Olympia in Wien: Kosten wären enorm

04.01.2013 | 16:23 |  von Köksal Baltaci (Die Presse)

Sollten sich die Wiener bei der Volksbefragung Anfang März für eine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2028 entscheiden, müsste die Stadt für neue Stadien und Hallen tief in die Tasche greifen.

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Wien. Leichtathletikbewerbe im Ernst-Happel-Stadion? Ruderwettkämpfe auf der Neuen Donau? Und (vielleicht) Schwimmdisziplinen im Stadthallenbad – vorausgesetzt, das Becken ist bis dahin dicht? Bei der Volksbefragung im März werden die Wiener auch gefragt, ob sich die Stadt um die Austragung der Olympischen Spiele 2028 bewerben soll. Bei einem mehrheitlichen „Nein“ dürfte das Thema Olympia in Wien für die nächsten Jahrzehnte vom Tisch sein. Sollte die Bevölkerung der Kandidatur aber zustimmen, stellt sich die Frage, ob Wien überhaupt die Kapazitäten hat, die Spiele auszutragen.

Als große Hürde einer Bewerbung gilt die aktuell unbefriedigende Situation der Sportstätten in der Hauptstadt. Selbst etablierte Veranstaltungsorte wie Happel- oder Dusika-Stadion und die Wiener Stadthalle müssten umgebaut, weitere Hallen und Stadien überhaupt erst errichtet werden. Der Neusiedler See ist zum Segeln zu seicht, denkbar wäre ein Ausweichen ins Salzkammergut (Attersee oder Traunsee). Beachvolleyball wäre wohl ein Fall für die Donauinsel. Ebenso die Ruderbewerbe.

Immer wieder verworfen wurde die Idee der Errichtung einer Multifunktionshalle mit einer Zuschauerkapazität von 15.000 Zuschauern aufwärts. Zwar ist das 2011 eröffnete Multiversum in Schwechat für verschiedene Sportarten geeignet, weist aber eine bescheidene Kapazität (ca. 2800) auf. Dafür fand im zuletzt ausgebauten Eissportzentrum in Kagran (6300 Plätze) im Sommer erstmals ein Handballspiel statt.

Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) rechnet jedenfalls mit positiven Struktureffekten. „London 2012 war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie viel Sommerspiele bewegen können“, meint Generalsekretär Peter Mennel. „Die nötigen Infrastrukturmaßnahmen haben einen langfristigen Effekt auf die Entwicklung des Breiten- und Spitzensports aufgrund verbesserter Trainingsmöglichkeiten. Nicht umsonst üben in England jetzt 750.000 Personen mehr Sport aus als noch vor einem Jahr.“

11,5 Milliarden Euro für London

ÖOC-Präsident Karl Stoss wiederum fordert, die Bewerbung auf die Umsetzungsmöglichkeiten hin abzuklopfen. „Grundsätzlich unterstützen wir jede Art der olympischen Initiative, sofern sie realistische Erfolgschancen verspricht und die finanziellen Mittel für die Bewerbung, Infrastrukturmaßnahmen und Durchführung gesichert sind“, sagt Stoss und spricht die größte Herausforderung für Olympia in Wien an – die Finanzierung.

Olympia 2004 in Athen kostete rund neun Milliarden Euro, London 2012 sogar 11,5 Milliarden, allein 20 Millionen wurden für die Kandidatur ausgegeben. Die Bewerbung von München für die Spiele 2018 ist mit 33 Millionen veranschlagt.

Angesichts solcher Summen wartet die ehemalige Wasserspringerin Anja Richter, die vier Mal an Olympischen Spielen teilgenommen hat und seit 2009 Referentin im Kabinett des Sportministers Norbert Darabos (SPÖ) ist, mit einem ungewöhnlichen Vorstoß auf: Wien solle sich nicht eigenständig, sondern länderübergreifend mit anderen Städten – etwa in Kroatien, Slowenien oder Italien – bewerben.

„Noch lieber wäre mir eine Bewerbung als Europäische Union mit Wien als Hauptaustragungsort – als Zeichen für den europäischen Gedanken“, sagt Richter, die bei der Euro 2008 Pressesprecherin des Wiener Organisationskomitees gewesen ist. „Vergangene Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball haben gezeigt, dass länderübergreifende Austragungen nichts Außergewöhnliches mehr sind.“ Sie rechnet im Übrigen mit einem klaren Votum der Wiener für die Bewerbung. Richter: „Das größte Sportereignis der Welt in der eigenen Stadt zu haben ist eine einmalige Gelegenheit, die sich die Wiener, die ein stolzes Volk sind, nicht entgehen lassen werden.“

„Spekulative Blasen“

Anderer Meinung ist Alexander Ertler, Geschäftsführer von Immobilien.net: „Für Olympia in Wien wird es keine Mehrheit geben, dafür sind die Wiener zu vernünftig. Das hat man schon bei der Volksbefragung über die Weltausstellung (Expo, Anm.) 1991 gesehen.“ Dass es durch Olympische Spiele zu nennenswerten Teuerungen auf dem Wohnungsmarkt komme, glaubt er nicht, „da die Aufwertung einer Gegend von verschiedenen Faktoren wie Freizeit-, Verkehrs-, Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur abhängt. Neue Sportstätten allein reichen dafür nicht.“ Lokal könne es im Vorfeld zwar spekulative Blasen geben, „diese werden aber nach den Spielen platzen“.

Wiener Volksbefragung
Im März wird in Wien die mittlerweile achte Volksbefragung abgehalten. Die Wiener werden zu den Themen Parkraumbewirtschaftung, Olympische Sommerspiele, Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und Bürger-Solarkraftwerke um ihre Meinung gefragt.

>> Zur Übersicht der Fragen

Analsyen zu den Themen der Befragung:

- Parken
- Olympia
- Privatisierungen
- Bürgerkraftwerke

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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123 Kommentare
 
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Olympia in Wien: Kosten wären enorm

Mich wundert, dass sich das Volk in Österreich diese "Alibipolitik" so viele Jahre gefallen lassen hat !
Es sind doch 95 % nur
- Ablenkungen von den wirklichen Themen,

- Vertuschungen krimineller Handlungen von Politikern

Was arbeiten diese Politiker eigentlich ?? und
was arbeiten die Parteimitglieder in den öffentlichen Stellen ??

Es verwaltet sich doch nur die Verwaltung selbst !!

Wenn man vom Ausland zurückkommt, dann sieht man den angerichteten Scherbenhaufen !

Das österreichische Volk ist schon "betriebsblind"!!

Schwachsinn!

Man verbrennt Geld fürs IOC, die sich dann dumm und dämlich verdienen.

Re: Schwachsinn!

Haben wir nicht tüchtige Leute im ÖOC?

Re: Re: Schwachsinn!

Toll. Und mit so einem guten Ruf!

Ersatzlos einsparen sollte man diese 9 Bundesländer!

Seit dem EU Beitritt sind sie überflüssig!
80% der Gesetze kommen schon aus Brüssel. Das kleine Österreich verwaltet weiterhin jede politische Funktion gleich 10 fach!
Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufagen in den Ländern.

Ob eine Olympiade in Österreich stattfinden soll, kann die Bundesregierung alleine entscheiden. Schließlich muss der Bund das alles auch bezahlen.

Re: Ersatzlos einsparen sollte man diese 9 Bundesländer!

Auch meine Meinung lieber Huber !

In Österreich ist man jedoch größenwahnsinnig ! Man fängt mit unsinnig
großen Sachen an, statt zuerst mit kleinen zu beginnen, z.B.

1. Die Bezirke in Wien
Mit welcher Begründung benötigt man in Wien, für 1,7 Mio in jedem Bezirk einen Magistrat, wenn in München für 1,4 Mio nur
1 (ein)!! Magistrat notwendig ist ?

2. Diese komplizerte EDV-Installation über die Gesundheitscard.

Warum muss man eine derartig unausgegorene Konstruktion im Gesundheitswesen machen, die eine
jahrelange "Beschäftigungstherapie" der Beamten zur Folge hatte ?
Warum hat man nicht mit einfachen Dingen, wie
einer Zahnarzt-Bonuscard angefangen ?
Diese Karte verlangt vom Bürger, dass er einmal im Jahr zum Zahnarzt geht und seine Zähne befunden lässt. Hat er in den letzten 10 Jahre die Stempel lückenlos und er benötigt einen Zahnersatz, dann bekommt er 100 % erstattet, sonst eben nur entsprechend der letzten lückenlosen Anzahl der Besuche, z.B. bei 5 Jahren infolge, nur 50 %.

Ich möchte Dir lieber Huber nicht zu nahe treten, jedoch habe ich in den 2 Jahren, wo ich wieder in Wien bin, einen Hang zum hochstapeln in Wien festgestellt:
Es gibt selten im deutschsprachigen Raum, ein Versicherungsmaklerbüro in Form einer AG. In Ottakring habe ich es gefunden. Es hat kein Jahr gedauert, dann hat es Probleme gegeben und man hat es wieder in eine GesmbH umgewandelt. Das war nur ein kleines Beispiel für den Größenwahn, der auch vor der Politik mit dem Wunsch einer Sommerolympiade

Re: Re: Ersatzlos einsparen sollte man diese 9 Bundesländer!

In Deutschland haben einige Bundesländer mehr Einwohner wie Österreich. Österreich bei 8 Mio 9 Bundesländer und 99 BH´s.

Deutschland mit über 80 Mio Einwohner hat keine 90 sondern nur 14 Bundesländer.....

ich bin

für Olympiade: in SteuerGeld-Verschwendung - Goldmedaille erwartet.

Olympia in Wien: Kosten wären enorm

Der Grössenwahnsinnige könnte dann - bei positivem Umfrageausgang vorausgesetzt-

- die Stadthallenbadmisere richtig vertuschen,

- die sfr Kredite "unterbringen" =vertuschen,

- etc, etc,etc.

Hoffentlich verliert er bei den nächsten Skandalen seine Ämter !! Oder wie lange will man noch von dieser Korruptionspartei zuschauen ??

Ein Ablenkungsmanöver

Ich glaube nicht, dass die Frage bisher ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, sonst hätte man schon längst Diskussionen darüber gehört.
Das ist wahrscheinlich nur eine Ablenkungsfrage ohne wirklich Bedeutung.

Andernseits finde ich, warum nicht Spiele bei uns austragen ? Ja, es kostet wahrscheinlich mehr als es an Einnahmen bringen wird. Trotzdem, es ist kostenlose Werbung für den Fremdenverkehr und nicht zu vergessen auch die Infrastruktur wird verbessert.

Ich könnte dem durchaus was abgewinnen. Und lieber das Geld hier investieren, als in den Moloch EU zur Stützung der Banken und anderen Länder werfen. Auch das ist, für mein Dafürhalten, ein Geschäft, wo nichts mehr zurückkommen wird.

Re: Ein Ablenkungsmanöver

...es würde dem österreichischen Steuerzahler SEHR VIEL MEHR kosten,als durch unser Land eingenommen würde!
d.h. der Werbeeffekt für den Fremdenverkerhr ist NICHT KOSTENLOS !!!
Welche Infrastruktur ,die Sportstätten?
Dann schauen Sie doch einmal nach Athen.
und
Österreich kann sich NICHT aussuchen,ob es sein Geld für eine Mega-Sportveranstaltung oder der EU zur Stützung von Banken oder anderer Länder verwendet.Das Geld wird TROTZDEM gezahlt werden müssen.
Zum Leidwesen unserer Kinder!
Diese Milliarden braucht Österreich DRINGEND für BILDUNG,FORSCHUNG und GESUNDHEIT!!!
Das ist ,mit Verlaub,eine sehr NAIVE Sichtweise

JA zur Olympiabewerbung

Der Tourismus ist sehr wichtig für Österreich! Eine Austragung kostet natürlich viel Geld. Geld, dass aber gut investiert ist:

1. Durch die Verbesserung der Infrastruktur und die Bauaktivitäten entstehen viele Arbeitsplätze; viele davon nicht nur vorübergehend.
2. Ein großer Teil der Infrastrukturinvestitionen bringt nachhaltige Vorteile für Österreich und die hier lebenden oder die Stadt besuchenden Menschen.
3. Tourismus lebt von Bekanntheit. Diese ist nur durch ständige Werbung erreich- und erhaltbar. Wien ist eine großartige Stadt und Olympia wahrscheinlich die beste "Werbeplattform" weltweit.
4. Olympia wäre auch für alle in Österreich lebenden Menschen ein großes gemeinsames Ziel, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken würde.

Denken wir an den großen Werbeerfolg der Winterolympiaden in Innsbruck für Österreich! Vergessen wir auch nicht die vertanen Chancen, wie etwa die Ablehung des Guggenheimmuseums in Salzburg.

Re: JA zur Olympiabewerbung

Ja klar, Stadien bauen und danach wieder abreißen bringt Arbeitsplätze. Da fallen mir aber bessere Projekte ein, um Geld zu verpulvern.

Dass unsere Wassersportler vielleicht irgendwann ein ordentliches Schwimmbecken bekommen, ist der einzige positive Aspekt, der mir dabei einfällt. Der Rest ist einfach nur Wahnwitz.

Re: JA zur Olympiabewerbung

Lieber Wienfan,

ich wäre Ihrer Meinung, wenn es in Wien
eine gesunde wirtschaftliche und finanzielle Situation geben würde !

Blicken Sie doch einmal hinter die Kulissen !!:

- Korruptionen,

- sfr - Kredite

- Stadthallenbad seit langem ohne Einnahmen,

- eine veraltete teure Verwaltung, die sich seit 60 Jahren nur selbst verwaltet,
( z.B. wo gibt es in Europa eine Gebühr
auf die privaten Mietverträge ?
etc,etc,)

- etc,etc,

Stellen Sie sich die Frage, warum man in einer gesunden Wirtschaft wie es die z.B. Schweiz hat, man nicht auf solche Schnapsideen kommt ?

Re: JA zur Olympiabewerbung

welchen Zusammenhalt?
Im Gegenteil,ich glaube nicht,dass der Rest Österreichs erfreut wäre ,wenn für dieses megateure SPORT-EVENT in WIEN, Milliarden an Steuergelder verbraten werden,die in anderen Bereichen(Bildung,Forschung und Gesundheit) in GANZ ÖSTERREICH, dringend benötigt werden.

Vielleicht wollen die RotGrünKommunisten


das Flugfeld Aspern dafür verbauen?

Investoren finden sie ja keine, die dumm genug sind um dort für Neuösterreicher Wohnungen zu bauen!


Olympische Sommerspiele,

Nein Danke!

Wien braucht keine Olymp. Spiele

weil es im Sommer ohnehin genug Fremdenverkehr hat. Laut Hotelerie ist alles gut ausgelastet. Außerdem gibt es außer dem Marathon keinr große LA-Veranstaltung, weil das Zuschauerinteresse fehlt. Warum sollte das bei Olymp. Spielen anders sein. Nicht einmal die Fußballstadien sind voll. Wir gehen halt lieber ins Schweizerhaus und zum Heurigen.

Wien bewirbt sich für die Olympischen Spiele und der Rest Österreichs darf für den Egotrip des Herrn Häupl und den Wasserkopf Wien zahlen


Anstatt die Wiener sollte Häupl die anderen 8 Bundesländer bzw. alle Nicht-Wiener fragen oder er finanziert die Spiele tatsächlich zu 100% aus Wiener Budgetmitteln.

Abstimmen müsste ganz Österreich

Es geht nicht an, dass Wien entscheidet ob Steuergelder verbraten werden oder nicht. Da will auch ich mit entscheiden.

Re: Abstimmen müsste ganz Österreich


Ich fürchte das wird der Häupl mit dem Taxler und der Krone alleine entscheiden. Allenfalls darf noch der Sonnenkönig aus Niederösterreich seinen Sanktus dazu erteilen.

Wien braucht kein Olympia

Wozu will sich eine solche Stadt dafür hergeben?!

Außer hoher neuer Schulden, unpassender hypermoderner Beton und Glasbauten, unnötig überdimensionierter neuer Stadien, Spekulation und Korruption wird nichts gewonnen. Diese Stadt ist weltweit in ihrer Einzigartigkeit bekannt, Werbung braucht es dafür auch keine mehr.

Re: Wien braucht kein Olympia

Sie überschätzen die Bedeutung und den Bekanntheitsgrad von Österreich und Wien.
Wir laufen schon längst unter ferner liefen.


Österreich braucht Olympische Sommerspiele!

Wir hatten noch nie welche und wollen sich auch in die Geschichtsbücher eintragen.

Einnahmen....

es würde sicher auch einiges zurückkommen...

erstens eine moderne Sportinfrastruktur

dann Einanhmen von Tickets

und Werbung für Wien/Österreich

Re: Einnahmen....

Die "moderne Sportinfratruktur" zahlen Sie sich mal schön selber, wenn Sie ein Endorphinjunkie sind.

 
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