Bettler in Wien: Organisiert ja, kriminell nein?

21.12.2012 | 18:42 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Vor Weihnachten steigt die Zahl der Bettler. Doch verdienen Hintermänner an den Spenden? Polizei und BettelLobbyWien sind sich völlig uneins.

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Wien. Sie sind im Moment kaum im Alltag zu übersehen. Männer und Frauen, viele davon verkrüppelt, die mit nach Mitleid heischendem Blick und Schildern um Geld betteln. Rechtzeitig vor Weihnachten sind die Bettler wieder zurückgekommen. Gefühlt weit mehr Menschen als sonst bevölkern im Moment Wiens Straßen. Viele davon sprechen kaum Deutsch.

„Derzeit sind viele Rumänen und Bulgaren bei uns“, sagt Ulli Gladik, die selbst fließend Bulgarisch spricht. Die Regisseurin hat 2008 eine Dokumentation über Obdachlose gedreht, damals begleitete sie eine Bettlerin in Graz bis in ihre Heimat nach Bulgarien.

Die Krise, sagt die Regisseurin nun, hätte die beiden Länder besonders stark getroffen, gleichzeitig sei es schwierig, dort an Sozialleistungen zu kommen. „Also machen sich viele auf, um bei uns Arbeit zu suchen und zu betteln.“

Auch ihr Kollege Ferdinand Koller von der BettelLobbyWien bestätigt, dass sich derzeit mehr Bettler in Österreich aufhalten. Freilich nur geschätzt, offizielle Zahlen, sagt er, gibt es dazu nämlich nicht. „Weihnachten ist aber sicher die einträglichste Zeit“, sagt Koller. Das sei bei Spendenorganisationen ja genauso. Besonders um Bahnhöfe und in Einkaufsstraßen ortet er derzeit mehr Bettler. Eben dort, wo besonders viele Menschen herumlaufen.

 

Sie kommen in Gruppen

Trotzdem will er den Bettlern keine kriminellen Machenschaften unterstellen. Auch wenn gewisse Vorurteile in der Bevölkerung durchaus nahe einer Berechtigung liegen. Aber eben nur fast. „Die kommen natürlich in Gruppen“, sagt Koller, aber dahinter stehe niemand, der danach das Geld absammle. Anders gesprochen: „Sie organisieren sich, aber sie sind nicht kriminell.“ Viele der Bettler hierzulande seien Familien aus Rumänien oder Bulgarien. Sie kommen in Fahrgemeinschaften und finden hier gemeinsam Unterkünfte. Aber dahinter stecke keine „Mafia“. Das erklärt auch Gladik, die sich für ihren Film extra auf die Suche nach der Bettelmafia gemacht hat. „Es kann sie geben, gefunden habe ich sie nicht“, sagt Gladik. Auch andere, die sich mit dem Thema befasst hätten, seien auf nichts gestoßen.

Spricht man mit der Wiener Polizei, hört sich das alles ganz anders an. „Natürlich gibt es organisierte Bettelei in Wien, das können wir bestätigen“, sagt eine Sprecherin der Wiener Bundespolizeidirektion. Immer wieder würden Hintermänner verarmte Menschen aus dem Ausland nach Österreich bringen und sie zum Betteln auf die Straße setzen. Abends werden sie in Massenquartieren untergebracht. „Das Geld müssen die Bettler dann abliefern. Deswegen wollen die meisten Geld“, sagt die Sprecherin. Besonders gern werden Frauen mit Kindern hergebracht, ebenso viele verkrüppelte Menschen. Von einer Bettelmafia will man aber auch hier nicht sprechen: „Das ist einfach organisierte Kriminalität.“

 

Geld absammeln

Gladik will das alles nicht gesehen haben. Sie berichtet von ganzen Dörfern, die nichts haben. Wo Familienmitglieder sich abwechselnd aufmachen, um für mehrere Wochen im Ausland um Geld zu bitten. Je nachdem, wer gerade Zeit hat, geht mit. Manchmal die Mutter mit der Tante, manchmal die Tante mit der Tochter. Die vielen verstümmelten Menschen auf der Straße erklärt Ferdinand Koller wiederum damit, dass Leute eben nur etwas hergeben würden, wenn sie sehen, dass jemand arm sei.

Ein generelles Bettelverbot gibt es in Wien jedenfalls nicht. Auch wenn „gewerbsmäßiges Betteln“ seit 2010 verboten ist. Das rief zahlreiche Kritiker auf den Plan, die darin – gemeinsam mit anderen Formen von Bettelverboten – ein allgemeines Bettelverbot sahen. Die „stille Bettelei zur Überbrückung einer Notlage“ sei weiterhin erlaubt, entschied der Verfassungsgerichtshof nun im November.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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39 Kommentare
 
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Null Cent für die Mafia,

dafür gezielt für Projekte spenden, die uns Österreichern zugute kommen!

Nichts geben

Wären wir alle bereit den Bettlern nichts zu geben, würden die organisierten Banden über kurz oder lang weiterziehen, da sie dann einsehen, dass nichts zu holen ist.

Ansonsten können sich alle an die Caritas oder sonstige Organisationen wenden und es wird jedem weitergeholfen, sollte es notwendig sein.

Und uns wird eingeredet,dass das alles normal und zu tolerieren sei?

He-vor ein paar Jahren gabs so gut wie keine professionellen Bettler- ja,es gab ein paar Sandler-aber die bettelten nicht,die bekamen ja ihr Essen bei gewissen Institutionen. Aber was jetzt abgeht- diese Zwangsbeglückung mit Musik in den U-Bahnen, dieses lächerliche "Alles Gute"- Gemecker an jeder Ecke, die knienden jungen Männer mir vorwurfsvollem Blick........HerrGott nochmal- ich möchte mich schämen, wenn ICH will und nicht andauernd zum Schämen gezwungen werden,weil mich das hundertste Bettelweib irgendwo um Geld angeht. Ich hab das sowas von satt, diese professionelle Mafia aus Osteuropa-und dafür verlangt die Gemeinde Wien auch noch für alles Gebühren????????

In Graz....

...ist das um nichts besser, trotz des Bettelverbotes. Da sorgen eben dümmliche Gutmenschen dafür, dass die Selben, die früher Bettler waren heute das "Megaphon" oder eine andere alte Zeitung verkaufen....

Unter organisierte Bettlerei fällt meiner bescheidenen Meinung nach: Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien

Und die kommen gar nicht erst zu uns, sondern holen sich die Milliarden aus unserem Bruttosozialprodukt.

Re: Unter organisierte Bettlerei fällt meiner bescheidenen Meinung nach: Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien

nicht aus deinem!

die bettler sind orga.nisiert,

aber so wirklich krim.inell sind unsere p.olitiker, die dieses unw.esen seit jahren zula.ssen

Re: die bettler sind orga.nisiert,

"Kampf gegen das Bettlerunwesen" war damals Programm der Nationalsozialisten

Österreich: Sozialamt der Welt.

Ja, wenn es Österreich, das Sozialamt der Welt, nicht gäbe....
Das spricht sich natürlich auch in der grossen, weiten Welt herum.

wenn sie zu geizig sind um etwas zu geben - lassen sie´s halt.

frohe weihnachten.

Organisiert ist kriminell auf alle Fälle

Oganisierte Bettelei ist so oder so kriminell, wenn auch nicht immer schwerkriminell.

wieso?

für mich ist es ein demokratisches recht.

Re: Organisiert ist kriminell auf alle Fälle

Blödsinn. Das ist, wie wenn man sich für den Urlaub einen Bus organisiert.

Was hat das mit "Kriminell" zu tun?

Und überhaupt, was stört Sie an Bettlern? Gerade die Ausländer sind meist sehr zurückhaltend und blicken eher verschämt auf den Boden.

Ist wohl eher der Druck, weil Sie nicht die Eier haben, ohne schlechtes Gewissen einfach vorbei zu gehen.

És ist wie mit den

Tauben am Marcusplatz.
Je mehr man ihnen gibt, desto mehr werden es. Deshalb sollte man a) Bettelei verbieten und b) alle Menschen bestrafen, die Bettlern etwas geben.

Und wenn selbst die Bettellobby zugibt:

"gewisse Vorurteile in der Bevölkerung durchaus nahe einer Berechtigung liegen", kann man sich vorstllen wie schlimm es wiklich ist.

Dass hier Menschen versklavt werden, dass ihnen Gliedmaßen gebrochen und verdreht werden (bringt mehr Spenden)....
Wer so etwas deckt und schön redet ist ein Verbrecher


Re: És ist wie mit den

Na und? Es ist halt wie mit den Postern hier. Je mehr Mist man sie schreiben lässt, desto mehr kommen hierher, um auch ihren Senf abzugeben.

Das ist aber nicht kriminell, sondern normales soziales Verhalten. Schauen Sie mal die Schlange von Menschen an, wenn es mal wo etwas gratis gibt.

Sind die Tauben am Markusplatz für Sie auch Kriminelle?

Die Tauben ...

aber sie bringen Krankheiten und Unrat mit sich.

Kriminell? Vermutlich nicht.

Dennoch sollte jedem klar sein, dass von jedem gespendeten Euro vielleicht einmal 10 Cent an den Bettler gehen.

Aber andererseits ist das vermutlich immer noch mehr als der Betrag, den die professionellen Keiler irgendwelcher dubioser Vereine an die "Bedürftigen" abliefern.
Tatsache ist, dass es sich für diese Organisationen überhaupt erst dann rechnet, wenn eine Dauerüberweisung von über mehrere Monate an Land gezogen wurde.

Da wird's aber höchste Zeit...

...für eine Bettler-Beauftragte.

In der Vorwahlzeit

In der Vorwahlzeit lesen sich solche Artikel viel sanfter, viel umgänglicher - irgendwie silanisiert

Bettler sind nicht kriminell!

Auch wenn Sie dann jemanden Töten wenn er nichts gibt - so wie in Salzburg!
Die Opfer sind in jedem Fall selber schuld!

Re: Bettler sind nicht kriminell!

Und Sie sind kein Tr0ttel! Auch wenn Sie vollkommenen Schwachsinn von sich geben.

Von einer Bettelmafia will man aber auch hier nicht sprechen: „Das ist einfach organisierte Kriminalität"..

und das ist ein unterschied? aha.

Nicht kriminell?

Wenn die von Seiten der Bettellobby lancierte Geschichte stimmen sollte, wären auch Fahrgemeinschaften für die Menschen unleistbar. Es ist nun einmal Fakt, daß die dahinter stehenden kriminellen Organisationen die Betroffenen nur als Humankapital sieht und Kinder absichtlich verstümmelt werden, um später satte Gewinne einstreifen zu können.

Es ist zwar oft hart vorbeizugehen, aber man sollte bedenken, daß jeder gegebene Cent in den Taschen der Mafia landet und selbst auch indirekt für die Verstümmelungen verantwortlich ist. Spenden sind bei anerkannten Hilfsorganisationen, die in den betroffenen Ländern direkt Hilfe leisten, besser aufgehoben.

Frau Gladik

war in Bulgarien so weit so gut. Vor kurzem war in der ARD (WDR) eine Doku zu sehen, warum aus Rumänien so viele Bettler nach Deutschland kommen. Der Bericht war sehr informativ und zeigte sehr wohl, dass hinter den Bettlern reiche (!) Bosse stehen und diese die Bettler bedrohen, sollten sie ohne oder mit zu wenig Geld zurückkehren. Die Bettler müssen das Geld abliefern, ob sie wollen oder nicht und der Boss fährt von einem Dorf zum anderen in einem Straßenkreuzer um das Geld zu kassieren. Die Bettlerlobby wäre gut beraten zuzugeben, dass auch Behinderte geschickt werden, die gar nicht behindert sind. Die ARD zeigte mit versteckter Kamera angeblich Behinderte, die plötzlich hurtig auf ihren gesunden Beinen das Weite suchten. Und die Bettlerlobby soll nicht die Leute auffordern Geld zu geben. Es gibt genug Einrichtungen, die unsere (eigenen) Bettler versorgen und andere (ausländische) Bettler sind auch vor Wiehnachten keine gern gesehenen Besucher. Auch die Großzügigkeit der Österreicher hat Grenzen und man sollte sie nicht überstrapazieren.

Von der Rolle

Wie sehr unsere Gesellschaft inzwischen krankt sieht man daran, dass ausländische Bettler inzwischen sogar einen Verein Namens Bettellobby haben.......

Bitte liebe Vereinmitglieder: Geht doch dorthin, woher die Bettler kommen und kümmert euch dort, auf eure Rechnung und Gefahr, um diese Leute, wenn ihr schon so ein großes Sendungsbewußtsein habt.

nichts geben

dann ist das schnell vorbei. ohne einschaltung der staatsmacht.

 
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