wie auch immer) wird sich weder von todesandrohung noch warnschildern abhalten lassen

Sicherste Millionenstadt

Bürgermeister Michael Häupl: "Wir können stolz sein, dass einmal mehr bestätigt wird, dass Wien die sicherste Millionenstadt der Welt ist."

Derzeit hört man aber rein nichts von den Kommunisten Häupl, Fischer, Prammer und Vkuh - zu gar keinem der vielen Themen.

Endzeitstimmung bei den Verrätern des Abendlandes.

Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

Also bitte getrennte Waggons und dann haben die Frauen endlich Ruhe vor zudringlichen, also 100 % Männer!

Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

Also das ist ja der größte Blödsinn den ich je gehört habe....

Re: Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

Ach?
Sie sind also neu in diesem Forum.

Re: Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

Beleidigen Sie bitte die Dame nicht.

Re: Re: Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

Danke!
Wenigstens einer, der gutes vorzeigbares Benehmen zeigt!

0 0

Re: Re: Re: Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

reingefallen

0 0

Re: Re: Re: Re: Wenn man Männer und Frauen trennt, dann kann das gar nicht passieren.

reingefallen.

17 6

Wie sicher ist die U-Bahn?

Mein Gott, was soll diese Diskussion? Das kann ÜBERALL passieren! AUch in der Strassenbahn. Oder im Park. Oder am Gang Ihres Wohnhauses.

Der Dame Gute Besserung!

 
12 3 4

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    04:00
    Wien
    10°
    Steiermark
    10°
    Oberösterreich
    10°
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    10°
    Kärnten
    10°
    Vorarlberg
    10°
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden