"Sans Souci": Vom besetzten Haus zur Luxusbleibe

30.12.2012 | 18:29 |  CHRISTINE IMLINGER (Die Presse)

Mit dem Sans Souci hinter dem Volkstheater hat Wiens nächstes Luxushotel eröffnet. Das markante Gebäude in der Burggasse, das seit 2004 leer stand, hatte davor lange als Schandfleck des siebten Bezirks gegolten.

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Wien. Unverkennbar ist das Gebäude in der Burggasse 2 zum Leben erwacht. Seit die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse hier auszog, stand es leer. Nun, nicht immer ganz leer – seither wurde es einige Male von Hausbesetzern okkupiert. Abgesehen davon zeugten mit Plakaten zugekleisterte und zum Teil eingeschlagene Fenster davon, dass hier nicht mehr viel los war. Im Bezirk wurde das Haus des Öfteren sogar als „Schandfleck“ des Siebten bezeichnet.

Wurde. Denn mittlerweile strahlt das Gebäude einen völlig neuen Charme aus. Die Fassade leuchtet in strahlendem Weiß, über den Fenstern sind violette Baldachine angebracht – und es gehen wieder Menschen ein und aus. Nach fast zwei Jahren, in denen an der prominenten Stelle hinter dem Volkstheater, gegenüber des Museumsquartiers, gebaut wurde, sind die letzten Gerüste verschwunden. Im Erdgeschoß hat vor wenigen Tagen ein Spar-Supermarkt eröffnet. Und vor der großen Eingangstür zum Gebäude steht bereits ein Portier.

 

Der Probebetrieb läuft

Norbert Winkelmayer spricht von einer „Mörderaktion“, während er, der Chef der Sans-Souci-Gruppe, eiligen Schrittes durch Wiens jüngstes Fünfsternhotel führt. Schließlich hat er das Gebäude erst vor zwei Jahren gekauft. Kurz vor Weihnachten wurde der Probebetrieb aufgenommen. Vorerst, so erklärt Winkelmayer, nur mit internen Gästen, um alle Abläufe durchzuspielen, die ersten „richtigen“ Gäste kommen in den nächsten Wochen, offiziell Eröffnung gefeiert wird dann am 30.Jänner.

Was beim Gang durch die Flure besonders auffällt, sind Fotoserien der Künstler Jim Rakete oder Elfie Semotan. „Die Werke stammen teilweise aus meiner eigenen Sammlung“, sagt Winkelmayer. „Selbstverständlich“ seien auch die Lichtensteins oder ein Picasso, die in dem Hotel hängen, Originale: „Alles andere würde nicht zum Haus passen.“ Schließlich solle das Sans Souci anders sein als all die Top-Luxushotels, die derzeit in Wien auf den Markt drängen. Jedes der 63 Zimmer – jedes zweite davon ist eine Suite – sei anders. Darin stehen Sessel von Arne Jacobson neben Antiquitäten, französischen Schränken und Sofas, mitunter 280 Jahre alt.

Die Designhoheit über das Haus hatte das Londoner Büro Yoo, geleitet von Philippe Starck und John Hitchcox, das dazu mit dem Wiener Architekturbüro Werkstatt Wien zusammengearbeitet hat. Das kleinste Zimmer ist 30 Quadratmeter groß, das größte, die Grand Suite, 70. Die Zimmerpreise reichen von 240 bis 2000 Euro pro Nacht.

Winkelmayer spricht vom Sans Souci als „Wiener Interpretation eines kleinen Boutiquehotels“, investiert hat er in Summe 48 Mio. Euro, davon allein 15 Mio. Euro (inklusive aller Nebenkosten) in den Kauf. Das Haus am untersten Ende der Burggasse kehrt damit quasi zu seinen Wurzeln zurück. Es wurde im 19.Jahrhundert als Hotel Höller gebaut, Wiens erstes Hotel mit privaten Bädern, die an die Zimmer angeschlossen waren. Das Gebäude beherbergte ebenfalls das Gasthaus Zum großen Zeisig mit Blick auf die Burggasse. Hier sei die Wiener Gesellschaft ihrem liebsten Zeitvertreib nachgegangen, wie Winkelmayer sagt, nämlich dem „Leut-Ausrichten“, dem Lästern also. Auch die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß wurde dort im Jahr 1858 uraufgeführt.

 

Fitness für 250 Euro pro Monat

Die Wiener Gesellschaft soll sich auch künftig wieder hier treffen. Im Restaurant La Veranda, zum Beispiel. Oder im 450-Quadratmeter-Fitnesscenter samt Spa im Keller. Das steht allerdings nur einer Handvoll Mitglieder zur Verfügung, die sich den Monatsbeitrag von 250 Euro leisten. Noch elitärer ist der Zugang zu den obersten Geschoßen: Diese wurden zu 14 privaten Luxuswohnungen mit Hotelservice ausgebaut.

Neun Wohnungen seien bereits verkauft. „Aber nicht, wie man immer glaubt, nur an Russen“, sagt Winkelmayer. Nur eine davon habe eine kasachische Familie erworben, die übrigen Wohnungen gehören vorwiegend Österreichern und Westeuropäern. Eine dieser Familien, die Käufer des Penthouse, lebt (oder urlaubt) fortan auf der siebenten Etage, mit 360-Grad-Blick über Wien, in einer der teuersten Wohnungen der Stadt. In dem Haus, das man lange nur als verfallenen Leerstand kannte. Als das besetzte Haus in der Burggasse.

Auf einen Blick

Das Hotel Sans Souci wird am 30. Jänner in jenem einst heruntergekommenen Haus in der Burggasse 2 eröffnet, das mitunter „Schandfleck“ des 7. Bezirks genannt wurde. Jedes der 63 Zimmer wurde individuell gestaltet, für die Inneneinrichtung zeichnet das Londoner Designbüro Yoo verantwortlich. Im Hotel hängen auch Originalwerke von Roy Lichtenstein und ein Bild von Pablo Picasso.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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3 Kommentare

In Österreich:...des siebenten...

und nicht des siebten Bezirks.
So viel Zeit muss sein, Frau Imlinger!

Wieder einmal:

Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur manche sind gleicher - viel gleicher sogar!

JEDER einfache Bürger würde sofort bestraft!

2 2

Re: Wieder einmal:

Aha. Vermuten Sie, dass dort illegale Glühbirnen eingesetzt werden?

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