U6: Wieder Vergewaltigung

27.12.2012 | 18:21 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Die Polizei fahndet nach einem Mann, der drei Frauen beim Verlassen von U-Bahn-Stationen verfolgt und anschließend vergewaltigt hat. Die Polizei geht bei allen Vorfällen vom selben Täter aus.

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Wien. Und wieder die Linie U6: Die Polizei fahndet nach einem Mann, der mindestens drei Mal junge Frauen beim Verlassen von U-Bahn-Stationen verfolgt und anschließend vergewaltigt hat. Die Polizei geht bei allen Vorfällen vom selben Täter aus, da die Opfer übereinstimmend von der gleichen Vorgangsweise berichteten. So soll der Täter seine Opfer zuerst verfolgt, sie danach von hinten bedroht – und ihnen dann sowohl Bargeld als auch Mobiltelefon abgenommen haben. Danach vergewaltigte er sie.

Der erste Vorfall ereignete sich am 8. November im 9. Wiener Bezirk nahe der Station Michelbeuern, der zweite am 14.November nahe der Station Währinger Straße in Döbling, der dritte am 19. Dezember in Floridsdorf nahe der Station Neue Donau. Der Täter schlug jeweils in den Nacht- bzw. Morgenstunden zu. Direkte Zeugen für die Vorfälle gibt es nicht. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise – der mutmaßliche Täter wird als etwa 168 bis 172 cm großer Mann mit mittelschlanker Statur, dunklem Teint, dunklen Haaren und dunklen Augen beschrieben. Hinweise werden unter der Nummer 01/31310/33310 angenommen.

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Mehrere Vorfälle in der U6

Die U6 stand zuletzt mehrmals wegen Gewalt und sexuellen Missbrauchs in den Schlagzeilen. So wurde am Abend des 17.Dezember eine Frau in einer ansonsten leeren U6-Garnitur vergewaltigt. Der Täter schlug sein Opfer in der Station Alterlaa bewusstlos und missbrauchte es – erst als in der Station Philadelphiabrücke Passagiere zustiegen, ließ der Mann von der Frau ab und floh. Die Fahndung war nach zwei Tagen erfolgreich. Die Polizei fasste den mutmaßlichen Täter, einen 25-jährigen Obdachlosen, in Graz. Er bestreitet die Tat.

In der Nacht auf Sonntag wurde eine 39-jährige Lehrerin in der U6 niedergeschlagen, nachdem sie einer jungen Frau helfen wollte, die von zwei Männern belästigt wurde. Als sie die beiden ermahnte aufzuhören, und dabei an den jüngsten Fall von Vergewaltigung erinnerte, attackierten die Täter die Frau und flüchteten bei der nächsten Station. Die Lehrerin erlitt einen Kieferbruch.

Als Reaktion auf die Vorfälle hat die Polizei zuletzt die Überwachung der U6 und die Bereitschaft verstärkt. Die Wiener Linien appellieren an die Fahrgäste, in gefährlichen Situationen die Notrufeinrichtung zu betätigen – damit kann man mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen und ihn auf Probleme aufmerksam machen. Der kann dann entweder selbst eingreifen – oder die Polizei gleich in die nächste Station bestellen.

Gleichzeitig wird mit dem Betätigen des Notrufs auch ein digitaler Merkpunkt in der Videoaufzeichnung der U-Bahn-Garnituren gesetzt – damit kann der Polizei Beweismaterial übergeben werden, mit dessen Hilfe man den Tathergang rekonstruieren und Verdächtige ermitteln kann.

 

Ausbau der Videoüberwachung

Angst vor Konsequenzen müssen Passagiere, die den Notrufknopf in bedrohlichen Situationen drücken, nicht haben: „Uns ist es lieber, wir werden einmal zu oft als einmal zu wenig alarmiert“, sagt Wiener-Linien-Sprecherin Anna Reich. „Wenn jemand in der U-Bahn umkippt, funktioniert das schon recht gut.“

Eine weitere Konsequenz: Schon nach der Vergewaltigung von vergangener Woche kündigten die Wiener Linien an, die Videoüberwachung auszubauen. Derzeit werden drei von vier U-Bahn-Zügen überwacht – in der U6 sind es bereits alle. Verhindern kann man derartige Vorfälle damit zwar nicht, aber: Einerseits argumentiert man mit der Abschreckung potenzieller Täter. Andererseits kann man damit zumindest im Nachhinein die Täter leichter identifizieren.

Anmerkung der Redaktion
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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