Caritas und "Chaoten": Die Unterstützer der Hungerstreikenden

Rund 30 Asylwerber befinden sich noch in der Votivkirche, ihre Helfer geraten zunehmend aneinander. von Duygu Özkan

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(c) APA HERBERT P OCZERET (HERBERT P OCZERET)

Wien. Nun werden die Türen auf Wunsch der Hungerstreikenden zugesperrt. In der Nacht zumindest, damit die rund 30 Asylwerber in der Wiener Votivkirche – sie befinden sich im Hungerstreik – durchschlafen können. Bisher konnte das offenbar nicht gewährleistet werden: Die Betroffenen wurden durch das Kommen und Gehen mancher Unterstützer und Besucher nervös, zudem wurden einige Falschmeldungen (etwa, dass die Polizei Ausweiskontrollen durchführe) in der Kirche verbreitet. So wird die Situation vonseiten der Caritas geschildert.

Die Unterstützer selbst sehen das anders: Sie verstehen sich als Vertrauenspersonen der Asylwerber, da viele von ihnen den Protest von Anfang an mitgestaltet – und auch mitbestimmt haben.

Helfen wollen beide – Caritas und Unterstützer. Doch zwischen den beiden herrscht oft ein eher frostiges Klima. Zwar schätzt die Caritas, dass die Unterstützer den Hungerstreikenden zur Seite stehen, auf der anderen Seite klagt sie aber auch, dass die Asylwerber für politische Zwecke missbraucht werden. Nur, wer sind diese Unterstützer? Zwar werden die Forderungen der Hungerstreikenden auch von Gruppen, Vereinen und NGOs wie SOS Mitmensch und Asyl in Not unterstützt, sie sind aber nicht direkt in die Organisation und Abwicklung vor Ort involviert. Mitarbeitern der Caritas ist offenbar des Öfteren mitgeteilt worden, dass alle Aktivitäten der Unterstützer mit einem Koordinator, der aus Bayern stamme, abgeklärt werden müssen. Bei einem Lokalaugenschein in der Kirche lässt sich dieser jedoch weder ausfindig machen noch gibt es Informationen zu seiner Identität. Von „Aktivisten aus Deutschland“, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner konstatiert hatte – oder „Chaoten“, wie es in einigen Medien hieß, könne gar nicht die Rede sein.

 

Tägliche Plenarsitzungen

Tatsächlich sind viele Unterstützer, die mit Geld oder Decken aushelfen, Pfarrmitglieder, Kirchenbesucher, Studenten, Pensionisten, Anrainer, unabhängige Helfer. So erzählt ein Student, dass er vor einer Woche dazu gestoßen sei. Seither übernachtet er auch bei den Asylwerbern und dient ihnen als Ansprechperson. Mit den anderen „Supportern“, wie er sagt, finden fast täglich Plenarsitzungen statt. Dabei werde diskutiert, wer zum Beispiel die Wäsche der Hungerstreikenden waschen kann. Wie viele Unterstützer aktiv involviert sind, können auch die Involvierten selbst nicht genau sagen. Nur so viel: Auf der Webseite „Refugee Protest Camp Vienna“ wird in der Sparte „Friends“ unter anderem die Initiative „Familie und FreundInnen gegen Abschiebung“ genannt.

Deren Mitglieder stehen auch mit anderen NGOs in Kontakt, wenn es um die Belange der Hungerstreikenden geht. Die Initiative wurde heuer im Sommer gegründet und hat seither z.B. eine 50-stündige Kundgebung somalischer Flüchtlinge im Oktober vor dem Parlament unterstützt. Gründer der Initiative haben auch den Marsch der nunmehr hungerstreikenden Asylwerber von Traiskirchen nach Wien mitorganisiert.

Trafen sich Vertreter der Initiative bisher im Amerlinghaus zum Austausch, wurden diese Treffen während des Protestcamps in den Votivpark verlegt, wie es auf der Facebook-Seite heißt.

 

Virtueller Zuspruch

Unterdessen wird der Protest in der Kirche und im Votivpark – hier befinden sich die Zeltlager der nicht-hungerstreikenden Asylwerber – fortgesetzt. Die Asylwerber befinden sich seit dem 18.Dezember in der Kirche, ihren Protest begannen sie zuvor mit einem Marsch von Traiskirchen nach Wien und der Aufstellung eines Zeltlagers im Park vor der Votivkirche. Am 24. Dezember begann rund ein Dutzend mit einem Hungerstreik, ihre Zahl hat sich auf rund 30 erhöht. Die meisten sind sehr geschwächt, zwischenzeitlich kam es auch schon zu Rettungseinsätzen. Neben den Caritas-Mitarbeitern sind auch zwei Einsatzkräfte der Johanniter vor Ort.

Donnerstagabend wurde von den Unterstützern eine Demonstration organisiert, um auf die Anliegen der Hungerstreikenden aufmerksam zu machen. Der Aufruf zur Kundgebung hat sich im Internet rasch verbreitet. Auch, wenn die aktiven Sympathisanten der Asylwerber wenige sein mögen, auf breiten Zuspruch können sie dank Facebook und Twitter sehr wohl zählen.

Auf einen Blick

Protest. Die Hungerstreikenden in der Votivkirche werden von der Caritas betreut – und von NGOs wie „SOS Mitmensch“ und „Asyl in Not“ unterstützt; diese sind allerdings nicht aktiv in die Organisation involviert. Es sind spontane Unterstützer oder Mitglieder von Initiativen wie „Familie und FreundInnen gegen Abschiebung“, die bei dem Protest aktiv mitwirken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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